So wohnt man im Sommer

Leichtigkeit bestimmt den Alltag in der warmen Jahreszeit. Das formelle Statische wird abgelegt, aber ohne dass dabei die Eleganz verloren geht. Die neuen Wohntrends kommen dem ganz entgegen. Die Farben sind hell oder warm.
20. April 2017, 06:00
Marianne Kohler Nizamuddin

In der schönsten Jahreszeit, dem sonnigen Sommer, wohnen wir drinnen und draussen, leicht und unbeschwert – ein wenig wie in den Ferien. Die neuen Wohntrends kommen dem ganz entgegen. Die Farben sind hell oder warm, die Wohnzimmer wirken wie Salons in italienischen Villen, draussen spielt Rattan eine hollywoodreife Hauptrolle und überall tauchen Palmen auf. 
Stellen Sie sich vor, Sie hätten den ganzen Sommer über Ferien. So etwa fühlen sich die Einrichtungsideen an, die uns die Möbelhersteller und Einrichtungshäuser für die kommende Saison vorstellen. Leichtigkeit bestimmt den Alltag. Das formelle Statische wird abgelegt, aber ohne dass dabei die Eleganz verloren geht. 

Dekorieren ist wieder angesagt
Lange beherrschte der karge, strenge Skandichic die Einrichtungswelt, Dekoration war kein Thema. So schafften es nur Zimmerpflanzen, wie etwa die Geigenfeige, oder der eine oder andere kalligrafische Print in die Wohnung. Damit ist fertig. Der Skandichic hat sich verabschiedet, alles wird etwas wilder, eleganter und persönlicher. Bilder von Palmen und Landschaften, wie sie in alten Büchern als Stiche zu finden sind, zeigen sich als Print auf Tapeten und Stoffen. Korbflechtereien sind an Lampen zu sehen, auf dem Tisch, an Möbeln – eigentlich überall. Auch das eine oder andere Kitschobjekt findet Platz. Denken Sie dabei an Vögel oder Blüten aus Keramik, an Vasen in Kaktusform, an Schalen, die wie Kohlblätter sind, und an Feriensouvenir.  

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Ein wild charmantes Wohnzimmer. (Bild: ids-living.ch)



Das sind die neuen Sommerstars
Wenn es um neue Trends geht, dann wird die Neugierde auf eine ähnliche Art geweckt wie zum Beispiel bei einer Oscarverleihung. Wer hat es geschafft, wer gewinnt wohl den begehrten Preis? Wir ahnen bereits einige Gewinner und lassen uns von Unerwartetem überraschen. So sind die Wohnstars dieser Saison leichte, elegante Möbel, aber es drängen sich auch Gemütlichermacher im Stil der Seventies in die Siegerrunde. Dazu gehören etwa Sofas und Eckgruppen, die fast kleine Wohnlandschaften sind. 
Auch Oldies feiern. Da sind die Rattanmöbel, die viel Vierziger-Jahre-Charme verbreiten, Salonmöbelchen und Zimmerpflanzen. Bei letzteren sind des die Palmen, die wieder einziehen. Sie verdrängen Omapflanzen wie die Geigenfeige, die im Skandichic einen grossen Auftritt feierte. Eine Überraschungssiegerin ist die Farbe Greenery, die vom Farbinstitut Pantone zur Farbe des Jahres gekürt wurde. Das grelle Frühlingsgrün ist keine einfache Wohnfarbe, aber macht sich zum Beispiel gut auf Polsterstoffen von einzelnen Möbeln – und es passt zu den vielen Palmen. Palmen zeigen sich übrigens nicht nur echt als Pflanze, sondern auch gerne als Printmotive auf Stoffen im Stil von alten Schwarz-Weiss-Stichen.

Sommerwohnen ist ganz viel Entspannung
Das Wichtigste am Wohnen im Sommer ist, dass wir die Türen öffnen, unseren Wohnbereich nach draussen verlängern und ein Stück der Natur in die Wohnung reinlassen. Beide Bereiche, das Drinnen und das Draussen, passen sich aneinander an. Sie zeigen sich nie in völlig anderen Stilen. Wer modern wohnt, wählt auch moderne Loungemöbel, wer eher eine lebendige Einrichtung mit gemischten Stilen hat, freut sich an den vielen neuen Rattanmöbeln im Retrolook. Wie bereits erwähnt, sind Topfpflanzen ein wichtiges Sommerthema – draussen und drinnen. 
Auch wer einen Garten hat, schafft die Verbindung von Haus und Garten mit Pflanzen in schönen grossen Töpfen. Für das richtige Feriengefühl sind Möbel wie Tagesbetten, Liegen, Sessel oder Outdoorsofas wichtig. Sie alle laden ein, Siesta zu machen. Schön dazu sind kleine Beistellmöbel, wie Tischchen und Hocker. Den unkomplizierten Charme einer Ferienwohnung bringen Körbe, rustikale Einzelstücke, hübsche Keramik oder Kelimteppiche. 

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Entspannter Stilmix: Wohnen wie im Ferienhaus. (Bild: tinekhome.com)



Was bedeuten neue Wohntrends?
Wohntrends wechseln mit der Saison, aber nicht auf die gleiche Art wie in der Mode. So bedeuten neue Wohntrends nie den totalen Wechsel. Wer will oder kann schon alle paar Monate die Einrichtung wechseln. Das Zuhause ist ja auch ein bestehender Wert, der Geborgenheit und Vertrautheit ausstrahlt. Der Saisonwechsel im Wohnbereich findet also eher partiell statt. Es sind die Details, die sich ändern, ganz so wie die Stimmung und das Wetter. Kissen auf dem Sofa werden zum Beispiel neu bezogen. Ein neues Beistellmöbel sorgt für ein anderes Wohngefühl und inspiriert vielleicht für eine kleine Umstellung. Schweres wird mit Leichterem ersetzt. 
So wechselt man etwa die üppigen dunklen Vorhänge, die im Winter Wärme und Gemütlichkeit bringen, im Frühling mit leichteren hellen aus oder ersetzt Wolldecken mit Plaids aus Baumwolle. 

Kleine Dinge wirken Wunder 
Nein, keine Angst – es sind keine Totalveränderungen nötig, um den Sommer einziehen zu lassen, aber die eine oder andere Umstellung kann Wunder wirken. Oft hilft ein einzelnes Möbelstück dazu, alles mit anderen Augen anzuschauen. Stellen Sie Beistelltische neben Sofas, damit diese Platz für hübsche Leuchten, Zeitschriften, Bücher und den Sommerdrink bieten. Dekorieren Sie ein wenig. Es gibt momentan viele tolle Keramikvasen und Schalen. Diese bringen, mit Blumen beziehungsweise mit Früchten gefüllt, mediterranes Flair. Rustikales vermittelt auch einer Stadtwohnung ein wenig ländliche Anmutung. 
Die Sehnsucht nach dem Land ist auch eine Sehnsucht nach einfacherem Leben, und das bringen stilmässig kleine oder grosse, rohe, raue Holzmöbel in die Wohnung. Denken Sie vielleicht an einen neuen Esstisch aus Holz, stellen Sie antike Holzstühle um den Designertisch, platzieren Sie eine Holzkommode ins Wohnzimmer oder mischen Sie ganz einfach einige bäuerliche Hocker unter. 

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