Erste Erfolge werden sichtbar

Bis 2050 soll in der Stadt St. Gallen der Gesamtenergiebedarf halbiert werden. Auf dem Weg dorthin ist mittlerweile etwa ein Fünftel der geplanten Vorhaben bereits abgeschlossen.
27. Mai 2017, 06:00
Andreas Lorenz-Meyer

Nach dem energiepolitischen Modell der 2000-Watt-Gesellschaft soll der Energiebedarf des Einzelnen einer durchschnittlichen energetischen Leistung von 2000 Watt entsprechen. Vor zehn Jahren beschloss die Stadt St. Gallen, die 2000-Watt-Marke bis Mitte des Jahrhunderts zu erreichen. Für die Umsetzung erarbeitete man einen Katalog mit 150 Massnahmen aus den Bereichen Wärme, Strom und Mobilität. Dazu gehören mehr Solarenergie, lokaler Ökostromtarif, Wärmedämmung und Erdsonden, Förderung des öffentlichen und Langsamverkehrs und Elektromobilität. Etwa ein Fünftel der Vorhaben ist laut der Stadt bereits abgeschlossen, mehr als die Hälfte der restlichen in Umsetzung. «Erste Erfolge» seien auch schon da: Der Energieverbrauch der Bevölkerung liege wieder auf dem Stand von 1990, der CO2-Ausstoss sogar zehn Prozent tiefer, heisst es. Bei gleichbleibendem Tempo sei das angestrebte Ziel 2000-Watt-Gesellschaft bis 2050 zu schaffen. 2015 lag der Wert bei 4450 Watt. 2016 wird voraussichtlich es etwas weniger sein. 

Nun soll die Wirkung der Massnahmen sichtbar werden. «Watt bin ich» heisst die Kampagne, die seit April läuft. An verschiedenen Orten – auf Stromverteilerkästen, städtischen Fahrzeugen, Glassammelstellen oder Buswartehäuschen – sind grosse, rote Punkte mit Energiekennzahlen platziert. Die Geschichte dahinter gibt es online auf der Kampagnenseite. Liest man auf der Rückseite eines Busses zum Beispiel die Zahl 136, so erfährt man auf www.watt-bin-ich.ch/136, dass die durchschnittliche Luftliniendistanz zwischen der eigenen Wohnung und der nächsten 

Bus-, Postauto- oder Bahnhaltestelle in St. Gallen 136 Meter beträgt – zehn Meter weniger als vor zehn Jahren. 473 Tankwagen weniger Öl, 8981 Kunden mit St. Galler Ökostrom und Ökostrom plus, 7300 Tonnen recycelte Wertstoffe – das sind weitere Kennzahlen, die zeigen: Die Stadt nähert sich Schritt für Schritt den 2000 Watt. «Mit der Kampagne möchten wir uns auch bei der Bevölkerung für die Unterstützung und das Vertrauen bedanken. Für eine saubere Energiezukunft braucht es das Engagement der ganzen Stadt», sagt Maja Bretscher vom Amt für Umwelt und Energie.

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