Herisauer bringt Eishockeystars bei Olympia zur Raison

PYEONGCHANG 2018 ⋅ Daniel Stricker ist in Pyeongchang als Eishockeyschiedsrichter im Einsatz. Dabei gilt für den Herisauer dasselbe wie für die Sportler: Wer in den Final will, muss Leistung bringen.
15. Februar 2018, 05:20
Sergio Dudli

Sergio Dudli

Die meisten Athleten fahren mit dem Ziel an die Olympischen Spiele, ihr Land stolz zu machen. Sie kämpfen um Medaillen und Diplome oder leben manchmal einfach nur den olympischen Gedanken «Dabeisein ist alles». Unterstützt werden die Olympioniken von Dutzenden von Betreuern und Trainern, während zu Hause vor den Bildschirmen die Landsleute mitfiebern.

Daniel Stricker aber verfolgt in Pyeongchang andere Ziele. Für ihn geht es nicht darum, sich als Olympiasieger den Platz in den Geschichtsbüchern zu sichern. Der 42-Jährige ist in Südkorea, um als Referee dafür zu sorgen, dass im Eishockey alles seine Richtigkeit hat. «Ich kann zwar keine Goldmedaille gewinnen oder die Fahne tragen, aber vielleicht kann ich der Welt zeigen: Hey, die Schweiz bringt gute Schiedsrichter hervor», so der Herisauer. Und er ergänzt: «Den einzigartigen olympischen Geist und diese Atmosphäre will ich trotzdem genauso aufnehmen und geniessen wie die Athleten.»

Die ganze Hockeywelt schaut ihm zu

Normalerweise leitet Stricker Spiele in der höchsten Schweizer Eishockeyliga sowie an Weltmeisterschaften. Die diesjährigen Winterspiele sind die ersten, an denen der Profischiedsrichter olympische Luft schnuppern kann. Seit Ende November weiss Stricker, dass er in Südkorea dabei sein wird. «Nachdem ich mir kurz vor der vergangenen WM im Mai den Fuss gebrochen und unwissentlich weiterhin Spiele gepfiffen hatte, musste ich anschliessend den Sommer hindurch eine Schiene tragen. In dieser Zeit durfte ich keinen Sport machen, wodurch die Spiele für mich sehr weit weg waren», so Stricker. Nachdem der Fuss wieder geheilt war, absolvierte der Ostschweizer im August ein mitentscheidendes Fitnesstestcamp mit anderen Referees, die für die Spiele in Frage kamen. «Trotz des Trainingsrückstands erzielte ich sehr gute Resultate. Das entfachte neue Hoffnung.» Ende November bekam Stricker dann die Bestätigung, dass er in Südkorea dabei sein wird. «Letztlich war die Freude umso grösser, weil die Anzeichen nicht darauf hingedeutet haben, dass ich dabei sein könnte.»

Dass er in Pyeongchang im Fokus der ganzen Eishockeywelt steht, ist dem mittlerweile im Kanton Zürich wohnhaften Referee bewusst. Entsprechend ehrlich gibt sich Stricker: «Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde: Das sind für mich ganz normale Partien.» Es sei eine grössere Schuhnummer als die NLA. «Der Schlüssel, mit diesem Druck umzugehen, ist der volle Fokus auf das Wesentliche: das Spiel. Letztlich ist ein Beinstellen ein Beinstellen – egal, ob ich jetzt in der Schweizer Liga oder an Olympischen Spielen pfeife.» Im Gegensatz zu den Athleten leben die Referees nicht im olympischen Dorf, sondern im Hotel. Trotzdem ist Stricker überzeugt, dass auch bei ihm das olympische Flair aufkommt: «Spätestens wenn ich die Eishalle betrete, kommt dieses Gefühl.» Während Olympia sind Strickers Tage mit Meetings, Besprechungen und Spielanalysen gefüllt: «Da bin ich froh, wenn ich mich gelegentlich etwas zurückziehen kann.»

Die harte Arbeit zahlt sich aus

Ein konkretes sportliches Ziel hat sich Stricker nicht gesetzt: «Ich möchte nicht hinausposaunen, dass ich den Final leiten will. Das verkrampft dich nur. Vielmehr möchte ich in jedem Spiel mein Bestes geben, um faire Partien zu ermöglichen. Alles andere kommt dann, wie es kommt.» Bei den Referees sei es ähnlich wie bei den Sportlern: Am Ende entscheidet die Leistung, wer in den Final kommt.

Dabei hat Stricker keine Angst davor, durch das höhere sportliche Niveau abzufallen. «Dass alles ein Level höher ist, macht es für uns Schiedsrichter einfacher. Beispielsweise wird uns ermöglicht, dass wir uns voll auf die Spiele fokussieren können», so der Ostschweizer. Letztlich erhofft er sich, dass er mit positiven Erfahrungen zurück in die Heimat reisen kann. Etwas hat der 42-Jährige bereits gelernt: «Harte Arbeit zahlt sich aus. Wenn man versucht, aus jeder Sache das Beste zu machen, kommt das Gute irgendwann zu einem zurück. Deshalb bin ich hier und entsprechend stolz.»


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