Sturm der Entrüstung

FCSG - FC BASEL ⋅ Was für eine Blamage. Der FC St. Gallen geht zu Hause gleich mit 0:7 gegen den Super-League-Leader Basel unter. Die völlig verunsicherten Ostschweizer stemmen sich nicht gegen das Debakel und versetzen einige Anhänger in Rage.
18. April 2016, 06:08
Christian Brägger

FUSSBALL. 0:7. 0:7? 0:7! Ein Resultat, das einer Bankrotterklärung gleichkommt. Das muss man so sehen, wenn eine Mannschaft wie der FC St.Gallen gegen den Leader Basel vor eigenem Anhang ohne Leidenschaft und ohne jeglichen Willen, gegen eine Niederlage anzukämpfen, in dieser Höhe verliert. Regelrecht vorgeführt wurden die Ostschweizer, besonders in der zweiten Halbzeit war dies der Fall, die 0:6 verloren ging und in der es bald einmal auf Seite der Basler hiess: Jeder darf, wer hat noch nicht, wer will nochmal. Vor allem Renato Steffen fand Gefallen an diesem Motto, er erzielte drei Treffer, jeweils ein Tor trugen Breel Embolo und Davide Callà bei, der später sagte: «So ein Schützenfest, das tut gut.» Hinzu kamen Eigentore von Martin Angha und Gianluca Gaudino, und auch diese beiden Gegentreffer passten ins Bild, das St.Gallen gestern nachmittag zeichnete.

Gegen Ende der Partie hatten die fast 15 000 Zuschauer genug, sie hatten genug von diesem in jeder Beziehung schwachen Auftritt ihrer Mannschaft: Aus Trotz bejubelten sie nun jeden gelungenen Pass der St.Galler, sie hielten lange an ihrem Galgenhumor fest, bis Schiedsrichter Pascal Erlachner die Partie beendete und damit die historische Schlappe besiegelte – letztmals hatte der FC St.Gallen am 5. Oktober 1974 zu Hause gegen die Young Boys 0:7 verloren. Was nach dem Schlusspfiff folgte, war natürlich ein langes Pfeifkonzert, nein, man mochte nicht in der Haut der St.Galler stecken.

Anhänger kaum zu beruhigen

Für die Anhänger war die Sache damit aber nicht erledigt. Sie versuchten sich weit mehr gegen die Niederlage aufzulehnen, als dies der FC St.Gallen während den 90 Minuten zuvor getan hatte: Eine verärgerte Hundertschaft blockierte die unterirdische Zufahrt zur AFG Arena und hinderte die Spieler daran, von der Stätte des Unheils wegzukommen. Es brauchte deren versöhnliche Worte, Worte, die sie zuvor den Medienschaffenden noch in der Mixed Zone unisono verweigert hatten. Die Polizei war ebenfalls zur Stelle, und auch Präsident Dölf Früh half mit, eine Eskalation zu verhindern. Nach langem Zureden war es schliesslich geschafft.

  • Mario Leitgeb kann es nicht fassen - sein Team hat 0:7 gegen Basel verloren.
  • Mario Leitgeb versucht seine Teamkollegen aufzumuntern - genützt hat es nichts.
  • Edgar Salli und ein Basler fixieren den Ball.

Der FC St.Gallen rutscht immer tiefer in die Krise. Das Heimspiel gegen Basel verloren die Espen nach einer indiskutablen zweiten Halbzeit mit 0:7. (Bilder: Keystone)

Doch wie hatte es überhaupt zu diesem Kollektivversagen gegen Basel kommen können? Lange schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die überlegenen Gäste, die von der ersten Minute an mit voller Konzentration an ihre Aufgabe gingen, in Führung gehen würden. Eine erste grosse Möglichkeit vergab Matias Delgado nach 20 Minuten, ehe noch vor Ablauf der ersten halben Stunde Daniel Lopar ein erstes Mal bezwungen wurde. Kurz darauf besassen die St.Galler ihre einzige Möglichkeit, eine andere Geschichte des Spiels zu schreiben, doch scheiterten Edgar Salli und im Nachsetzen Danijel Aleksic. Und plötzlich riss der Faden, beim dem von Trainer Joe Zinnbauer defensiv eingestellten Heimteam lief nicht mehr viel zusammen, bis nach der Pause rein gar nichts mehr stimmte. Es war nun kein schöner Anblick, wie sich die Mannschaft kampf- und emotionslos ihrem Schicksal ergab und in ihre Einzelteile zerfiel.

Weiter im Tunnel

Dabei war es noch ein kleiner Lichtblick gewesen, der gewonnene Punkt des FC St.Gallen in Sitten, nachdem er zuvor vier Mal hintereinander verloren hatte. Doch die Niederlage gegen Basel zeigte schonungslos, dass noch kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist.


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