Tagblatt Online
13. Mai 2017, 01:20 Uhr

Täglich ein wolkenloser Himmel

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Planetarium und Sternwarte Kreuzlingen. (Bild Reto Martin)

Kurt Peter 
 
«Wenn die Zahl der Besucher steigen soll, dann muss investiert werden.» Rainer Sigrist, Präsident des Stiftungsrates Planetarium Kreuzlingen, kann mit Stolz auf die hochmoderne Programmtechnik hinweisen. Das Planetarium verfüge über eine sehr grosse Programmvielfalt, die zielgruppengerecht eingesetzt werden könne. «Dank unserer Infrastruktur können wir aber mehr anbieten als nur einen einstündigen Blick in den Sternenhimmel.» Eine Cafeteria, ein grosses Sitzungszimmer, ein Aufenthaltsplatz im Freien und eine Dachterrasse machten den Standort für Firmen, Gruppen, Schulen und Gesellschaften sehr attraktiv.
 
Ein «astronomisches Kieswerk»
Rainer Sigrist und der für die Technik verantwortliche Gerhart Lehmann wünschen sich mehr Schulklassen: «Wir möchten vermehrt das Interesse wecken, gewährleisten eine hohe Flexibilität, und eine Unterrichtstunde im Planetarium bietet viele Vorteile.» Ausserdem sei die Anlage sehr gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen, vom Bahnhof Bernrain in fünf Gehminuten erreichbar. Und zu jeder Vorführung gebe es einen spannenden Liveteil mit den geschulten Vorführern. «Wir legen Wert auf Dialoge, ein Besuch im Planetarium ist keine Einbahnstrasse», sagt Gerhart Lehmann.

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Bestaunen der partiellen Sonnenfinsternis. (Bild Reto Martin)


Es gebe viele Fragen, die immer wieder gestellt würden: «Was sind schwarze Löcher?» gehöre ebenso dazu wie die Frage nach dem Urknall, dem Stern von Bethlehem, die Existenz von Aliens oder nach einem drohenden Weltuntergang. «Warum hat der Saturn einen Ring?» Dieser Frage zum «astronomischen Kieswerk», wie Gerhart Lehmann den Ring bezeichnet, sei genauso spannend zu beantworten wie die ewige Frage zum Unterschied zwischen Astrologie und Astronomie: «Ein abendfüllendes Thema übrigens.»
 
Die Rückseite des Mondes
Die bis zu 10 000 Besucher jährlich kämen aus der ganzen Ostschweiz und aus Süddeutschland. Planetarien gebe es eben nicht so viele, das nächste stehe in Luzern, erklärt Rainer Sigrist. Mit diesem werde übrigens eine intensive Zusammenarbeit gepflegt, ergänzt Gerhart Lehmann. «Wir wollen unseren Besuchern Programme bieten, die einerseits unterhalten und natürlich auch Wissen vermitteln. So ist es beispielsweise möglich, einmal um den Mond zu fliegen und dabei auch dessen Rückseite zu betrachten. Was von der Erde aus nicht geht.» Spektakuläre Bilder verspricht Lehmann von den im letzten Jahr auf die Bedürfnisse des Planetariums eingerichteten digitalen Programmen.

Die Interessenten tummelten sich bei speziellen Himmelserscheinungen wie einer Sonnenfinsternis oder dem vergangenen Venustransit. «300 Besucher hatten wir an der Sonnenfinsternis», erinnert sich Rainer Sigrist. Viele von ihnen hätten Fragen und wollten mehr Informationen. Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder der astronomischen Vereinigung Kreuzlingen seien dann mit Rat und Tat zur Seite gestanden. «Wir sind stolz auf unser Team, das viel Engagement zeigt und ohne dessen Mithilfe die Arbeit nicht zu bewältigen wäre», so Rainer Sigrist.
 
Dank Spendern und Gönnern
Es war ein langer Weg bis zum modernen Planetarium: Anfang der 1960er-Jahre trafen sich auf der Anhöhe Gleichgesinnte, um mit meist selbstgebauten Teleskopen den Nachthimmel zu beobachten. Daraus sei die Idee zum Bau einer Sternwarte entstanden, blickt Gerhart Lehmann zurück. «Diese wurde 1976 eröffnet, ist heute noch in Betrieb und seit zwei Jahren mit einem neuen Teleskop ausgerüstet.» Albert Wiesmann, damals Stiftungs- und Vereinspräsident, hatte dann die Idee, ein Planetarium zu bauen. Zwei Gründe hätten den Ausschlag gegeben, erklärt Rainer Sigrist. «Einerseits hatte die Sternwarte mit zunehmendem Lichtsmog zu kämpfen, rund um die Anlage entstanden Liegenschaften, die grüne Wiese wurde überbaut.» Und zweitens könne ein Planetarium täglich einen wolkenlosen Himmel anbieten.
Die Investitionen betrugen damals ­3,5 Millionen Franken, Gelder kamen vom Thurgauer Lotteriefonds und der Stadt Kreuzlingen. «Aber rund 50 Prozent musste der Verein selber sammeln, eine riesige Aufgabe, die uns dank privaten Gönnern und Spendern auch gelungen ist.» Im Juni 2002 konnte das erste und bisher einzige Planetarium der Ostschweiz eröffnet werden. In den letzten Jahren wurden nochmals eine Million Franken in die Sternwarte und das Planetarium investiert. Nun steht den Besuchern eine hochmoderne Anlage zur Verfügung.

www.planetarium-kreuzlingen.ch
 


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