Kartause Ittingen

Wo Innehalten zum Alltag gehört

Die Kartause Ittingen zählt zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern des Bodenseeraums. Bild: PD
Seit 40 Jahren sorgt die Stiftung Kartause Ittingen in der einstigen Klosteranlage für Leben und Kultur, ohne dabei klösterliche Werte wie Spiritualität, Selbstversorgung oder Fürsorge zu vernachlässigen. Ein einzigartiger Ort ist der Lohn für dieses Engagement.
28. September 2017, 06:00
SUZANA CUBRANOVIC
 

 


Grüne Wiesen, idyllische Rebberge und ein liebliches Dorf namens Warth. Bereits mit der Anreise scheint der Alltagsstress abzufallen und wohltuende Ruhe und Entspannung einzukehren. Wer in die Kartause Ittingen fährt, ob mit dem öffentlichen Verkehr oder mit dem Privatauto, spürt es spätestens beim Eintreten in die einstige Klosteranlage: Das gute Gefühl, an einem besonderen Ort angekommen zu sein. Zwar wurde das ehemalige Kloster Ittingen bereits 1848 aufgelöst, nachdem die Augustiner während rund 300 Jahren hier weilten und ab 1461 die Kartäuser. Dennoch ist der Geist der Mönche, die den Ort rund 700 Jahre geprägt haben, bis heute spür- und erlebbar. 

Klösterliche Werte beibehalten

Auch 169 Jahre nach Auszug der Geistlichen würde sich kaum eine Besucherin oder ein Besucher wundern, wenn ein Mönch um die Ecke käme. Oder wenn die prächtigen Rosenbüsche im Garten von einem Mann in Kutte geschnitten würden. Auch im grossen Kreuzgang, wo sich das Ittinger Museum befindet, ist der Kartäuserorden so präsent, als wären seine Mitglieder noch da. Die klösterliche Geschichte ist erlebbar – obwohl die Kartause Ittingen längst zu einem florierenden Hotel, Tagungs-, Veranstaltungs- und Kulturort umfunktioniert wurde.

Doch wie ist es gelungen, die Geschichte derart lebendig zu halten? Die Stiftung Kartause Ittingen, die am 20. April 1977 mit dem Zweck gegründet wurde, das ehemalige Kartäuserkloster vor dem endgültigen Zerfall zu retten, hat eine durchdachte Strategie entwickelt, um das einmalige Kulturgut zu neuem Leben zu erwecken. «Wir legen grossen Wert auf die klösterlichen Werte. Dazu zählen Spiritualität, Fürsorge und Selbstversorgung, aber auch Bildung, Kultur und Gastfreundschaft», sagt Heinz Scheidegger, Prokurator und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Stiftung Kartause Ittingen. «Um den Spirit des ehemaligen Klosters zu erhalten, haben wir von Anfang an das Gespräch mit Kartäusern gesucht. Der Prior der Kartause Pleterje in Slowenien hat uns begleitet und beraten, damit wir den Sinn des Kartäuserdaseins verstehen und im Betrieb aufnehmen können», ergänzt er. So erfolgten in den ersten fünf Jahren umfassende Instandstellungsarbeiten mit einer Investitionssumme von 46 Millionen Franken. Weitere sieben Millionen Franken wurden seit 1984 für laufende Restaurierungsarbeiten aufgewendet. Mit der Renovation von 10000 Quadratmetern Dachfläche steht in den nächsten zehn Jahren eine weitere grosse Investition an. 

Bedeutendes Kulturdenkmal im Bodenseeraum

Doch die Investitionen scheinen zu fruchten: Die Kartause Ittingen gehört nicht nur zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern im Bodenseeraum, sie ist darüber hinaus ein beliebter wie renommierter Tagungs- und Veranstaltungsort mit eigenem Drei-Sterne-Superior-Hotel und dem Restaurant Mühle, wo saisonal, entsprechend dem Angebot aus Gutsbetrieb, Käserei, Metzgerei, Bäckerei, Fischzucht, Gärtnerei und Weinkeller gekocht wird. 

