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Tagblatt Online
19. Oktober 2016, 07:05 Uhr

Von Bohrmaschinen und Flöten

Das Fürstentum Liechtenstein präsentiert sich auf 650 Quadratmetern an der Olma. Die Gäste betonen die Gemeinsamkeiten mit der Ostschweiz, aber auch die Unterschiede - zum Beispiel in der Sprache.

Urban Rechsteiner

OLMA. Vom Eingang des Olma-Geländes bis zur Halle 9 sind fast nur Ostschweizer Dialekte zu hören. Durch den schmalen, dunklen Eingang zur Liechtensteiner Sonderausstellung betritt man hingegen gleich ein anderes Land, so scheint es. Hier hört man einen anderen Dialekt. Mit einem obligatorischen «Hoi metenand» wird man von Ex-Skirennfahrer Marco «Büxi» Büchel begrüsst. Was für einen Ski-Fan wohl mindestens so aufregend sein dürfte wie eine Privataudienz beim Fürsten.

Ein schmaler Wanderweg aus Stein führt durch die mit Kunstrasen ausgelegte Sonderschau des Gastlandes. Riesige Videowände rund um den 650 Quadratmeter grossen Raum locken die neugierigen Blicke des Publikums. Auf diesen Videowänden erzählen Liechtensteiner und Liechtensteinerinnen von ihrem «Ländle» und was es alles zu bieten hat. «De Florian», wie sich einer der Sprecher vorstellt, erzählt von der Industrie- und Finanznation, von Zahnfüllungen und Lenksäulen für die Automobilindustrie, Soundtechnik und Bewegungssensoren. Und wieder erscheint «Büxi», diesmal nicht in echt, sondern auf der grossen Leinwand. Er erzählt – zusammen mit der Skirennfahrerin Tina Weirather – von der Wintersportnation Liechtenstein. Auf den Bildschirmen an den Wänden werden auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem «Ländle» und der Ostschweiz hervorgehoben. So verbinden das Fürstentum nicht nur neun Brücken mit dem westlichen Nachbarn, sondern auch die Währung und eine intensive Zusammenarbeit in Bildungsangelegenheiten. Und schliesslich sei auch der Föhn (sprich: «de Pfööh») den beiden Regionen gemeinsam.

In den kurzen Pausen zwischen den Vorträgen auf der Leinwand überwiegen im Raum zwei Geräusche: Bohrmaschinenlärm und Flötentöne. Auf Bohrmaschinen des «Herstellers der Lieblingsbohrmaschinen vieler Schweizer Handwerker», wie aus den Lautsprechern hinter den Riesenschirmen schallt, kann man die Nationalhymne des Fürstentums spielen. Ganz ähnlich wie beim Videospiel «Guitar Hero», muss man, wenn das Licht aufleuchtet, den richtigen Knopf drücken – nur hier eben nicht auf einer Gitarre, sondern auf einer Bohrmaschine. Einigen Gästen scheint das jedoch nicht genug spassig zu sein, und so hört man oft nur wenige Töne, diese aber für längere Zeit.

Elf Dialekte im Fürstentum

Auch dem Liechtensteiner Dialekt ist ein Teil der Ausstellung gewidmet. Auf einer Landeskarte kann man in die verschiedenen Mundarten der elf Liechtensteiner Gemeinden hören – mit einem Kopfhörer, dessen Stecker eine Liechtensteiner Firma entwickelt hat. Dem Laien werden die Unterschiede nicht direkt auffallen – ausser vielleicht beim Triesenberger Dialekt, wo ein Walserdeutsch gesprochen wird. Eine Liechtensteinerin versichert jedoch: «Wir können durchaus sagen, aus welcher Gemeinde jemand kommt.» In einem kleinen Land wie dem Fürstentum elf verschiedene Dialekte, wie ist das möglich? «Einer aus Ruggell wäre früher wohl nicht nach Vaduz gezogen.» Die Dialekte hätten sich so nicht sehr stark vermischt.

In der Mitte der Ausstellung laden Holzbänke der Universität Liechtenstein zum Verweilen ein. Setzt man sich dort hin, hört man die neu gelernten Dialekte aber kaum. Das Publikum starrt beeindruckt auf die Wände, wo «de Florian» wieder über die Industrie des Landes spricht.

Mehr Informationen und Bilder zur Olma auf www.tagblatt.ch/olma


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