Thurgauer Gewerbeverband

Roter Teppich für das Thurgauer Gewerbe

Für einmal wurde der rote Teppich nicht für die Politik, sondern ganz besonders für die Thurgauer Gewerbler ausgerollt. (PD)
Ob bei der Förderung der Berufsbildung, bei Vernehmlassungen oder der Unterstützung von Kandidaten für das Kantonsparlament. Der Thurgauer Gewerbeverband bringt sich auf vielen Ebenen ein. Heute feiert er seinen 125 Geburtstag.
28. September 2017, 16:13
Patrick Baumann
 

 

Vor genau 125 Jahren ist der Thurgauer Gewerbeverband (TGV) gegründet worden. Seither setzt er sich erfolgreich für die Anliegen mittelständischer Unternehmen im Kanton ein. Ein besonderes Augenmerk richtet der Gewerbeverband seit jeher auf die Berufsbildung. So überrascht es nicht, dass es 2011 der TGV war, der die Berufsmesse Thurgau ins Leben rief. Kürzlich strömten bei der mittlerweile siebten Ausgabe über 7700 Besucherinnen und Besucher über das Gelände des Berufsbildungszentrums Weinfelden. Die Hälfte davon waren Schülerinnen und Schüler. «Die Berufsmesse ist zweifellos eine unserer grössten Erfolgsstorys», sagt Hansjörg Brunner, Präsident des TGV. «Wir sind stolz darauf, den Jugendlichen an der Messe über 200 Berufe präsentieren zu können. Es ist eine wichtige Gelegenheit, den künftigen Auszubildenden die Vielfalt der Berufswelt im Thurgau vorzustellen.»

Der ursprüngliche Gedanke hinter der Berufsmesse war, die Abwanderung von Auszubildenden in andere Kantone zu verhindern. «Dieses Ziel haben wir mittlerweile mehr als erreicht», sagt Brunner. «Heute ist es so, dass auch Jugendliche aus anderen Kantonen an unsere Berufsmesse kommen, um sich über die Ausbildungsmöglichkeiten im Thurgau zu informieren.» Nebst der Berufsmesse engagiert sich der TGV auch mit dem Projekt «Talente für den Thurgau» in der Nachwuchsförderung. Das in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer sowie dem Kanton aufgegleiste Projekt hat zum Ziel, junge und gut ausgebildete Berufsleute im Thurgau zu halten. «Beim Thema Berufsbildung hat Hansjörg Brunner eine klare Meinung. «Wir müssen aufhören, die verschiedene Bildungswege gegeneinander auszuspielen. Im Thurgau brauchen wir Studienabsolventen genauso wie Handwerker.» Für ihn steht dennoch fest: «Handwerk hat goldenen Boden!» Und dazu lasse das duale Bildungssystem zum Glück alle Möglichkeiten offen.

Seit 2006 engagiert sich der Thurgauer Gewerbeverband mit dem Projekt «Mentoring Thurgau» bei der Förderung von Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen. In diesem Programm werden die Jugendlichen beim Übergang von der Schule ins Berufsleben von Mentorinnen und Mentoren unterstützt. Bisher konnte so schon über 700 Jugendlichen der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden.

Knochenarbeit auf politischer Ebene

Etwas weniger publikumswirksam aber nicht minder effektiv engagiert sich der Thurgauer Gewerbeverband auf politischer Ebene. «Uns ist es immer wieder gelungen, politische Vorhaben, welche die Wirtschaft im Kanton geschwächt hätten, abzuwehren», sagt Hansjörg Brunner.

Nebst dem Engagement bei nationalen Vorlagen sei die Arbeit bei kantonalen Vernehmlassungen und Gesetzgebungsarbeiten sehr wichtig. Als Beispiel führt er den erfolgreichen Kampf gegen starre Auflagen für Tiefgaragen auf dem Rücken der Detailhändler an. Auch der Thurgauer Alleingang zur Erhöhung der Kinderzulagen zu Lasten der Arbeitgeber konnte gestoppt werden. «Gerade bei Vernehmlassungen findet der TGV oft Gehör bei der Regierung.» Es handle sich dabei zwar um politische Knochenarbeit, aber es sei eben genau diese Arbeit, die dem Wirtschaftsstandort am Ende wirklich nütze. «Uns ist es wichtig, dass sich die Unternehmer ihrem Kerngeschäft widmen können. Deshalb übernehmen wir als Verband die politische Arbeit und die Interessenvertretung des Gewerbes im Kanton.»

In Erscheinung tritt der Gewerbeverband jeweils auch, wenn es um Parlamentswahlen geht. Bei der Wahl des Kantonsparlaments im Frühjahr 2016 beispielsweise unterstützte der TGV 68 gewerbliche Kandidatinnen und Kandidaten. Nicht weniger als 31 schafften am Ende den Sprung.

Keine Verschnaufpause

Zeit, um sich auf den Lorbeeren auszuruhen, bleibe laut Präsident Hansjörg Brunner keine. «Die Digitalisierung und der damit einhergehende rasante Wandel in der heutigen Zeit zwingen auch den Thurgauer Gewerbeverband dazu, sich ständig neuen Begebenheiten anzupassen.» Im Gegensatz zu anderen Verbänden in der Schweiz, sei man in den vergangenen Jahren zwar gewachsen, dies sei aber keineswegs eine Garantie dafür, dass das auch in Zukunft so sein werde. «Wir versuchen deshalb stets, neue Berufsverbände und Gewerbevereine für uns zu gewinnen», sagt Brunner. «Zuletzt ist uns das erfreulicherweise mit der ICT Berufsbildung Thurgau gelungen.»

Auf der politischen Bühne will sich der Gewerbeverband auch in den kommenden Jahren gegen neue staatliche Abgaben und Regulierungen engagieren. Auf lange Sicht wolle der Thurgauer Gewerbeverband den eingeschlagenen Kurs beibehalten und sich künftigen Herausforderungen aktiv stellen. In den Statuten vom 22. Januar 1911 beschloss der Gewerbeverband sinngemäss, die Interessen von Handwerk und Gewerbe auf allen Gebieten möglichst zu wahren und den Mittelstand zu schützen. Die Mittel dazu: Eine angemessen Vertretung in den Behörden, die Förderung und Ausgestaltung der Berufsausbildung im Kanton und die Aufklärung der öffentlichen Meinung. Für TGV -Präsident Hansjörg Brunner sind das alles Punkte, an denen sich der Thurgauer Gewerbeverband auch in Zukunft messen lassen will.

 

Fakten






Adresse
Thurgauer Gewerbeverband
Thomas- Bornhauser-Strasse 14

8570 Weinfelden
Telefon 071 626 05 05
www.tgv.ch

Mitarbeitende und Vorstand
9 Mitarbeitende und 11 Vorstandsmitglieder

Mitglieder
27 örtliche Gewerbevereine und 37 kantonale und regionale Berufsverbände. Insgesamt rund 6500 Mitglieder.

Gründungsjahr
1892
 
 

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Impressum:

Eine Sonderseite in Zusammenarbeit mit dem Thurgauer Gewerbeverband. Redaktion: Verlagsredaktion St. Galler Tagblatt AG, sonderseiten.redaktion@tagblatt.ch, Telefon 071 272 73 52. Werbemarkt: NZZ Media Solutions AG, sonderseiten.inserate@tagblatt.ch, Telefon 071 272 77 77


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