Wenn die Dämme brechen

ST.GALLEN - GC 4:1 ⋅ Der FC St.Gallen gewinnt eine höchst unterhaltsame Partie gegen die Grasshoppers 4:1. Dabei zerzausen die Ostschweizer den Rekordmeister in der Schlussphase regelrecht und erzielen drei Tore innert sieben Minuten.
21. Mai 2017, 16:01
Christian Brägger
Das kann ja heiter werden gegen diese Grasshoppers. Das dachte man nach 58 Sekunden Spielzeit, weil der FC St.Gallen durch Munas Dabburs Tor bereits 0:1 hinten lag. Das kann ja heiter werden in der nächsten Saison. So könnte die Gefühlslage eineinhalb Stunden später gewesen sein, als die St.Galler in ihrer Fankurve nach dem grandiosen 4:1-Sieg gegen die Grasshoppers hochgelebt wurden. Weil dieser Erfolg gegen den Rekordmeister irgendwie Hoffnungen schürt für die kommenden Monate. Hoffnungen um diesen kaum wiederzuerkennenden FC St.Gallen, unter diesem neuen Trainer Giorgio Contini. Er sagte: «Es freut mich, wenn es den Leuten Spass gemacht hat.»
  • Yannis Tafer: Note 5. Der Joker sticht zweimal, weil er seine Lust für den Fussball vielleicht gerade wieder entdeckt. Seinem 4:1 haftet wohl der Makel einer Abseitsposition an.
  • Alain Wiss: Note 5. Spielt in der Innenverteidigung anstelle von Karim Haggui, hat die Abwehr bis auf den Gegentreffer gut im Griff. Es liegt auch am Zentralschweizer, dass sich Dabbur nicht richtig entfalten kann. Erzielt das 3:1 in Torjägermanier, es ist sein erster Treffer in einem Super-League-Spiel für St.Gallen.
  • Marco Aratore: Note 5. Mit der Wut im Bauch für Buess eingewechselt, hat er seine Füsse bei den Treffern zum 2:1, zum 3:1 und zum 4:1 im Spiel.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: PD)


Dazwischen lagen 90 Minuten, in denen 15667 Zuschauer im Kybunpark eine in der Tat höchst unterhaltsame Partie geboten bekamen. Mit allen Zutaten, die zum Fussball gehören: Mit sage und schreibe drei St.Galler Toren innert 420 Sekunden zwischen der 77. und 84. Minute; mit diesem schockartigen Kaltstart; mit Sejad Salihovics Verletzung vor der zweiten Halbzeit – er riss sich den Sehnenspiegel im Wadenbereich und fällt vier bis sechs Wochen aus; mit gelb-roten Karten für Gianluca Gaudino und den leicht erregbaren Dabbur, den das Publikum im Verlauf der Partie zur fast schon obligaten Reizfigur «ernannte»; mit viel Pfeffer, Emotionen und Leidenschaft in einem Spiel, das Contini Aufschlüsse für seine künftige Arbeit geben wird.

  • Jubel bei Yannis Tafer, Tranquillo Barnetta, dem Torschuetzen zum 3:1 Alain Wiss und Albian Ajeti nach dem 3:1.
  • Die Erleichterung ist gross bei den Espen.
  • FCSG-Trainer Giorgio Contini verfolgt das Geschehen auf dem Rasen mit Argusaugen.

Dem FC St.Gallen gelingt gegen GC die Wende. Nach einem frühen Rückstand drehen die Espen das Spiel und gewinnen im Kybunpark gegen die Zürcher 4:1.

Contini wechselt den Sieg ein

In kurzer Zeit hat es der Trainer geschafft, aus dem FC St.Gallen eine neue Mannschaft zu formen. Eine Mannschaft, die nicht gleich beim kleinsten Windstoss umfällt, sondern sich auf seine Stärken besinnt. Und den Weg unbeirrt, geduldig weitergeht. So war es in Lugano in der guten zweiten Halbzeit, so war es gestern nach diesem frühen 0:1. St.Gallen spielte danach munter weiter, bestimmte das Geschehen, angetrieben von den aktiven Salihovic, Tranquillo Barnetta und Danijel Aleksic. Letzterer war es auch, der nach Salihovics Freistossvariante in der 34. Minute das 1:1 erzielte – es war der erste Treffer des Serben seit Juli 2016. Gewiss hätte danach das Spiel auch auf die Seite der Zürcher kippen können, etwa nach dem Pfostenkopfball von Charles Pickel in der 71. Minute. Aber es kippte auf die Seite der St.Galler, weil Contini die bessere Ersatzbank zur Verfügung stand – und er mit der Hereinnahme von Yannis Tafer und Marco Aratroe im zweiten Durchgang alles richtig machte. Denn diese beiden Joker stachen, Aratore hatte in seinem 100. Auftritt für St.Gallen beim Torfestival in den Schlussminuten jedes Mal seinen Fuss im Spiel. Und Tafer traf zweimal. Dazu reihte sich sogar Innenverteidiger Alain Wiss mit dem 3:1 unter die Torschützen, es war die Phase, in der fast alles gelang und die Dämme zu brechen schienen.
Später in den Katakomben dann, da stand gerade der Doppeltorschütze dafür, wie gut ihm der Trainerwechsel getan hatte: Tafer strahlte bis über beide Ohren – beim Algerier kommt eine solche Gefühlsregung fast wie ein Dammbruch daher.

3 Leserkommentare

Anzeige: