Bräggers geglückte Hauptprobe

KUNSTTURN-WM ⋅ Pablo Brägger bestätigt im Mehrkampffinal seine ausgezeichnete Form. Trotz eines Sturzes am Barren stellt der St. Galler als Zwölfter das beste WM-Ergebnis eines Schweizers seit 67 Jahren auf.
07. Oktober 2017, 10:07
Christian Finkbeiner (SDA), Montréal

Christian Finkbeiner (SDA), Montréal

Es sind aufregende Tage für den Schweizerischen Turnverband in Montréal. Sieben Finalplätze an einer WM, das geglückte Comeback von Giulia Steingruber auf internationaler Bühne, das beste WM-Ergebnis eines Schweizer Mehrkämpfers seit Urzeiten – und der Höhepunkt folgt erst noch. Die Chancen in den Ge­rätefinals vom Wochenende auf die erste WM-Medaille seit 2009 und Ariella Kaeslins Silber am Sprung sind intakt.

Die Ausgangslage ist vielversprechend, vor allem am Reck. Als Zweiter und Vierter der Qualifikation treten Pablo Brägger und Oliver Hegi zum Final an, als einzige Nation stellt die Schweiz am Königsgerät mit dem Gold- und Silbermedaillengewinner der EM in Cluj-Napoca zwei Finalisten. Keiner turnte schwieriger als Brägger, nur der Russe David Beljawski turnte schöner als Hegi. «Sie haben gute Chancen, eine Medaille zu machen», ist ­Felix Stingelin, der Chef Spitzensport des STV, überzeugt.

«Das gibt Selbstvertrauen für den Final»

Brägger untermauerte im Mehrkampffinal, dass seine Form stimmt – trotz einer leichten ­Erkältung, mit der er und seine Teamkollegen in den vergan­genen Tagen zu kämpfen hatten. «Fünf von sechs Geräten sind mir sehr gut gelungen.» Am Reck erhielt er sogar eine noch leicht höhere Wertung als in der Qualifikation. «Das gibt Selbstvertrauen für den Final. Es zeigt, dass ich mich an die Umstände hier ­gewöhnt und die Übung drauf habe.» Der 24-Jährige aus Oberbüren ist sich der verheissungsvollen Ausgangslage bewusst. «Sich auf die Rangierung zu ­fokussieren und versuchen, den zweiten Rang der Qualifikation zu bestätigen, bringt aber nichts. Damit macht man sich nur kaputt.»

Zu seinem ersten Auftritt in einem WM-Gerätefinal kommt Brägger bereits eine gute Stunde vor dem abschliessenden Showdown am Reck. Am Barren tritt er als Achter der Qualifikation allerdings nur als Aussenseiter auf die Medaillen an. «Ich kann nur gewinnen.» Die Hauptprobe im Mehrkampffinal missglückte ihm, der Sturz kostete ihn einen Platz in den Top Ten. Brägger hofft, dass er bis am Sonntag wieder topfit ist. «Erholung, Erholung, Erholung», gab er als Motto für die beiden wettkampffreien Tage aus.

Das Reck verzeiht keine Fehler

Das Gefühl, in einem WM-Gerätefinal zu stehen, kennt Oliver Hegi. Der Aargauer qualifizierte sich bereits 2015 für den Reckfinal, in dem nach einem Sturz nur Rang sieben resultierte. «Nun versuche ich ruhig zu bleiben, das ist mir in Glasgow leider nicht gelungen», so Hegi. Daran denken, was möglich ist, will er nicht. «Ich konzentriere mich auf meine Übung.» Über die guten Klassierungen von ihm und Teamkollege Brägger im Vorkampf zeigte er sich überrascht. Einige der Medaillenanwärter wie Kohei Uchimura, Andreas Brettschneider, Sam Mikulak, Lin Chaopan oder Manrique Larduet waren bereits in der Qualifikation auf der Strecke geblieben. Das Reck verzeiht keine Fehler.

Im Gegensatz zu Brägger und Hegi sind für Eddy Yusof die Titelkämpfe bereits zu Ende. Dem Zürcher Unterländer gelang auch der zweite Einsatz nicht nach Wunsch. Seinen ersten Mehrkampffinal an einer WM beendete der Olympiazwölfte von Rio nach Stürzen am Sprung und am Pauschenpferd auf Platz 19.


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