Tagblatt Online
7. April 2017, 12:30 Uhr

Appenzell in Ohren, Magen und Händen

Nicolas Senn und die Appenzellerformation lockten zahlreiches Publikum an. Zum Ende des Konzerts hin brachte er noch den Boogie-Woogie-Pianisten Elias Bernet auf die Bühne. Zoom

Nicolas Senn und die Appenzellerformation lockten zahlreiches Publikum an. Zum Ende des Konzerts hin brachte er noch den Boogie-Woogie-Pianisten Elias Bernet auf die Bühne.

Seit 20 Jahren fühlt sich die SGKB im Kanton Appenzell Ausserrhoden wohl – wie «deheem» eben. Das überraschte nach dem Besuch des Rahmenprogramms nicht.

TOBIAS SÖLDI

Das Appenzellerland präsentierte sich von seiner schmackhaftesten und erlebnisreichsten Seite. Die 200 Beteiligten und die Säntis-Gastronomie gaben sich alle Mühe, den rund 3600 Aktionärinnen und Aktionären einen abwechslungsreichen Abend zu bieten.

Rasch füllte sich die liebevoll dekorierte Halle 9.0. Das viele Holz und das gedimmte Licht schufen ein heimeliges, gemütliches Ambiente, dem auch die unablässig hereinströmenden Besucherinnen und Besucher und das geschäftige Personal keinen Abbruch taten. Zwischen Wald, Wiesen und imposanten Bergpanoramen wähnte man sich beinahe wirklich im Appenzellerland. Der Teufel steckte jedoch im Detail: Wer genau hinhörte, vernahm aus dem Gebüsch Tiergeräusche und in der Ferne Kuhglockengeläut. Und überall roch es nach feinem Fleisch, nach Käse und Brot und allerlei anderen kulinarischen Leckerbissen. Den nach der Generalversammlung knurrenden Magen freute es.

Vieles zu entdecken und zu erleben
Der Käse war dabei der unbestrittene König unter den vielen Köstlichkeiten. Fondue, Raclette, verschiedene Käsesorten: Freunde des traditionellen Milcherzeugnisses kamen voll auf ihre Kosten. Gut, dass die Verpflegung bis 22 Uhr gewährleistet war – genügend lange also, um sich genüsslich durch die verschiedenen Spezialitäten schlemmen zu können. Beliebt bei den Gästen waren auch die drei kultigen Sennen Albert, Alfred und Werner aus der Werbung von Appenzeller Käse. Für ein Erinnerungsfoto durfte man sich zu ihnen auf die Bank setzen. Ab und an konnten sich die sonst so mürrischen Sennen ein Grinsen nicht verkneifen.

Während sich die einen gleich gemütlich zum Essen und Trinken hinsetzten, liessen sich die anderen durch die Halle treiben. Es gab einiges zu entdecken und zu erleben. Ganz bewusst waren nicht für alle Aktionärinnen und Aktionäre Sitzplätze eingerichtet. Das Zirkulieren gehörte zum Konzept des Abends. War der Magen erst gefüllt, konnte man sich im Ziselieren, im Hackbrettspielen, im Talerschwingen oder im Jodeln versuchen. Der Herisauer Schnitzer Armin Fässler unterstützte beim Schnitzen eines Glücksschweins. Mit Rat und Tat stand er zur Seite: «Kleine Züge und immer schön mit Gefühl.» Und Josef Dähler, der während fünf Jahren ein ganzes Senntum in halber Lebensgrösse aus Lindenholz geschnitzt hat, half beim Bearbeiten eines kleinen Holzbrettchens. Auch Schwingerfreunde und vor allem Schwinger-Neulinge kamen auf ihre Kosten: Die beiden «Bösen» Raphael Zwyssig und Michael Bless erklärten Regeln und Griffe, die von motivierten Jungschwingern gleich vorgeführt wurden.

Zum Appenzell gehört auch die Musik: das Hackbrett, das Jodeln, die Alphörner. Das Rahmenprogramm erlaubte eine kleine aber interessante Reise durch die musikalische Vielfalt des Halbkantons. Besonders viel Publikum zog der junge Hackbrettvirtuose Nicolas Senn an. Kaum erklangen die ersten Töne, schon flogen freudige Jauchzer durch den Raum. Und schon bald wurde eifrig mitgeklatscht.

Überrumpelung zum Schluss
Gegen elf neigte sich der Abend dem Ende zu. Mit viel Appenzell in den Ohren, im Magen und dem einen oder anderen Erinnerungsstück in den Händen verliessen die Aktionärinnen und Aktionäre die Halle – und waren draussen fast ein wenig überrumpelt, sich in der Stadt St. Gallen wiederzufinden.


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