Vom Apfelschuss zum Karbonbogen

In der Armbrust mischen sich Tradition und Moderne, während vom Schützen Ruhe und Konzentration gefordert sind. Der Armbrustschützenverein Goldach pflegt das sportliche Schiessen seit 115 Jahren.
05. Mai 2017, 06:00
Anna Dieckmann
Jung und Alt versuchten sich am Stand des Armbrustschützen-vereins Goldach an der GV der St. Galler Kantonalbank an den besonderen Sportgeräten. Unter Einzelbetreuung eines erfahrenen Schützen schossen die Besucherinnen und Besucher auf eine zehn Meter entfernte Zielscheibe. «Im Gegensatz zum Gewehr hat die Armbrust keinen Rückschlag und reagiert sehr sensibel am elektronischen Abzug», sagt Vreny Liechti, Vorstandsmitglied des Armbrustschützenvereins Goldach. «Das Besondere an der Armbrust ist aber die Wasserwaage. Liegt die Armbrust nicht ‹im Wasser›, ist die Schussbahn nicht optimal ausgerichtet.»
Am Stand an der GV erwartete die Interessierten zudem noch eine Ausstellung von alten Waffen, wie Wilhelm Tell sie vielleicht bei sich trug. Im Vergleich mit den älteren Modellen besteht die heutige Armbrust aus einem leichten Karbonbogen, elektronischem Abzug und farbigem Design. «Die moderne Armbrust soll auch junge Leute ansprechen», sagt die 63-Jährige.

Ruhe und Konzentration sind wichtig
Im Verein Goldach zählt Vreny Liechti zu den 20 aktiven Mitgliedern und kann auf 40 Jahre Armbrustschiessen zurückblicken. Auf die Frage, was diesen Sport so besonders macht, antwortet sie: «Die Armbrust ist Tradition für mich. Die Ruhe und nötige Konzentration beim Ausüben machen diese Sportart einzigartig.» Nicht nur die Armbrust selbst, auch die Kleidung der Schützen sticht ins Auge. Diese wird für jedes Mitglied massgeschneidert gefertigt und soll zur Stabilität beim Schiessen beitragen. Um wieder vermehrt jüngere Leute für den Armbrustsport zu gewinnen, hat man sich einiges einfallen lassen: Der Armbrustschützenverein Goldach lädt junge Interessentinnen und Interessenten zu Schnuppertagen ein – ab zwölf Jahren ist das Schiessen mit der Armbrust erlaubt. Gefällt die Sportart, werden die neuen Mitglieder nicht nur in Goldach schiessen, sondern auch am sogenannten Stützpunkttraining teilnehmen. Dies soll Talente fördern.
Sportgerät und Kleidung werden vom Verein gratis oder vergünstigt zur Verfügung gestellt. Ebenfalls gehören interne und externe Wettkämpfe, Informationsveranstaltungen und Aus­flüge zum vielfältigen Jahres­programm des 115-jährigen Vereins. «Am 8. und 9. Juni findet auch wieder der Gruppenplausch statt», kündigt Vreny Liechti an. «Wir freuen uns, an diesen Tagen den Nichtschützen die Freude an diesem Sport mitgeben zu können», sagt sie.

Noch immer eine Randsportart
«Das Armbrustschiessen ist leider noch keine olympische Disziplin. Dafür braucht es eine ge­wisse Anzahl Länder, die den Sport praktizieren», erzählt Vreny Liechti. «Im Jahr 2013 fand jedoch die Weltmeisterschaft in Wil SG statt.» Die Gründe, weshalb Armbrustschiessen schon immer zu den Randsportarten zählte, sieht Liechti einerseits im Schwierigkeitsgrad und andererseits, weil es eine Einzelsportart ist. «Der Erfolg hängt von einem selbst ab. Das erfordert einen gewissen Biss.»

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