Vor Respekt erstarrt

DURCHGEFALLEN ⋅ St.Gallen hat die zweite Reifeprüfung dieser Rückrunde nicht bestanden. Nach dem 0:3 gegen Leader Basel müssen die Ostschweizer Platz fünf in zwei Auswärtsspielen verteidigen. Die Konkurrenz holt auf.
03. April 2017, 05:17
Patricia Loher

Patricia Loher

18509 Zuschauer waren gekommen – so viele wie seit vier Jahren nicht mehr. Es hätte also ein prächtiger Abend werden können, zumal auch angenehme Temperaturen herrschten. Doch dann lief das Spiel gegen den Serienmeister so gar nicht für die St. Galler. Schon nach sieben Minuten und dem 0:1, das allerdings aufgrund einer Abseitsposition nicht hätte zählen dürfen, zeichnete sich ab, dass die Gastgeber diese Aufgabe wohl kaum mehr befriedigend würden lösen können. Nach 90 Minuten und zwei weiteren Gegentoren musste St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer konstatieren: «Gerät man gegen Basel derart früh in Rückstand, wird es schwierig.»

Der FC St.Gallen bestreitet nun zwei Auswärtsspiele: Am nächsten Samstag gastiert er bei den Grasshoppers, am Ostermontag in Luzern. Die Lage der Ostschweizer in der Tabelle präsentiert sich noch immer besser als auch schon in dieser Saison. Trotz der Niederlage verteidigten sie Platz fünf, der wohl auch zur Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation berechtigen wird. Doch Lugano hat gestern dank des Sieges in Luzern zu St.Gallen aufgeschlossen.

  • Espen-Star Tranquillo Barnetta hadert mit sich selbst und dem Spielverlauf.
  • Alles Anfeuern nützte nichts: St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer.
  • St.Gallens Goalie Daniel Lopar kann den ersten Gegentreffer nicht verhindern.

0:3 gegen Basel: Der FC St.Gallen war gegen den Leader völlig chancenlos. Bilder des Spiels, das vor über 18'000 Fans stattfand. (Bilder: Benjamin Manser)

Offensiv ohne Durchschlagskraft

Zinnbauer hatte die Partie gegen Basel im Vorfeld als «Plus-Spiel» bezeichnet, als eine Begegnung also, in der es viel zu gewinnen, aber nur wenig zu verlieren gab. Natürlich, die Kräfteverhältnisse in der Super League lassen so eine Betrachtungsweise zu. St.Gallen ist ein Team im Mittelfeld, das sich erst vor wenigen Wochen von der Abstiegszone abgesetzt hat. Meister Basel aber zieht an der Spitze einsam seine Kreise. Trotzdem hatte man sich von Zinnbauers Mannschaft, die in dieser Rückrunde erst ein Spiel verloren hatte, eine Reaktion auf das 0:1 sowie ein bisschen mehr Selbstvertrauen und Aggressivität erwartet. Doch ohne den gesperrten Albian Ajeti fehlte es den St. Gallern offensiv an Durchschlagskraft und defensiv wirkten sie nicht sattelfest. Hinzu kam, dass Leistungsträger wie Tranquillo Barnetta oder Toko ohne Einfluss blieben auf dieses Spiel. In Bezug auf Zinnbauers Aussage vor der Partie schrieb die «NZZ am Sonntag», für St.Gallen sei der Abend wider die Hoffnungen zu einer Art Minus-Spiel geworden. Die «Sonntagszeitung» fand, eine positive Erkenntnis gebe es: «Wenigstens nicht wieder 0:7 untergegangen.»

St.Gallens Respekt vor dem Gegner war zu gross. Die Ostschweizer hatten dem Pressing der Basler nichts entgegenzusetzen. Die Folge waren viele ungenaue Zuspiele. In der Statistik schien bei den St. Gallern lediglich ein Abschluss auf das Tor auf. Zudem trat eine Schwäche, welche die Ostschweizer eigentlich überwunden glaubten, wieder zu Tage: Zwei Gegentore fielen nach Standardsituationen. Das 0:1 kassierte St.Gallen nach einem Freistoss, das 0:3 nach einer Cornerflanke. «Darüber habe ich mich auch gewundert», sagte Zinnbauer. «Zuletzt verhielten wir uns bei Standards immer gut. Nun aber haben wir geschlafen.» Profiteur war zweimal der erst 21-jährige Innenverteidiger Manuel Akanji, der vor zwei Jahren noch in Winterthur spielte.

  • Daniel Lopar: Note 4. Der Goalie war bei allen drei Gegentoren machtlos. Kurz vor der Pause verhinderte Lopar nach einer Direktabnahme von Mohamed Elyounoussi das vorzeitige 0:3.
  • Silvan Hefti: Note 3. Er war noch der Beste in St.Gallens Abwehrverbund, obwohl auch er das eine oder andere Mal überlaufen wurde. Rettete einmal in extremis gegen Matias Delgado.
  • Karim Haggui: Note 2. Der frühere Bundesligaspieler zeigte schon deutlich bessere Spiele. Gegen Basel wirkte Haggui behäbig. Marc Janko traf per Kopf mit Haggui an seiner Seite zum 2:0 für die Gäste.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: pd)


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