Die neue Gastlichkeit

Der Sommer ist ein grosses Fest. Nicht nur weil die lauen Nächte zum Feiern mit Freunden inspirieren, sondern auch weil Gastlichkeit, Einladen, Essen und Kochen eine immer grössere Bedeutung im Wohnbereich bekommen.
20. April 2017, 06:00

Marianne Kohler Nizamuddin

Es war einmal, als das grosse Designersofa die Hauptrolle in der Wohnung spielte. Heute ist es ganz klar der Tisch. Das, was die beiden gemeinsam haben, ist die Grösse und der Wunsch im Mittelpunkt zu stehen, sonst aber sind sie sehr unterschiedlich. Das gute alte Designersofa ist chic, zeigt Formen und viel Eleganz, der neue Esstisch zeigt sich ziemlich gelebt, ist mit Vorliebe aus massivem Holz, schwer verlässlich und nicht selten antik. Ist das Sofa Symbol für Status, deutet ein grosser Tisch auf Gastfreundschaft und reges Familien- und Gesellschaftsleben hin. 
Wer einen grossen Tisch hat, stellt diesen meist ins Zentrum. Das ist bei vielen neuen Wohnsituationen, die offene Raumkonzepte haben, einfach. In diesen Wohnungen kommen meist Küche, Esszimmer und Wohnzimmer zusammen. Der Tisch hat in diesem Fall eine verbindende Rolle. Er zeigt sich immer wohnlich, gemütlich und einladend. Meistens wählt man unterschiedliche Stühle oder bricht eine Stuhlserie mit Hockern oder antiken Einzelstücken. Auch die Bank taucht wieder auf. Kein Wunder, bietet sie doch flexiblen Sitzplatz, weil man auch mal zusammenrücken kann, wenn mehr Gäste kommen als geplant. Rund um den Tisch befinden sich andere Möbel, die einerseits im Wohn- und anderseits im Essbereich eingesetzt werden. Sideboards etwa sind nicht nur Anrichten, sondern bieten Platz für Tischleuchten, Bücher, Bilder, Blumenvasen und vieles mehr. Auf Regalen stehen Bücher, Geschirr und Küchensachen. 

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Holz, weiches Leinen, Glas und Keramik. (Bild: bloomingville.com)


Auch Sessel werden oft in Tischnähe platziert, nicht selten mit einer Stehleuchte und Beistelltischchen versehen, weil das einfach supergemütlich ist. Hier kann man sich vor oder nach dem Essen einfach zum Relaxen zurückziehen. Bei schönem Wetter ist schon mal die Tür zur Terrasse, zum Balkon oder zum Garten offen. 

Mit Stil im Freien essen
Unter dem freien Himmel schmeckt jedes Essen viel besser und erst noch wie Ferien im Süden. So spielt der Esstisch auch im Gartenmöbelbereich eine wichtige Rolle. Auch hier ist er gerne gross und aus Holz. Essen draussen tut man mit Stil. Es ist zwar entspannt, aber echtes Keramikgeschirr, schöne schwere Gläser und Servietten aus Stoff gehören ganz einfach dazu. Man geniesst das Essen und die Gastlichkeit ganz einfach mehr, wenn Schönheit mit im Spiel ist. Achten Sie darauf, dass der Tisch immer ein wenig im Schatten steht, denn pralle Sonne ist etwa so ungemütlich wie grelles Licht im Restaurant und zudem auch schädlich. Bestücken Sie auch Outdoor-Stühle mit weichen Kissen und wenn es kühl werden sollte mit Decken oder gar Fellen. Für Licht sorgen am schönsten kleine und grosse Windlichter. Vergessen Sie auch draussen nicht mit einigen frischen Blumen zu dekorieren. 

Die neuen Tischmanieren
Genauso wie draussen echtes Geschirr und Textilien zum guten Ton gehören, feiert das Tischtuch drinnen und draussen ein fulminantes Comeback. Definitiv out sind die Läufer. Diese Undinger, nicht ganz Tischtuch und trotzdem mehr als ein Set, haben zum Glück ausgespielt. Die Gastlichkeit bedient sich eher alten Traditionen, lockert diese aber auf und lässt so eine entspannte Atmosphäre entstehen. Die Tischwäsche ist vornehmlich aus Leinen, aber aus weichfallendem, gewaschenem Leinen, das nicht glattgebügelt werden muss. Servietten dürfen ruhig eine andere Farbe zeigen und werden auf keinen Fall kunstvoll drapiert, sondern ganz selbstverständlich dazugelegt. Geschirr muss schön sein, authentisch, aber nicht zwingend aus dem gleichen Service. Mix and Match heisst hier die Regel. So können Keramikschalen zu weissem Bistrogeschirr oder Porzellan mit Holzbrettern gemischt werden. Und Gäste möchten eben bei einer Einladung nicht nur gutes Essen geniessen, sondern auch inspiriert werden. 

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Gelungene Tischrunde mit unterschiedlichen Sitzgelegenheiten. (Bild: interio.ch)



Kreativität spielt eine wichtige Rolle
Die Kreativität und der persönliche Stil der Gastgeber spielen eine wichtige Rolle. So werden denn oft Dinge oft ungewohnt eingesetzt. Statt Wassergläser gehen schon mal Keramikbecher, Salat kann auf Platten statt in Schüsseln auf den Tisch kommen. Pasta oder Suppe geniesst man schon mal aus einer grossen Tasse und Brunchköstlichkeiten werden auf Holzbrettern angeboten. 

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