Zur Mobile-Ansicht wechseln

Weihrauch für den Küchen-Rolls-Royce

20. Oktober 2016, 09:00
MICHAEL HASLER

Vielleicht eine Viertelstunde lang hat Gianpiero Armiento nun über seine Ferien in Oman erzählt, um dann immer wieder beim Thema Weihrauch in einen längeren Vortrag zu verfallen. Wenn es denn einen Boffi-Duft für ihn gäbe, dann wäre es ein Flavour mit Weihrauch, sagt der visionäre Gründer des Boffi-Stores in Frauenfeld, der den Showroom seit dem Februar dieses Jahres zusammen mit seiner Frau Andrea betreibt.
Um Boffi richtig einordnen zu können, bedarf es eines Vergleichs des 48jährigen Schweizers mit starken italienischen Wurzeln. "Boffi, das ist der Rolls Royce unter den Küchen", sagt er mit einem Lächeln. Seit fast 90 Jahren hat sich das italienische Unternehmen zu einer der aussergewöhnlichsten und traditionsreichsten Küchen- und Bäderweltbauerinnen entwickelt. Immer schon innovativ und risikoreich zählen heute nebst küchenaffinen Menschen auch Prominente wie Roger Federer, Bono, Uma Thurman, Phi lippe Stark, Leonardo Di Caprio oder Oliver Kahn zur Kundschaft. Dass der nach Paris, London und Amsterdam vierte Boffi-Store ausserhalb Italiens ausgerechnet in Matzingen  neu Frauenfeld  aus dem Boden schoss, wirkt mit Blick auf die Kundschaft und das Preissegement alles andere als naheliegend. Tatsächlich brauchte es einen jungen Sanitärlehrling aus Aadorf, der diesen Beruf einerseits aus Faszination erlernte, anderseits auch, weil es in Italien immer hiess, dass ein guter Sanitärler besser als ein Arzt verdienen würde.

500 Kunden in drei Jahren betreut
"Eigentlich träumte ich davon, ein international tätiger Koch zu werden, wollte dies aber meiner Mutter noch nicht antun und bin deshalb Sanitärler geworden", sagt Gianpiero Armiento. Sehr früh hatte er dank Freunden in Genua in Hotels und Wohnungen Küchen- und Bäderwelten kennen und lieben gelernt, die es in dieser Art in der Schweiz noch nicht gab. "Also habe ich beschlossen, Bäder aus Dänemark und Italien parallel zu meiner Arbeit als Sanitärler zu importieren." Bereits mit 25 machte er sich selbständig und betreute in den kommenden drei Jahren 500 Kunden. "Ich habe wahnsinnig viel gearbeitet. Für mich reichte es einfach nicht, ein Bademöbel an die Wand zu hängen und basta. Das hat viele Kunden begeistert. Hinzu kam, dass die De signerstücke aus dem Ausland preislich absolut vergleichbar mit den Schweizer Standardbädern waren", begründet er seine damalige Geschäftsidee. Doch mit knapp 30 hatte das Leben eine andere Bahn für den umtriebigen Design- und Ästhetikfanatiker bereit. Er erkrankte an einer Borreliose, war mehrere Monate bettlägrig und musste sich überlegen, welche Alternativen für ihn jenseits des Sanitärhandwerks blieben. "Damals habe ich zusammen mit meiner Frau Andrea den Beschluss gefasst, hier im Thurgau zusammen mit einer starken italienischen Partnerin einen Store zu eröffnen, den es so in der Schweiz noch nicht gab." Dass die Partnerin am Ende ausgerechnet Boffi war, bezeichnet Armiento als absoluten Glücksfall. "Für mich war Boffi als traditionsreichste Küchenbauerin der Welt schon immer ein magisches Unternehmen, und als ich quasi Partner wurde, war ich überzeugt, dass man uns in Matzingen die Türen einrennen würde."

Rückkehr der Männer in die Küche
Doch noch war der Schweizer Markt für Boffi ein kleiner, kaum jemand kannte vor der Internetrevolution ausländische Anbieter, und das Unternehmerehepaar musste trotz eines wunderbaren Ausstellungsraums in der Mühle Matzingen vor allem Aufklärungsarbeit leisten. "In der Schweiz war die Küche damals bei der Masse noch ein oft vom Wohnbereich abgetrennter Raum, in den sich die Frau zurückzog. Auch das Rollenbild in der Küche  hat sich erst nach und nach verändert. Anfangs haben wir Küchen für 2000 Franken in kleine Räume gebaut, das war schön, aber natürlich nicht die Idee, die wir hatten."
Es mag an den Kochsendungen, der Hochblüte von Loftwohnungen, der Rückkehr der Männer in die Küche liegen, dass die Küchenräume wuchsen und mit ihnen auch der Anspruch an die Ästhetik und die Funktionalität an Küchen ganz generell. "Anfangs haben uns einige Design-Verrückte überleben lassen, die ersten zehn Jahre waren hart. Aber mit den immer grösseren Küchen von 40 Quadratmetern und mehr wusste ich, dass es an der Zeit war, nicht einfach hübsche und qualitativ herausragende Möbel zu installieren, sondern das Ganze viel konsequenter zu denken", spielt Armiento auf sein heutiges Konzept der Küchen- und Bäderwelt an.
"Wir verkaufen Küchen nicht in fünf Stunden, sondern betreuen viele Kunden tagelang, bei umfangreichen Projekten oft auch während Wochen. Die Küche ist für mich ein grossartiges Möbelstück oder eine grossartige Werkstatt, aber darüber hinaus geht es doch auch um das Licht, die richtigen Proportionen im Raum, die entsprechenden Wand- und Bodenbeläge, um ergänzende Möbel und um eine ganze Wohnwelt. Es geht doch nebst Funktionalität auch um Haptik, Optik, ja Sinnlichkeit", schwärmt er. Entsprechend arbeitet der Boffi-Store Frauenfeld auch mit Partnerinnen und Partnern in der ganzen Welt zusammen. Jedes einzelne Unternehmen kennen die Armientos persönlich. Oft sind es kleine Manufakturen.

Start ab 80000 Franken
Und die Kosten? "Mein Vater hat mir mit auf den Weg gegeben, dass ich mir immer das Bestmögliche kaufen soll, das ich mir zum jeweiligen Zeitpunkt leisten kann." Also die beste Gusspfanne, die man für Geld bekommt, dafür begleite jene einen ein Leben lang. "Ich habe das konsequent so gehandhabt, habe damit sehr viel Geld gespart und wunderbare Dinge kennen gelernt", erzählt er. Und konkret auf eine Boffi-Küchenwelt bezogen? "80000 Franken mit Licht und einem entsprechenden Rahmen sind die unterste Grenze, realistisch sind 120000 Franken. Aber wie gesagt, ich denke nicht in der Kategorie Küchenblock, das können viele Hersteller. Aber zentral scheint mir, dass wir von einer ganzen Küchenwelt ausgehen, das ist ein komplett anderer Ansatz", betont er. Und was fehlt in der Boffi-Welt noch? "Der Duft. Und klar müsste es Weihrauch sein. Bei mir zu Hause ist immer eine Weihrauch-Grundnote vorhanden. Viele Kollegen mögen das nicht. Aber bei Küchen und Bädern mussten wir ja auch viel Aufklärungsarbeit leisten."

Zurück zum Dossier Wohnen Herbst 2016

Leserkommentare

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Ostschweizer Trauerportal

tagblatt.ch / leserbilder

Anzeige:

facebook.com / tagblatt

 ...