Das Glück ist zurück

SIEGREICH ⋅ Nach fünf Niederlagen in Folge und dem Trainerwechsel feiert St. Gallen im kapitalen Spiel in Lausanne einen Sieg. Beim Début von Giorgio Contini gewinnen die Ostschweizer dank Albian Ajeti glücklich 1:0.
07. Mai 2017, 22:34
Patricia Loher
Es hatte etwas Symbolisches, als Mario Mutsch in der 42. Minute den Rasen betrat. Die Einwechslung des Luxemburgers stand für den Neuanfang in St. Gallen, trotz Abstiegskampf hatte der neue Trainer Giorgio Contini die Uhr wieder auf null gestellt. Unter Joe Zinnbauer gehörte der 32-jährige Mutsch in keinem Spiel dieser Rückrunde dem Aufgebot an. In Lausanne aber half der luxemburgische Internationale nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Silvan Hefti mit, die wieder zu einer Viererkette formierte Abwehr zusammenzuhalten. St. Gallen war auf der Pontaise auf einen guten Zweikämpfer wie Mutsch angewiesen, denn Lausanne stellte in diesem kapitalen Spiel lange das bessere Team. Als Albian Ajeti in der 66. Minute das 1:0 für die Gäste erzielte, entsprach das nicht dem Spielverlauf. 

  • Daniel Lopar: Note 4. Nachdem er noch gegen die Young Boys seinem Konkurrenten Dejan Stojanovic den Vortritt hatte lassen müssen, stand Daniel Lopar wieder im Tor. Als Captain vertrat er den gesperrten Toko. Zweimal musste Lopar in extremis eingreifen, was er souverän erledigte. Es gibt aber doch noch zuviele weite Abschläge, die der Mannschaft nichts bringen.
  • Albian Ajeti: Note 6. Der Matchwinner! In den vergangenen fünf Spielen hatte St. Gallens bester Torschütze nicht getroffen, auch in Lausanne deutete lange nichts auf einen Treffer hin, ehe der 20-Jährige am Fünfmeterraum aus der Drehung wunderbar das Siegestor erzielte. Es war sein zehnter Saisontreffer.
  • Marco Aratore: Note 5. Er bekam viele gute Bälle und war auf dem linken Flügel ein Unruheherd. Lange fehlte Aratores Flanken und Pässen aber die Genauigkeit, ehe er in der 66. Minute das Tor von Albian Ajeti vorbereitete.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner.

Giorgio Contini:  «Mit Demut feiern»

So sagte Giorgio Contini nach seinem Début: «Wir werden diesen Sieg mit Demut feiern.» Aber im Abstiegskampf fragt keiner, wie Erfolge zustande gekommen sind, sie zählen und sind manchmal doppelt so viel Wert. «Dieser Erfolg tut uns gut. Wir sind froh, dass wir unter Contini so beginnen konnten», sagte Roy Gelmi. Bei noch fünf ausstehenden Runden beträgt St. Gallens Vorsprung auf das letztklassierte Vaduz acht Punkte. Am nächsten Samstag könnten die Ostschweizer gegen Continis früheres Team zu Hause alles klar machen. «Wir müssen den Zuschauern und dem Club etwas zurückgeben. Sie haben schwierige Zeiten durchgemacht», sagte Mutsch.

  • Der Lausanner Nassim Ben Khalifa behauptet sich gegen Karim Haggui.
  • Benjamin Kololli im Zweikampf mit Silvan Hefti.
  • Sejad Salihovic muss sich gegen Nassim Ben Khalifa behaupten.

Der FC St.Gallen hat auswärts unter dem neuen Trainer Giorgio Contini in die Erfolgsspur zurückgefunden. Das Endresultat lautet 1:0 für die Espen. Einziger Torschütze des Matches war Albian Ajeti in der zweiten Halbzeit. (Bilder: Keystone)

Als Mutsch gestern erstmals seit November wieder in St. Gallens Spiel eingreifen durfte, hatten seine Teamkollegen ihre besten Momente bereits hinter sich. St. Gallen war so schwungvoll wie schon lange nicht mehr gestartet. Die Ostschweizer spielten die Bälle zügig und immer wieder über mehrere Stationen. Nach sechs Minuten fehlte Ajeti wenig, und er wäre vor Lausanne-Torhüter Thomas Castella am Ball gewesen. St. Gallen stand hoch, St. Gallen presste. «Die Mannschaft setzte um, was wir angesprochen hatten», sagte Contini. Nach gut einer Viertelstunde aber schlichen sich wieder viel zu viele Fehler ein. Die Ungenauigkeiten am Sechzehnmeterraum kosteten die St. Galler Substanz. In jener Phase wurde offensichtlich, dass unter den vergangenen sieglosen Wochen ihr Selbstvertrauen doch arg gelitten hat. St. Gallen traf oft die falschen Entscheidungen. 

Sejad Salihovic und Alain Wiss, sie beide im defensiven Mittelfeld, waren um Einfluss bemüht, Tranquillo Barnetta vor ihnen versuchte, das Spiel zu beruhigen, was aber auch ihm nicht gelang. «Wir verloren den Kopf», sagte Contini. «Aber es ist normal, dass wir in solch einer Situation nicht mehr alles sauber lösen können.» So gerieten die Ostschweizer immer mehr unter Druck, schon zur Pause hätte Lausanne führen müssen. Zumal die Mannschaft in der 18. Minute einen Pfostenschuss durch Jordan Lotomba zu verzeichnen hatte. In der 74. Minute beanspruchten die St. Galler ebenfalls das Glück, als der Schiedsrichter Lausanne ein Tor aberkannte, das auch hätte zählen können.

Nach sieben sieglosen Spielen in Folge und zuletzt fünf Niederlagen in Serie muss sich St. Gallen Stabilität und Balance Schritt um Schritt zurückerkämpfen. In Lausanne gelang den Ostschweizern nach gutem Start lange nichts Zwingendes, ehe Ajeti nach Marco Aratores Vorarbeit auf wunderbare Art links am Fünfmeterraum seinen zehnten Saisontreffer erzielte. «Es macht wieder Spass», sagte Gelmi.

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