Contini: "Wir sind weit weg von einer Spitzenmannschaft"

FC ST.GALLEN ⋅ Die Ostschweizer gehen nach dem 0:3 in Luzern mit 21 Punkten und als Liga-Vierter in die Nationalmannschaftspause. Die Tabelle sei ein Blendwerk, sagt Trainer Giorgio Contini. Man werde nun viel trainieren. In knapp zwei Wochen ist Lugano zu Gast.
06. November 2017, 18:52
Christian Brägger
Die Vorzeichen hätten deutlicher nicht sein können zwischen dem Vierten der Super League und dem taumelnden Tabellenletzten. Luzern, von dem man trotz dem 3:0 kaum behaupten konnte, den besten Tag erwischt zu haben, hatte sich am Sonntag zwar nicht wie ein Schlusslicht präsentiert. Aber der FC St.Gallen trat in der Zentralschweiz auch nicht so auf, als ob ihm die Höhenluft der Super League bekommt. Als ob er, falls die 14. Runde nach seinem Gusto verläuft, derzeit drittbeste und im besten Fall zweitstärkste Mannschaft der Liga sein könnte. Vor allem die zweite Halbzeit war eine zum Vergessen. «Wir sind alle hässig. Hätte sich Silvan Hefti nicht geopfert, hätten wir vielleicht 0:7 verloren», sagte Nicolas Lüchinger. Der Verteidiger wollte nichts schönreden. «Es ist doppelt bitter, dass wir den guten Auftritt gegen GC nicht bestätigen konnten», sagte Alain Wiss. Den Grund für die schlechte Leistung kannte der Mittelfeldspieler nicht, dass die St.Galler zu schnell zufrieden sein würden und in der Komfortzone verharren, liess er nicht gelten. «An der Einstellung liegt es definitiv nicht. Das hat man vor allem in der ersten Halbzeit gesehen.» Ebenfalls verneinte Wiss, dass gerade in solchen Partien ein Albian Ajeti – er ist auf dem Platz ein Charakterkopf – vermisst wird. «Wir dürfen Ajeti nicht ewig nachtrauern. Wir haben ja gezeigt, dass es auch ohne ihn funktioniert.»

Der FC St.Gallen scheint sich schwer zu tun mit der Favoritenrolle. Und wenn es im Spiel nicht läuft, hat er Mühe, einen Leader auf dem Platz zu finden. Trainer Giorgio Contini nimmt Stellung.

Giorgio Contini, wieso stand Ihr Team in Luzern so tief?
Wir spielten gleich wie gegen GC und pressten ab der Mittellinie. In den ersten 45 Minuten kam das gut daher, wir liessen wenig zu, der Gegner musste lange Bälle spielen. Letztlich geht es nicht um die Taktik oder darum, wer gespielt hat. Unsere Niederlage ist in den Fehlern zu suchen, die wir in den entscheidenden Momenten produzierten. Über den Weitschuss müssen wir nicht diskutieren. Und beim Penalty hält Karim Haggui den Gegner gefühlt drei Minuten lang. Auch die rote Karte Heftis passte ins Bild.

Man weiss nicht, wo St. Gallen derzeit steht. Ist es so gut wie ein Vierter der Liga?
Nur Aussenstehende sagen, dass wir so gut sind wie ein Vierter. Ich betone immer, dass es schön ist, so viele Punkte zu haben. Das ist nicht selbstverständlich. Um zu punkten, müssen wir viel mehr trainieren und weniger Fehler machen als andere. Vielleicht machen wir auch vieles richtig, sonst hätten wir die 21 Zähler nicht. Aber wir sind weit weg von einer Spitzenmannschaft. Wir dürfen uns nicht von der Tabelle blenden lassen.

Gegen Luzern fehlten Feuer und ein Leader.
An der Leidenschaft lag es nicht, wir gingen in die Zweikämpfe. Nehmen wir Haggui: Nach dem Elfmeter war es schwierig für ihn. Wir haben Spieler in unseren Reihen, die mehr mit selbst beschäftigt sind, wenn es nicht läuft. Das ist der Unterschied zu den Teams, die ganz vorne sind und nach einem Bock oder schlechten Spiel dennoch gewinnen.

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