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Tagblatt Online
22. Oktober 2016, 00:00 Uhr

Charaktervolle Bio-Weine aus dem Thurgau

Ausgezeichneter Wein vom Iselisberg und aus Chile, Bio-Winzer des Jahres 2015 und ein modernstes Energiekonzept machen das Weingut Lenz in Uesslingen zu einem Erfolgsbetrieb in dem biologischer Anbau und Nachhaltigkeit gelebtes Leitbild sind.

KURT PETER

Nur gerade drei bis vier Prozent der Schweizer Rebflächen werden biologisch bearbeitet. Ein sehr erfolgreiches Weingut, welches nur nach diesen Richtlinien produziert, befindet sich auf dem Iselisberg. Das «Weingut mit dem Ozean dazwischen» von Roland und Karin Lenz setzt seit Beginn «und mit Leidenschaft» auf biologischen Anbau. Roland Lenz beschreibt den Leitgedanken des Weingutes so: «Wer Chancen sucht, der findet sie auch.» Die erste Rebfläche wurde 1993 erworben und sie war Ansporn, trotz Rückschlägen, konsequent auf Bio-Anbau zu setzen. «Für uns heisst das, zurück in den Weinberg, die Natur gibt von Mai bis Oktober den Arbeits­takt vor.» Angebaut werden unter anderem pilzresistente Sorten wie Solaris, Léon Millot oder Cabernet blanc.

Entgiftung auch bei Reben
Die Betriebsfläche des Weingutes umfasst 18 Hektaren, davon sind 15 Hektaren mit Reben bestockt. «Inzwischen verfügen wir über einen immensen Erfahrungsschatz, was den biologischen Weinbau angeht», sagt Roland Lenz nicht ohne Stolz. Diese Erfahrung macht das Weingut auch erfolgreich: 2015 wurden Roland und Karin Lenz als Bio-Winzer des Jahres ausgezeichnet. Die Rotweine erzielten im Final des Wettbewerbs der Fachzeitschrift «Vinum» und der Organisation «Bio-Suisse» die besten Noten. Lohn einer harten Arbeit auch des siebenköpfigen Teams auf dem Iselisberg und dessen Überzeugung, «denn im ersten Anlauf mussten wir vor der Natur kapitulieren». Ausserdem verlangt eine Umstellung auf Bio-Anbau auch Geduld. Acht Jahre dauere es, bis ein Rebberg völlig auf Bio umgestellt sei. Es ist wie bei den Menschen: «Die Pflanzen müssen vom Gift wegkommen und alleine dafür benötigen sie drei Jahre.»

Vollausreifende Sorten anpflanzen
Weingut Lenz Zoom
Beim Biobetrieb ist die schonende und aufmerksame Arbeit im Rebberg elementar, vom sorgsamen Schnitt bis zu den Laub­arbeiten. Die Trauben werden von Hand geerntet, der Boden wird schonend gepflegt.
Der Ertrag liegt um etwa zehn Prozent tiefer, dafür sind die Weine danach charaktervoller. 40 eigene Weine bietet Roland Lenz an, seine Kunden degustieren diese edlen Tropfen vor dem Kauf auf dem Weingut. Denn «jeder Jahrgang ist ein Unikat, bei den Bio-Weinen ist das noch ausgeprägter». Für seine Kundschaft, die aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland auf den Iselisberg kommt, verspricht er einen ganz spannenden Jahrgang 2016. «Das ist ein Weissweinjahr, das Resultat ist besser und lebendiger als 2015», ist er sich sicher.
Das Leitbild des Weinguts hält fest, dass nur Weinsorten angepflanzt werden, die im Mikroklima voll ausreifen können.Ein weiteres Element ist intensive, schonende und aufmerksame Arbeit im Rebberg, vom sorgsamen Schnitt bis zu den Laub­arbeiten. Die Trauben werden von Hand geerntet, der Boden wird schonend gepflegt. Zur Philosophie gehört auch, «nicht lernen, was man alles machen muss – sondern vielmehr lernen, was man unterlassen kann». 

