Eiskalt erwischt

LEHRSTUNDE ⋅ Der FC St.Gallen bleibt zu Hause gegen den FC Basel chancenlos und verliert vor der Saisonrekordkulisse von 18'509 Zuschauern mit 0:3. Die Ostschweizer finden nie ins Spiel und bringen den Leader kaum in Bedrängnis.
02. April 2017, 08:01
Patricia Loher

Patricia Loher

Nach der Euphorie um die Verpflichtung von Albian Ajeti folgte in St.Gallen die Ernüchterung auf dem Fuss. Nur gerade 20 Minuten benötigte der unumstrittene Leader Basel, um alle seine Qualitäten auf den Platz zu bringen, nach zwei Torchancen führte er bereits mit 2:0. Nach sieben Minuten ging die Mannschaft von Urs Fischer nach einem Freistoss Luca Zuffis durch den sich knapp im Abseits befindenden Manuel Akanji in Führung. In der 20. Minute musste sich Basel gar vorgekommen sein wie im Training, als Martin Angha Renato Steffen flanken liess und in der Mitte Marc Janko völlig unbedrängt zum 2:0 einköpfeln konnte. St.Gallen enttäuschte in dieser ersten Halbzeit auf der ganzen Linie. Defensiv wirkten die Ostschweizer fahrig und unaufmerksam, offensiv waren sie ohne den gesperrten Ajeti praktisch inexistent. Der Kopfball von Yannis Tafer in der 41. Minute war St.Gallens erste nennenswerte Möglichkeit. Basel musste nie an seine Grenzen gehen, ein, zwei gelungene Pässe genügten, um die Gastgeber in Bedrängnis zu bringen.

  • Daniel Lopar: Note 4. Der Goalie war bei allen drei Gegentoren machtlos. Kurz vor der Pause verhinderte Lopar nach einer Direktabnahme von Mohamed Elyounoussi das vorzeitige 0:3.
  • Silvan Hefti: Note 3. Er war noch der Beste in St.Gallens Abwehrverbund, obwohl auch er das eine oder andere Mal überlaufen wurde. Rettete einmal in extremis gegen Matias Delgado.
  • Karim Haggui: Note 2. Der frühere Bundesligaspieler zeigte schon deutlich bessere Spiele. Gegen Basel wirkte Haggui behäbig. Marc Janko traf per Kopf mit Haggui an seiner Seite zum 2:0 für die Gäste.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: pd)

Dabei war alles angerichtet gewesen für einen schönen, allenfalls spannenden Fussballabend. Das Stadion war erstmals seit langem mit 18'509 Zuschauern wieder gut gefüllt, das Publikum nach bloss einer Niederlage in dieser Rückrunde in aufgeräumter Stimmung. Doch das Heimteam liess sich nicht beflügeln, es kam nie ins Spiel. Die Passqualität war derart schlecht, dass auch andere Mannschaften davon profitiert hätten. Sollte sich St.Gallen vor dem gestrigen Spiel in der Tabelle eher nach vorne orientiert haben, war die Begegnung gegen Basel nun wieder ein Beweis, dass die St.Galler vielleicht doch näher bei Lugano und Thun als bei Luzern sind. «Wir haben es dem Gegner bei den Toren zu einfach gemacht», sagte Trainer Joe Zinnbauer. «Es ist uns eine Lehre.»
  • Espen-Star Tranquillo Barnetta hadert mit sich selbst und dem Spielverlauf.
  • Alles Anfeuern nützte nichts: St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer.
  • St.Gallens Goalie Daniel Lopar kann den ersten Gegentreffer nicht verhindern.

