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Naturstudie

Vielleicht liegt es daran, dass für viele das Alltagsleben urban geprägt ist und dass die digitale Technologie von der Echtheit fernhält. Die Liebe zur Natur und zum Natürlichen ist ein grosser Trend im Wohnbereich.

20. Oktober 2016, 09:00
MARIANNE KOHLER NIZAMUDDIN

Mit der Liebe zur Natur verbinden wir auch eine gewisse Ursprünglichkeit. So ist Handwerk stark im Kommen, auch wenn das leider nicht immer echt ist. Keramik ab der Stange gekauft ist natürlich nicht handgetöpfert aus dem kleinen Betrieb. Auch Makramé, der grosse Sommertrend bleibt noch ein bisschen, neu in Schwarz und Grau. Handgeknüpft werden diese kleinen Wandbehänge natürlich meist in Grossproduktion und nicht idyllisch vom glücklichen Hipster im kleinen Atelier. Aber wirklich echte Handwerksbetriebe und kleine Manufakturen haben wieder einen wichtigen Stellenwert. So liebt man Dinge mit guter Herkunft und natürlich mit gutem Design. Echtes ist der echte Luxus der Zeit.

Neues Wohnen
Flexibles Wohnen ist wichtig geworden. Man wohnt öfter anders, zieht vermehrt um. Familien sind nicht mehr gleich und formieren sich ständig neu. Das haben auch die Möbelhäuser erkannt und setzen auf neue Zielgruppen statt auf die gute alte Familie. Wohngemeinschaften, Patchworkfamilien, kleine Haushalte mit Paaren oder Singles und Alterswohnsitze sind genau so wichtig, wenn nicht wichtiger als das typische Einfamlienhaus. Der neue Mann trägt Bart, auch in den Möbelkatalogen, und er kocht. Mit der Darstellung der Frau tut man sich aber noch schwer, vor allem hierzulande. Das ist verständlich, herrschen hier doch noch die Männer, vor allem in der Werbung und in der Möbelbranche. Bei den Herstellern ist man moderner, diese richten sich ja auch an den globalen Markt. Hier geht es nicht um Rollenverteilungen, sondern um das neue Wohnen. Dieses verlangt nach praktischen Ideen und nach einer Mischung von Beständigkeit und Flexibilität. So sind denn Möbel persönlicher und nicht mehr immer Anschaffungen für das ganze Leben. Man setzt auf wichtige Basisstücke und kleine flexible Beisteller. Diese Kleinmöbel helfen, dass Wohnen im Alltag interessant, praktisch und individuell bleibt. Auch machen sie Lust auf Einrichten, Umstellen, Stylen und natürlich kaufen.

Die Farben der Natur
Die meisten Schweizer sind sehr zurückhaltend mit Farben im Wohnbereich. So findet man immer wieder neue Ausreden, die Einrichtung farbmässig auf «mute», also auf gedämpft zu schalten. Mehr Harmonie etwa ist eine Begründung für die verhaltene Farbigkeit zu Hause, Ruhe, Ausgewogenheit oder Neutralität andere. Da kommen die neutralen Naturtöne gerade recht. Beige und Grau heissen einfach Stein und Sand und dominieren. Man schaut gerne nach Skandinavien, dort wohnt man nämlich auch mit Vorliebe ohne viele Farben. Auch wenn man im Norden gerade trendmässig auf dunkel umschaltet, sind doch Grau, Schwarz und Weiss vorherrschend. Für Wärme und Abwechslung sorgen diesen Winter Töne wie Wein, Stahl, Gold, Rosé Salbei und Kupfer.

Diskretes Design
Da Handwerk und Material wieder eine wichtige Rolle spielen, tritt das Design zurück in die Diskretion und Klassik. Die Sofas zeigen sich mit Vorliebe kubisch und mit Stoffbezügen. Die Sessel und Stühle, die dazugestellt werden, sind eher klein, fein und haben Rundungen. Stühle sind auch weich und rund, wenn sie um den Tisch stehen. Holz dominiert im Möbelbereich, das aber vermehrt in Schwarz. Die typischen Möbel im Skandichic, also solche, die Retrofeeling aus den Fifties vermitteln und gerne auf schräg ausgestellten konischen Füssen stehen, sind in neuen Kollektionen nicht mehr zu sehen. Man setzt auf gerade Linien oder auch wieder auf geschwungene und gebogene Formen. Da Wohnen in der heutigen Zeit vor allem praktisch sein muss, ist Modularität nach wie vor ein grosses Thema. Stauraumideen kann man nie genug haben und viele Hersteller bieten davon interessante Ideen und Ausführungen an.

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