Tagblatt Online
7. April 2017, 12:30 Uhr

Jahrhundertealtes Handwerk präsentiert

Hampi Fässler betreibt das Sennenhandwerk in siebter Generation. Zoom

Hampi Fässler betreibt das Sennenhandwerk in siebter Generation.

Im Appenzellerland hat das Sennenhandwerk eine über 200jährige Tradition. Es ist ein wichtiger Bestandteil der regionalen Kultur. Hampi Fässler gab eine anschauliche Einführung.

JESKO CALDERARA

Wer in Appenzell das Atelier von Hampi Fässler betritt, taucht in eine bäuerliche Welt ein. An einem Balken hängen Kuhglocken, deren Lederriemen mit bunten Stickereien geschmückt sind. Auch verzierte Hosenträger, Schnallenschuhe und schwarze Sennenkappen sind im Geschäft zu finden. Fässler ist Sennenhandwerker und stellt Trachtenschmuck nach altem Brauch her. Was den Beruf ausmacht, präsentierte er während des Rahmenprogramms der diesjährigen Generalversammlung der St.Galler Kantonalbank. Fässler gab eine Einführung ins Handwerk und zeigte die verschiedenen Arbeitsschritte auf. Zudem konnten die Besucher unter Anleitung einen Schlüsselanhänger fertigen.

Schon in der siebten Generation
Beim Ziselieren entsteht durch dicht aneinanderliegende Prägungen das gewünschte Motiv. Zoom
Beim Ziselieren entsteht durch dicht aneinanderliegende Prägungen das gewünschte Motiv.
«Ein Sennenhandwerker stellt Gebrauchsgegenstände mit schönen Motiven her», sagt Hampi Fässler. Früher etwa seien es Schellenriemen gewesen. Mit dem gestiegenen Selbstbewusstsein der Bauern ging einher, dass man die Gegenstände nun verzierte. Fässler betreibt das Handwerk in siebter Generation, bereits sein Urgrossvater war um 1850 herum Glockensattler. Nach der Kunstgewerbeschule arbeitete Fässler als Dekorationsgestalter für den Globus in St. Gallen. Nebenher hat er begonnen, erste beschlagene Ledergürtel herzustellen. Diese habe er selbst getragen, so Fässler. Jedoch seien immer mehr Anfragen eingetroffen, ob er nicht auch für andere Gürtel anfertigen könnte. Dadurch entdeckte der Innerrhoder seine Leidenschaft für das Kunsthandwerk und übernahm als junger Mann die Werkstatt seines verstorbenen Vaters.

Das Sennenhandwerk habe er vor allem im Selbststudium gelernt, sagt Fässler. Eine Ausbildung oder einen Lehrgang gäbe es dafür nicht. «Beim Entscheid, auf diesen Beruf zu setzen, gehörte seinerzeit auch viel Idealismus dazu.» Heute stellt er vorwiegend Ledergürtel mit Silberbeschlägen und Schnallen her. «Das klassische Motiv auf den Gürteln ist die traditionelle Alpfahrt», sagt Fässler. Dazu gehören in einer festgelegten Reihenfolge Ziegen, Sennen und Kühe.

Alles in aufwendiger Handarbeit
Jeder Sennenhandwerker habe seine eigene Handschrift. Es kommt allerdings auch vor, dass Kunden mit einer konkreten Idee vorbeikommen. Die Umsetzung erfolgt jeweils in mehreren Schritten. Fässler verwendet vorwiegend hochwertiges Rindsleder. Als erstes stellt er eine Skizze her und sägt das Motiv aus einer Metallplatte aus. Von der Bearbeitung des Leders bis zum Prägen des Metalls mit einem kleinen Hammer und einem Metallstift erfolgt alles in aufwendiger Handarbeit. Besonders für das Ziselieren brauche er viel Zeit, sagt Fässler. Bei diesem Schritt entsteht durch viele dicht aneinanderliegende Prägungen das gewünschte Bild, beispielsweise eine Kuh oder ein Bläss.

Handwerk schafft Identität
An seinem Beruf gefallen Hampi Fässler verschiedene Aspekte. «Ich liebe die Arbeit mit schönen Materialien wie Leder und Silber.» Besonders freue er sich aber über positive Rückmeldungen seiner Kunden. In einer globalisierten Welt ist Brauchtum in jeglicher Form gefragt. Über mangelnde Kundschaft kann sich Hampi Fässler denn auch nicht beklagen. Die Nachfrage sei gross, sagt er. «Zu mir kommen Leute, die das Traditionelle schätzen.» Und die bereit sind, für ein handgefertigtes Produkt entsprechend tief in die Tasche zu greifen. Ein beschlagender Gurt kostet bei Fässler von 500 Franken an aufwärts.

Mehr als eine Touristenattraktion
Nicht nur bäuerliche Kreise aus der Region, sondern auch viele Heimweh-Schweizer kommen regelmässig nach Appenzell, um sich mit beschlagenen Gürteln und anderen Accessoires einzudecken. Das Brauchtumshandwerk hat im Appenzellerland immer noch einen hohen Stellenwert und ist weit mehr als eine Touristenattraktion. Es schaffe der Region Identität, sagt Fässler. «Jeder Bauer hat auf seinem Hof einen sennischen Gegenstand.» So tragen die Appenzeller Bauern ihre Tracht bei besonderen Anlässen wie zum «Öberefahre», der Alpauf und -abfahrt, nach wie vor mit grossem Stolz.


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