Rebberg der Zukunft
Zum ganzheitlichen biologischen Denken gehören auch die drei Hektaren Biodiversitätsflächen, die mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt sind. Der Rebberg der Zukunft: «Nach 5000 Quadratmeter Rebberg kommen 1000 Quadratmeter Biodiversitätsfläche, dann wieder Reben und so weiter». Eines ist sich Roland Lenz gewiss: «Irgendwann müssen sich diejenigen Produzenten erklären, die nicht auf Bio machen.»
Die Bezeichnung «das Bio-Weingut mit dem Ozean dazwischen» macht klar, was sich aus einer Rucksackreise nach Chile im Jahr 1993 entwickeln kann. «Wir fanden die Region spannend und schön und machten uns auf die Suche nach Land, um einen Weinbaubetrieb aufzubauen», blickt Roland Lenz zurück. Denn das Ziel war es, das Angebot an Rotweinen zu erweitern und zu ergänzen. Vor allem um Sorten, die in der Schweiz weniger gut reifen. 

Weingut Lenz Zoom
Mit dem Weingut in Chile wurde das Angebot an Rotweinen erweitert und ergänzt. Vor allem um Sorten, die in der Schweiz weniger gut reifen.
1999 fiel der Startschuss für Viña Chillan, die ersten acht Hektaren Neu-Pflanzungen in Chile wurden im Jahr 2000 realisiert, weitere 10 Hektaren Neupflanzungen folgten 2001. Heute werden von Lenz in Chile 20 Hektaren Rebfläche bewirtschaftet. Und das Standbein Tourismus wird weiter ausgebaut. 2004 wurde der Aufbau des Restaurants und des Agri-Tourismus in Chile vorangetrieben. Seit 2005 steht den Gästen ein separates Wohnhaus mit Swimmingpool zur Verfügung. Vor Ort sind Ruedi Rüesch für die Traubenproduktion und Denise Costa für die Gästebetreuung zuständig.

Wiederaufbau in Chile
Stark in Mitleidenschaft gezogen wurde das Weingut durch das massive Erdbeben am 27. Februar 2010. «Es war genau der Tag, an dem ich nach Chile reisen wollte, doch die Flüge wurden alle gestrichen», kann sich Roland Lenz noch genau erinnern. Vier bis fünf Tage gab es keine Nachrichten aus Südamerika, bis der Uesslinger Winzer dann doch noch nach Chile fliegen konnte. «Das Beben hatte eine Stärke von 8,8. Zwar hatten wir Glück im Unglück und bis auf ein Produktionsgebäude waren die Häuser in benutzbarem Zustand», berichtet Roland Lenz. Dennoch dauerte der Wiederaufbau einige Zeit, neben Reparaturen an den eigenen Gebäuden waren auch die wichtigsten Strassen und Brücken teilweise stark beschädigt. «Und die vielen Nachbeben mit Stärken bis zu 7,0 liessen einem die Kraft der Natur richtig spüren.»

Weine degustieren, Batterien aufladen
Vorbildlich arbeitet das Weingut nicht nur im biologischen Anbau. 2015 konnten die neuen Produktionsräume bezogen werden, beim Bauvorhaben stand klar die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Das Energiekonzept sah vor, die Ölheizung durch eine umweltfreundliche und effiziente Heizanlage zu ersetzen und einen möglichst hohen Anteil der benötigten Energie selbst zu erzeugen. 61 000 Kilowattstunden Energie wird für das Beheizen aller Gebäude und Warmwasser gebraucht. Über Erdsonden können 70 Prozent als geothermische Wärme gewonnen werden. Die neu gebaute Photovoltaikanlage sowie die bestehende An­lage erzeugen zusammen 71 000 Kilowattstunden Energie, der ganze Betrieb benötigt rund 55 000 Kilowattstunden jährlich.

Da das Weingut möglichst viel der selbst erzeugten Energie auch selber verbrauchen will, wurde der erste private netzdienliche Batteriespeicher der Region gebaut. In der Batterie können 160 Kilowatt Strom gespeichert werden, genügend, um von März bis Oktober autark zu sein. «Da wir mehr Strom erzeugen als wir verbrauchen, stellen wir unsere Fahrzeugflotte komplett auf Elektromobile um.» Die Distanzen, welche für die Lieferung an Kunden nötig seien, machten dies möglich, erklärt Roland Lenz. Und den Gästen des Weingutes ist es möglich, während des Besuchs ihr Elektroauto ebenfalls mit frischer Energie zu laden. Nachhaltige Energieproduktion und biologischer Weinbau: «Das wird von unseren Kunden sehr geschätzt», weiss Roland Lenz.

Website Weingut Lenz

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