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Tagblatt Online
10. Oktober 2016, 06:55 Uhr

Die Kreativküche des Olma-Plakats

Die Schülerinnen und Schüler der Fachklasse Grafik der Schule für Gestaltung in St.Gallen gewinnen regelmässig renommierte Wettbewerbe im In- und Ausland. Dazu braucht es mehr als Computer.

Urban Rechsteiner

Im Atelier im ersten Stock der Schule für Gestaltung des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums St.Gallen (GBS) stecken die zwölf Schülerinnen der Fachklasse Grafik ihre Köpfe zusammen. Sie befinden sich mitten in einer Projektwoche zum Thema Portfolio und lernen dort unter Mithilfe von Profis aus der Region, wie sie ihren Leistungsausweis für die Bewerbung auf ein Praktikum am besten gestalten. «In unserem Portfolio zeigen wir uns als Grafikerinnen, zusätzlich ist es auch eine Chance darüber nachzudenken, was wir bis jetzt gelernt und geschaffen haben», sagt Fabienne Etter. Die 18-Jährige aus St.Peterzell ist eine der zwölf Schülerinnen der Fachklasse Grafik an der Schule für Gestaltung in St.Gallen.

Es ist diese Klasse, die es in den letzten Jahren immer wieder schafft, renommierte Wettbewerbe zu gewinnen. Das aktuelle Olma-Plakat mit dem markanten weissen Schriftzug ist nur eines der Werke, womit die jungen St.Galler Grafiker bei Juries im In- und Ausland zu punkten vermögen. Betrachtet man die Olma-Plakate der letzten Jahre, sind auffällig viele in der Kreativküche der Grafikerklasse entstanden.

Zutaten, die den Erfolg ausmachen

Für den Wettbewerb der Olma werden jeweils Designer und Designerinnen eingeladen, darunter immer auch die Fachklasse Grafik der Schule für Gestaltung. «Für uns ist es jeweils eine Ehre, bei den alle zwei bis drei Jahre stattfindenden Wettbewerben für das Olma-Plakat mitmachen zu dürfen», sagt Andreas Tschachtli, Leiter der Fachklasse Grafik. Wie schafft man es als Lehrbetrieb, dass die Schüler immer wieder gewinnen? Andreas Tschachtli zögert: «Es gibt kein Rezept dafür, aber es gibt Zutaten, die ein Klima schaffen, in dem die Schüler arbeiten wollen. Es hängt mit der Art und Weise zusammen, wie die Ausbildung in der Fachklasse Grafik gestaltet ist.»

Im Atelier, in dem die Projektwoche stattfindet, stehen auffallend wenige Computer. «Der Computer ist ein Werkzeug wie Pinsel oder Stift. Die Gestaltung beginnt auch im digitalen Zeitalter noch mit einem leeren Schreibtisch und einem weissen Blatt Papier.» Es sind die Schüler, die das gewisse Etwas ausmachen. Sie seien «jung und unverkrampft». «Sie saugen alles auf wie Schwämme und reagieren stark auf die Begeisterung, die der Lehrer an den Tag legt.»

Kreativität in geordnete Bahnen lenken

Zu Beginn eines Projektes, wie der Gestaltung des Olma-Plakats, müssen die Schüler verstehen, worum es inhaltlich bei der Aufgabe geht. Dafür besucht die ganze Klasse jeweils einen Bauernhof, um dort Eindrücke aus der Landwirtschaft zu sammeln. Danach werden in einer ersten Entwurfsphase möglichst viele Ideen visualisiert. Tschachtli kennt den Prozess gut – er hatte im Jahr 1991 selbst das Olma-Plakat gestaltet. Bis ein Vorschlag fertig ist, dauert es rund eine Arbeitswoche, da die Schüler noch andere Fächer besuchen und nebenbei die Berufsmaturität erreichen wollen. So zieht sich das Projekt meist über eine Zeitdauer von rund eineinhalb Monaten hin.

«Kreativität ist die Grundvoraussetzung», sagt Julia Kubik. Die 21jährige St.Gallerin ist im dritten Ausbildungsjahr der Fachklasse Grafik. «Durch die Methoden, die wir hier lernen, kann die Kreativität in geordnete Bahnen gelenkt werden», sagt sie. Durch die breite Ausbildung an der Schule für Gestaltung lernen die jungen Kreativen, wie sie ihre Ideen in die Realität umsetzen können. Warum die Fachklasse Grafik immer wieder Wettbewerbe gewinnt, in denen auch renommierte Grafiker und Grafikerinnen teilnehmen, erklärt die 18jährige Schülerin Janina Kämper mit der Freiheit, die den Schülern in der Fachklasse Grafik gelassen wird. Dies im Zusammenspiel mit den betreuenden Fachkräften, die versuchen, die Ideen der angehenden Grafiker zu perfektionieren.

Da der Wettbewerb der Olma nicht regelmässig stattfindet, werden jeweils mehrere Plakate für die kommenden Jahre ausgesucht. «Wir können uns auch in den nächsten Jahren über Werke aus der Fachklasse Grafik in den St.Galler Strassen freuen», verrät Markus Tschachtli.



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