An der Olma für Nachwuchs sorgen

Hansueli WIDMER ⋅ Bei ihm dreht sich alles um Tiere. Hansueli Widmer aus Wald war während zehn Jahren Chef des Olma-Stalls. Kühe haben es dem 48-Jährigen besonders angetan und für den Nachwuchs sorgt er als Besamungstechniker gleich selber.

26. Juli 2017, 05:00
Hansueli Widmer ist allzeit bereit. Vor seinem Haus im appenzellischen Wald steht sein Kombi, in dem stets verschiedene Sorten Sperma in Dosen in flüssigem Stickstoff lagert. Auch das Auftaugerät hat er jederzeit im Auto parat. Am Morgen erhält er jeweils die Aufträge, in welchen Bauernhöfen er heute zum Einsatz kommt. Zusammen mit einem Team von sieben weiteren Besamungstechnikern betreut er die Region Appenzellerland und das Rheintal. Dabei berät er die Bauern auch, welches Sperma sich für welche Kuh eignet. "Jeder Stier hat andere Eigenschaften, die er sehr gut vererbt", sagt Widmer. Je nach Merkmalen der Kuh, wird ein passendes Gegenstück gesucht. Bis jetzt habe er bei den Paarungen ein gutes Händchen gehabt, sagt der 48-Jährige lachend.
 

Verantwortlich für 150 Tiere

Wird während der Olma ein Besamungstechniker gebraucht, ist für Hansueli Widmer klar, dass er sich darum kümmert. Denn der Olma-Stall war während zehn Jahren als Stall-Chef sein Revier. Zusammen mit 20 Tierwärtern kümmerte er sich um das Wohl der rund 150 Tiere in den Hallen 7.0 und 7.1. Von seiner Arbeit bei Swissgenetics nahm er dafür extra zwei Wochen frei. Doch der Job im Stall war alles andere als Ferien. Bereits um 4.45 Uhr begann sein Dienst und vor 19.30 Uhr kam er meist nicht aus dem Stall. Zusammen mit seinem Team war er für das Melken der Kühe verantwortlich und das Füttern aller Tiere. Für jedes einzelne gab es einen individuellen Futterplan.


 

Olma in drei Worten: Spannend, lustig, streng


"Bei der Aufgabe im Stall ist ein gutes Gespür für die Tiere wichtig", sagt Widmer. Man müsse merken, wenn sich eines nicht wohl fühlt und zum Beispiel nichts fresse. "Wir kennen die Tiere gut und beobachten sie ständig." Immer wieder ein Höhepunkt war es, wenn während den Olma-Tagen ein Kalb zur Welt kam. "Während der Nacht war das meist unproblematisch, da wir ein sehr eingespieltes Team von Fachleuten waren", so Widmer. "Aber während dem Tag wollen natürlich alle Olma-Besucher ganz nah dabei sein und alles beobachten. Da haben wir meist mit Zäunen eine Absperrung gebaut, um die Mutterkuh und das Neugeborene etwas abzuschirmen."
Mit dem Olma-Overall wurde Widmer im Stall auch häufig angesprochen und gab den Besucherinnen und Besuchern gerne Auskunft. Manchmal hörte er aber auch einfach mit einem Ohr zu, wenn zwei angebliche Experten neben ihm "fachsimpelten". "Da gab es schon sehr kuriose Sachen, die sich die Leute erzählten. Beispielsweise, dass die Milch durch die Adern des Euters fliesst. Da musste ich manchmal schon den Kopf schütteln."
 

Elterlicher Hof übernommen

Selber hatte Widmer schon immer einen Bezug zur Landwirtschaft. Er ist in Heiden auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat selber eine Lehre zum Landwirt absolviert, bevor er sich zusätzlich zum Besamungstechniker ausbilden liess. Mit seiner Frau und drei Kindern lebt er mit einigen Schafen in Wald. Vor zweieinhalb Jahren hat er zudem den elterlichen Hof übernommen. Das war auch mit ein Grund, weshalb er 2013 letztmals als Olma-Stallchef amtete. "Ausserdem war es auch langsam Zeit, dass wieder ein Junger diesen Platz übernimmt", sagt der 48-Jährige.
Um den Nachwuchs kümmert er sich auch auf dem Bauernhof in Heiden. Diesen hat er zu einem Aufzuchtbetrieb für Rinder umfunktioniert. Für andere Bauern betreut er die Tiere ab halbjährig. Anschliessend verbringen sie rund zwei Jahre bei ihm, bevor sie wieder zurück zum Besitzer gehen. Derzeit sind zehn Rinder auf dem Hof und 23 auf der Alp, im Winter werden alle auf dem Hof in Heiden betreut.
 

Die Olma einfach geniessen

Mit der Doppelrolle als Landwirt und Besamungstechniker hat Widmer also auch nach Aufgabe des Jobs als Stallchef jede Menge zu tun. Aber für etwas hat er nun endlich Zeit: "Einen Tag an der Olma einfach zu geniessen, ohne jegliche Verpflichtungen. Natürlich besuche ich dann auch den Olma-Stall. Aber vor allem treffe ich in den Hallen 4 und 5 ganz viele Bekannte." Bei 15-Stunden-Tagen während zwei Wochen, lag ein solches Vergnügen nicht drin. Umso mehr geniesst Widmer es heute. (rab)
 

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