Ein Gratis-Teller Suppe nur für die Grossen

Dölf SUTTER ⋅ Der Gründer und Präsident der Genossenschaft Unterer Brühl, Dölf Sutter, ärgert sich wie viele über die "Wildpinklerei" an der Olma. Seine Idee, aus dem Urin der Messebesucher Dünger herzustellen, könnte in ein paar Jahren Furore machen.

26. Juli 2017, 05:00
Die Genossenschaft Unterer Brühl wurde 1991 gegründet, als die Tonhalle renoviert wurde und die vier Olma-Festbetriebe dort nicht mehr untergebracht werden konnten. Sie ist für das Festzelt, den Walliser Stall, das Fonduestübli und den Veranstaltungsort im Waaghaus zuständig. Für den Präsidenten Dölf Sutter beginnen die Messevorbereitungen bereits im Juni. "Es gibt immer wieder Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Für mich ist das Anpassen aller Notausgänge das Wichtigste. Diesbezüglich gehe ich keine Kompromisse ein. Zwei Wochen vor der Olma bin ich jeden Tag mehrmals auf dem Gelände. Während der Messe gibt es nur selten etwas zu ändern. Dann kann ich alles geniessen." Nach der Olma bleiben zwei Wochen Zeit, um alles wieder zurückzubauen, den Platz zu reinigen und allfällige Schäden zu beheben. "Ich lege grossen Wert darauf, die Anlage in einem Top-Zustand an die Stadt zurückzugeben", sagt Dölf Sutter. 

 

Olma in drei Worten:
Traditionell, aktuell, bodenständig


Seit 65 Jahren ist der 1941 geborene Dölf Sutter regelmässiger Olma-Besucher. "Als ich ein kleiner Bub war, so um 1950, waren in der Nähe des heutigen Stadttheaters je ein Stand von Knorr und Maggi aufgestellt. Da gab es die damals neuen Päcklisuppen zur Degustation. Zu unserem Leidwesen erhielten nur die Erwachsenen gratis einen Teller davon. Nicht wegen des Hungers, sondern um auch zu den Grossen zu gehören, leisteten wir uns ebenfalls einen Teller für 20 Rappen." Wenn Dölf Sutter heute an der Messe ist, freut er sich über spontane Begegnungen mit Bekannten, die er lange aus den Augen verloren hatte.
 

Engagement für die Umwelt

Der Präsident der Genossenschaft Unterer Brühl machte 2016 Schlagzeilen durch eine ungewöhnliche Idee. In einem Heft des Bundesamtes für Umwelt war er auf einen Artikel gestossen, der auf die wertvollen Nährstoffe im Urin hinwies. Diese Nährstoffe würden sich sehr gut für einen Dünger eignen, stand dort. Dölf Sutter dachte an die Unmengen an "Rohstoff", die sich während einer Messe ansammeln. So kam er mit Experten der Empa zusammen, die tatsächlich unter Laborbedingungen einen Dünger aus Urin, der in einem speziellen Container an der Olma 2015 gesammelt wurde, herstellen konnten. Es wurden 120 Halbliter-Flaschen "Aurin" hergestellt, die die Genossenschaft nun vertreibt. Für eine industrielle Produktion braucht es jedoch noch etwas Zeit. "Ich kam mit meiner Idee ein paar Jahre zu früh", sagt Dölf Sutter.  (cs)

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