Thomas Müller: "Der Neue muss den FCSG zusammenhalten"

PRÄSIDENTENSUCHE ⋅ Welche Eigenschaften braucht der neue starke Mann beim FC St.Gallen? Unter anderem ein hohes Mass an Glaubwürdigkeit, sagt Thomas Müller. Er muss es wissen: Unter ihm wurde der FCSG im Jahr 2000 Meister.
03. Mai 2017, 08:58
Johannes Wey
Thomas Müller, der FC St.Gallen sucht einen neuen Präsidenten. Was muss der Nachfolger von Dölf Früh mitbringen?
Ich teile die Auffassung von Dölf Früh, dass der fussballerische Sachverstand nicht zentral ist. Der Präsident muss den Klub zusammenhalten, vor allem gegen innen. Heute ist ja der FCSG ja nicht mehr einfach ein Verein. Man muss allen gerecht werden, den Aktionären, den Donatoren, den Angestellten aber auch dem Umfeld. Und wenn man gute Leute mit mehr Sachverstand um sich schart, muss man sie arbeiten lassen. Ich hatte mit Peter Stadelmann ja einen Super-Sportchef.

Was braucht es im Umgang mit der Öffentlichkeit und den Fans?
Ein hohes Mass an Glaubwürdigkeit. Und man muss zeigen, dass man Erfolg haben will.

Viele Fans vermissten in den letzten Jahren, in denen der Nicht-Abstieg als Saisonziel formuliert wurde, diese Erwartungshaltung.
In die Arbeit von Dölf Früh will ich mich nicht einmischen. Wenn man zurücktritt, muss man auch loslassen können.

Ist die wichtigste Funktion eines Clubpräsidenten nicht, Geld aufzutreiben?
Der ständige Kampf ums Geld ist das grosse Problem unserer Zeit. Dölf Früh brachte dafür genau das richtige Netzwerk mit. Dass der FC St.Gallen heute finanziell solide dasteht, ist eine grosse Leistung und für die Zukunft des Vereins absolut entscheidend. Heute sind die Strukturen beim FC St.Gallen dafür besser geeignet.

Meinen Sie damit das neue Stadion oder die neue Organisation als Unternehmen?
Beides. Aber das neue Stadion hat den Quantensprung bei der Professionalisierung überhaupt erst ermöglicht. Wir wussten damals, dass so etwas im Espenmoos nicht möglich wäre, und haben deshalb 1999 die Stadion AG gegründet.

Unter Ihnen als Präsident wurde der FC St.Gallen im Jahr 2000 überraschend Meister. Was hat damals gepasst?
Alles. Es war eine Teamleistung. Wir haben damals im Vorstand um Entscheide gestritten wie Weltmeister, diese danach aber konsequent umgesetzt. Zu dieser offenen Gesprächskultur passte
Der damalige FCSG-Präsident Thomas Müller (links hinter Goalie Jörg Stiel) feiert den Meistertitel 2000. Zoom

Der damalige FCSG-Präsident Thomas Müller (links hinter Goalie Jörg Stiel) feiert den Meistertitel 2000.

auch der Trainer Marcel Koller bestens. Und wir haben an der definierten Stossrichtung festgehalten, auch als es ein halbes Jahr lang nicht gut lief. Da ist es wie in der Politik: Ständige Richtungswechsel machen einen unberechenbar. Das ist nicht gut.

Auch Marcel Koller musste 1999 eine Niederlagenserie überstehen, bevor er das Team zum Meistertitel führte. Derzeit wünschen sich viele Fans den Abgang von Trainer Joe Zinnbauer. Wird es für ihn unter einem neuen Präsidenten eng?
Auch dazu will ich nichts sagen. Zumal ich Zinnbauers Arbeit überhaupt nicht beurteilen kann.

Würde es Sie persönlich nicht reizen, nochmals FCSG-Präsident zu werden?
Ich bin 64 und habe genug gemacht in meinem Leben. Was dieser Job von einem verlangt, kann man nicht in Stunden bemessen. Man muss 365 Tage im Jahr auf Abruf sein. Ich hatte eine schöne Zeit als Präsident. Aber wie gesagt: Wenn man zurücktritt, muss man auch loslassen können.

Wenden wir uns dem Fussball ein paar Ligen tiefer zu. Vor einigen Jahren sahen sie beim FC Rorschach und beim FC Goldach Challenge-League-Potential - sofern nur einer der Vereine dies anstrebt. Nun haben die Vereine fusioniert. Spielt der FC Rorschach-Goldach 17 bald Profi-Fussball?
Ich glaube, das wird mittelfristig so sein. Man muss das nicht schon in zwei Jahren erwarten. Aber er ist nun mit über 600 Mitgliedern einer der grösseren Clubs, die Kräfte sind konzentriert, und es sind gute Leute am Ruder. Zudem ist mit der Sportanlage Kellen eine gute Infrastruktur vorhanden. Und schon an der Fusionsversammlung habe ich angekündigt, mich für eine zusätzliche Tribüne stark zu machen.
 

Vom Club- zum Stadtpräsidenten

Thomas Müller war bis zur Gründung der FCSG-Aktiengesellschaft im Jahr 2004 sieben Jahre lang Präsident des FC St.Gallen. Unter seiner Führung wurden die Ostschweizer im Jahr 2000 Schweizer Meister. Seit 2003 ist der Anwalt Rorschacher Stadtpräsident, 2006 rückte er für Felix Walker in den Nationalrat nach. 2011 machte er landesweit von sich reden, als er kurz vor der Wiederwahl als Nationalrat von der CVP zur SVP wechselte. (jw)


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