«Die Seminargäste sind ganz klar unser Lebensnerv, dicht gefolgt von Banketten – viele Paare heiraten hier, auch zahlreiche Familienfeste richten wir aus», bestätigt Heinz Scheidegger. Über klassische Banketträume hinaus, verfügt die Kartause Ittingen auch über einen Apfelgarten, der für Seminare und Trauungen gebucht werden kann. Ausserdem kann die Klosterkirche, die via das Ittinger Museum öffentlich zugänglich ist,  ausserhalb der Museumsöffnungszeiten für Anlässe gebucht werden.

Aber auch ohne besonderen Anlass ist die Kartause Ittingen jederzeit einen Besuch wert. Mit dem Ittinger Museum und dem Kunstmuseum Thurgau laden gleich zwei Museen zur Auseinandersetzung mit klösterlicher Lebensweise und zeitgenössischer Kunst ein. Dazu kommt das reiche Kurs- und Konzertangebot, das auf vielfältige Weise die (Kultur-)Bildung fördert. Und dann sind da noch die zauberhaften Gärten. Ob die Weinberge, die Hopfen- und Gemüsegärten, die Blumengärten inklusive der grössten historischen Rosensammlung der Schweiz – sie laden ein zum Innehalten und Verweilen, zum Nachdenken und Sein. 

Darüber hinaus bieten sie – wie auch die anderen Bereiche in der Kartause – Arbeitsplätze. Insgesamt sind es 230, darunter 60 geschützte Arbeitsplätze, für  Menschen mit einer psychischen oder geistigen Beeinträchtigung. Und das ist Fürsorge, die ebenfalls aktiv gelebt wird. 

 

Tag der offenen Tür am Samstag, 30. September 2017

Am Samstag, 30. September 2017, lädt die Kartause Ittingen die Bevölkerung ab 11 Uhr zum grossen Jubiläumsfest mit Musik und Festwirtschaft ein. Konzerte von Silberbüx, Soneros de Verdad, Manser Buebe, Schola Romana Lucernensis und der Musikgesellschaft Uesslingen bieten von Klassik und Volksmusik bis zu Salsa und Kindersongs für jeden etwas. Ausserdem können Besucherinnen und Besucher die Werkstätten besichtigen – darunter die Gärtnerei, die Käserei oder der Weinkeller, wo auch degustiert werden kann.
Süssmost pressen, Küfer und Steinmetz über die Schulter schauen oder das Malatelier für Kinder sind weitere Highlights. Freien Eintritt in beide Museen, interessante Führungen und mehr, das verspricht das vielfältige Programm zum 40-Jahr-Jubiläum. (scu)

 

Fakten




Adresse
Stiftung Kartause Ittingen
8532 Warth
Telefon 052 748 44 11
www.kartause.ch

Drei-Sterne-Superior-Hotel
68 Zimmer in zwei Gästehäusern

Seminare/Tagungen
22 Räume für 4 bis 350 Personen
Apfelgarten für Seminare im Freien

Feste feiern
6 Banketträume für 30 bis 300 Personen
Gärten für Aperitifs und Hochzeiten

Restaurant mit Gartenwirtschaft
50 Plätze innen, 100 Plätze im Garten 
Zutaten aus der Selbstversorgung 

Heim und Werkbetrieb
30 Heimplätze und 60 Arbeitsplätze 
für Menschen mit Beeinträchtigung

Kultur und Bildung
Kunstmuseum Thurgau, Ittinger Museum, Konzerte, Kursangebot für Erwachsene zu spirituellen und bildenden Themen
 
 

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Impressum:

Eine Sonderseite in Zusammenarbeit mit der Kartause Ittingen. Redaktion: Verlagsredaktion St. Galler Tagblatt AG, sonderseiten.redaktion@tagblatt.ch, Telefon 071 272 73 52. Werbemarkt: NZZ Media Solutions AG, sonderseiten.inserate@tagblatt.ch, Telefon 071 272 77 77


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