0:3 gegen Basel: Der FC St.Gallen war gegen den Leader völlig chancenlos. Bilder des Spiels, das vor über 18'000 Fans stattfand. (Bilder: Benjamin Manser)

St.Gallen ein zu zahmer Gegner

Natürlich ist es nicht der Anspruch der Ostschweizer, Partien gegen den Serienmeister locker zu gewinnen. Allerdings: Ein bisschen mehr Aggressivität und Selbstvertrauen wäre der Sache dann doch dienlich gewesen. Erstaunlich war vor allem, wie zahm die Gastgeber auftraten, wie schnell sie sich auch den Schneid abkaufen liessen. Und es wirft halt auch wieder die Frage auf, weshalb die St.Galler, wenn sie sich eigentlich gefunden zu haben scheinen, immer wieder solch enttäuschende Leistungen einstreuen. Schon gegen Lugano hatte das Team zu Hause einen ähnlichen Rückschlag hinnehmen müssen.

So stand zur Pause praktisch fest, dass die Ostschweizer wohl kaum mehr zu einem Punkt kommen würden, wenn sie sich nicht massiv steigerten. Trainer Zinnbauer, der bereits in der 37. Minute Marco Aratore durch Mohamed Gouaida ersetzt hatte, brachte nach der Pause für den angeschlagenen Angha Gianluca Gaudino, der in dieser Rückrunde noch keine Minute gespielt hatte. Der 20-Jährige versuchte mit Gouaida, dem Spiel neuen Schwung zu geben. Sie versuchten, stets anspielbar zu sein. Aber auch ihnen unterliefen, wie allen anderen Teamkollegen, zu viele Abspielfehler, als dass Basel wenigstens ein bisschen gefordert gewesen wäre. Die Entscheidung fiel schliesslich in der 57. Minute, als Innenverteidiger Akanji nach einem Corner zum zweiten Mal an diesem Abend traf. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte St.Gallen gerade einmal einen Abschluss auf das Tor abgegeben. Der zweite in diesem Spiel folgte in der 89. Minute, als Tafer am Basler Torhüter Djordje Nikolic scheiterte. Es war für den 19-jährigen Nikolic, der den kranken Tomas Vaclik vertrat, in seinem ersten Super-League-Spiel die erste Parade gewesen. Jedenfalls blieb als einziges Schlussfazit nach 90 Minuten: Es war ein Klassenunterschied.

Barnetta gegen die Grasshoppers gesperrt

Basel war es gelungen, St.Gallens Schaltzentrale Tranquillo Barnetta komplett aus dem Spiel zu nehmen. Der 31-Jährige blieb ohne Einfluss, es gab Spiele, da waren auch seine Freistösse schon gefährlicher. Danijel Aleksic oder Tafer, welche die Sturmspitze bildeten, bekamen praktisch keine brauchbaren Bälle. Captain Toko verlor aussergewöhnlich viele Zweikämpfe, und die Abwehr tat sich insgesamt schwer. Es war für Basel, das doch auf den einen oder anderen Leistungsträger verzichten musste, ein Leichtes, das Spiel zu kontrollieren. St.Gallen fand sein Gleichgewicht in diesem Spiel nie. «Wir konnten uns nach den frühen Gegentoren nicht mehr fangen», sagte Barnetta. «Wir wissen, dass wir die Erwartungen nicht erfüllt haben.» Der St.Galler Mittelfeldspieler wird am nächsten Samstag in der Auswärtspartie gegen die Grasshoppers gesperrt sein.

  • Daniel Lopar: Note 5: Lässt beim 0:1 den Ball nach vorne abprallen, ansonsten eine tadellose Leistung. Mehrere Paraden in der zweiten Halbzeit verhindern Schlimmeres.
  • Silvan Hefti: Note 4: Defensiv wie gewohnt solid, zudem in der ersten Halbzeit mit zwei gelungenen Aktionen nach vorne. Tauchte in der zweiten Halbzeit ab.
  • Karim Haggui: Note 4: Rettet in der 16. Minute vor der Linie nach einem Corner. Macht beim 2:2-Ausgleich eine unglückliche Figur, indem er den Ball abfälscht.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner.


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