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Spannendes Spiel mit der Oberfläche

Stephanie Adlun, 23 Jahre: Studentin des Studiengangs Fashion Design an der Schweizerischen Textilfachschule (STF). (Pascal Düringer/STF)
Studierende der Schweizerischen Textilfachschule entwarfen unter dem Titel «surface» Outfits, von denen es einige auf den Catwalk der Modesuisse 2015 schafften.
03. März 2015, 17:02
Sandra Metzger
Die Modesuisse ist eine Veranstaltung, die es zweimal jährlich, einmal in Zürich und einmal in Genf, ausgewählten Schweizer Designern ermöglichen soll, ihre Kollektionen zu präsentieren und gezielt zu vermarkten. Zielpublikum sind Fachleute der Modeindustrie, aber auch alle anderen, die sich für Mode begeistern. Die Modesuisse bietet jeweils auch Designschulen die Möglichkeit, ihre Projektarbeiten vorzustellen. Diesen Februar erstmals mit auf dem Catwalk war die Schweizerische Textilfachschule (STF).

Für diesen Auftritt haben sich deren Klassen «Fashion Design & Technology», «Fashion Design» und «Knitwear-Spezialisten» rund vier Monate ins Zeug gelegt und zahlreiche Outfits zum Thema «surface», was so viel bedeutet wie Oberfläche, erarbeitet. In Gruppen zu den Einzelthemen «pure» = rein, «wave» = Welle und «lush» = üppig sind drei kreative Kollektionen entstanden, aus denen Experten rund 15 Outfits herauspickten, zur Präsentation an der Modesuisse. Unter die auserwählten schafften es auch die Kreationen der drei STF-Studentinnen Elisa Kalt, Tanja Giger und Stephanie Adlun. Sie geben Einblick in ihre Projektarbeit, die zwar für alle eine «grosse Herausforderung» aber auch «sehr spannend» gewesen sei.

Von der Idee zum Material
«Zu Beginn habe ich Bildmaterial in Zeitschriften und im Internet zum Thema ‹pure› gesammelt », sagt Elisa Kalt. Aus diesem Bildmaterial erstellte sie erste Moodboards, also eine Sammlung von Inspirationen und Ideen zu Farben und Material. Darauf folgten erste Skizzen, das Abformen des skizzierten Modells an der Büste und paralell auch Überlegungen zur Materialbeschaffung. «Das abgeformte Modell wurde auf Papier übertragen und mit Hilfe des CAD-Programms digitalisiert und angepasst. » Dann wurde der Print am Computer erstellt und auf die digitalisierten Schnitteile übertragen. Bedruckt wurde der Polyesterstoff in der Fahnendruckerei Tschudi in Wattwil, danach konnten die Teile zugeschnitten und zum fertigen Modell zusammengenäht werden. Um das nötige Volumen zu erhalten, unterlegte Elisa Kalt den Stoff mit einem Vlies. Entstanden ist ein frühlingshaftes, weisses, kurzes Kleid mit einer durchgehenden transparenten Beuteltasche und mit einem Print in 3D-Optik, wie man sie derzeit auch oft in den Kollektionen von internationalen Designern antrifft

Ritterrüstung aus Kunstleder
Vom Mittelalter, von einer gut gepanzerten Ritterrüstung inspiriert, ist die schwarze Lederjacke, gefertigt von Tanja Giger. «Ich wählte den Themenbereich ‹lush›, wobei mich das Thema Rittertum am meisten angesprochen hat», sagt sie. «Ich wollte eine Jacke kreieren, die im Brust- und Schulterbereich optisch verstärkt wirkt und mit Kontrasten spielt.» Als Material wählte sie verschiedene Kunstleder, die optisch hervortreten. Als unteren Teil der Jacke entschied sie sich für eine Gabardine aus Wolle/Baumwolle sowie ein rost-oranges Rumpffutter aus Seidengemisch, mit dem sie einen «Wow»-Effekt beim Öffnen der Jacke erzielt. Das Ärmelfutter ist aus Jaquard-Viskose, die ein gutes Hineingleiten und Tragekomfort gewährt. Die passende Hose dazu designte Student Pablo Reiniger. «Das Verarbeiten der verschiedenen Stoffe war zum Teil knifflig und sehr zeitaufwendig», sagt Tanja Giger. Auch das Einsetzen der Ärmel und der darunterliegenden Schulterpolster hätte es in sich gehabt – «es war nicht einfach, aber sehr spannend und lehrreich», sagt die Studentin, die sich gerne im Bereich Modellentwicklung, Schnitt und Produktion weiterentwickeln möchte.

«Etwas ausprobieren, das ich noch nie gemacht habe», mit diesem Vorsatz machte sich Stephanie Adlun an ihr Projekt und landete bei Origami-Teilen. «Ich begann Prototypen zu nähen und aus Papier verschiedene Formen zu falten.» Ein extravaganter silbriger Overall aus Kunstleder, geprägt von Origami-Blumen aus Organza, ist daraus entstanden. Sie selbst mag es jedoch eher schlicht: «Am liebsten trage ich Jeans mit Blusen oder weite Basic- Oberteile, kombiniert mit auffallenden Accessoires.» Wer aber wie sie zum Ziel hat, dereinst ein eigenes Label zu gründen, braucht nebst Können auch viel Phantasie. Das haben die drei Studentinnen mit ihren Werken mehr als bewiesen.

Haben sie auch einen modischen Tip für diesen Frühling? «Ein Oversized Hemdblusenkleid in Denim», sagt Elisa Kalt. «Weite Kleider, kombiniert mit auffallenden Accessoires», sagt Stephanie Adlun. Und: «Oversize-Shirt mit Rückenausschnitt und Plateau- Sandalen», schlägt Tanja Giger vor. Sie selbst sei auch ein grosser Fan der Streifenmuster, die diesen Modefrühling prägen.

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