Tagblatt Online
26. Januar 2017, 11:40 Uhr

Speicher für riesige Datenmengen

In Gais entsteht ein Datenspeicher höchster Güte für Ostschweizer Unternehmen. Die Initiantin und Bauherrin, die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK), über ihre Beweggründe für dieses Grossprojekt.

SANDRA METZGER

Die SAK investiert 25 Mio. Franken in das Projekt Rechenzentrum Ostschweiz (RZO). Stefano Garbin, was verspricht sie sich davon?
Garbin: Für uns ist das RZO eine logische Folge unserer Aktivitä¬ten im Bereich der Glasfasererschliessung und der Glasfaserdienste sowie unserer über 100jährigen Erfahrung im Bau und Betrieb von Infrastrukturen. Das RZO wird mit modernster Technologie erschlossen sowie mit höchster Verfügbarkeit und Sicherheit ausgestattet. Es kann mit hervorragender Energieeffizienz betrieben werden. All das passt bestens zu einem innovativen Energieversorgungsunternehmen, das sich selbst als Lö¬sungsanbieter betrachtet.

Die Schweiz weist heute die zweithöchste Datacenterdichte Europas aus. Ist der Bedarf nicht bald gedeckt?
Andreas Schwizer: Es ist zwar so, dass in den Ballungszentren Zürich, Aargau, Basel heute ein Konkurrenzkampf herrscht. Dies, weil dort noch vor acht Jahren Gebäude errichtet wurden, die auf die Unterbringung von sehr vielen Zentralrechnern, in der Fachsprache Server genannt, ausgelegt waren. Damals waren pro Server nur 25 bis 50 Benutzer möglich. Heute verkraftet ein Server 500 bis 800 Benutzer. Es ist entsprechend weniger Platz nötig, um eine grössere Datenmenge zu verarbeiten. Trotzdem wird der Bedarf nach sicheren, lokalen Rechenzentren sogar an Bedeutung gewinnen.

Weshalb?
Schwizer: Ich denke da vor allem an den Schutz der persönlichen Daten. Die Schweiz nimmt diesbezüglich eine Sonderstellung ein. Sie ist nicht in der EU und doch sehr zentral in Europa gelegen. Zudem sprechen die stabile politische Lage und das stabile Stromnetz für den Standort Schweiz.

Wie profitiert die Ostschweiz von einem «eigenen» RZ?
Schwizer: Für unsere Region bedeutet das insbesondere Datensicherheit und -verfügbarkeit in unmittelbarer Nähe. Will heissen, dass Ostschweizer Unternehmen künftig Rechenzentrumsdienstleistungen nicht mehr aus den Ballungszentren Zürich, Basel oder Bern beziehen müssen. Somit fallen auch lange Anfahrtszeiten, beispielsweise um eine Harddisk auszutauschen, weg. Gleichzeitig können Unternehmen, die ihre Daten in ein zweites Rechenzentrum spiegeln möchten, das RZO für ihr Daten-Backup nutzen.
Und was spricht für den Standort Gais?
Christoph Baumgärtner: Die Höhenlage von Gais ermöglicht uns, ein Kühlsystem einzusetzen, das ohne mechanische Kühlmaschinen auskommt. Dadurch erreichen wir hervorragende Energieeffizienzwerte. Die Abwärme kann im Nahwärmeverbund sinnvoll genutzt werden. Das SAK-Unterwerk Gais liegt genau neben dem RZO und ermöglicht die ideale Versorgung mit Strom. Zudem gilt der Standort in Bezug auf Erdbeben und Naturkatastrophen als sicher.

Am 17. Oktober war Spatenstich für die Erschliessungsarbeiten – was stand da als Erstes an?
Baumgärtner: Quer über das Grundstück verläuft eine 110-kVHochspannungsleitung, die erst verlegt werden muss, um das Grundstück bebaubar zu machen. Da diese Arbeit viel Zeit und Koordination in Anspruch nimmt, haben wir sie vorgezogen. Weitere Erschliessungsarbeiten betreffen die Rohranlagen für Strom, Wasser, Wärme und Kommunikationsleitungen.

Wo sehen Sie bei der Erstellung des Gebäudes die grössten Herausforderungen?
Baumgärtner: Die grösste Herausforderung ist wohl der ambitiöse Terminplan. Um wie geplant ab Mitte Dezember 2017 die ersten Kunden im RZO aufnehmen zu können, muss auch im Winter gebaut werden. Der Terminplan sieht vor, dass der Rohbau bis Ende Juni erstellt und die ganze Technik zwischen Juni und November eingebracht ist. Anschliessend ist ein Monat für die Tests und die Inbetriebnahme reserviert. Ein überaus harter und langer Winter könnte den Rohbau natürlich verzögern.

Und wie sieht es bezüglich Interessenten aus?
Baumgärtner: Wir freuen uns über das grosse Interesse, das dieses Projekt ausgelöst hat. Auch laufen weiterhin die Kooperationsgespräche mit den Sankt Galler Stadtwerken. Sollten alle Verhandlungen, die wir mit Interessenten führen, zu einem Abschluss kommen, müssten wir uns Gedanken über eine Erweiterung machen. Zum Glück haben wir bereits Vorkehrungen getroffen, um auf derselben Parzelle die Rechenzentrumsfläche verdoppeln zu können. Längst nicht alle Firmen werden jedoch gleich am ersten Tag einziehen. Eine Auslagerung findet meistens im Rahmen einer Neubeschaffung der IT-Infrastruktur statt.
Rechenzentrum_Ostschweiz Zoom
Stromversorgung und Kommunikationsanbindung sowie effiziente Kühlung, Zutrittssicherheit und Brandschutz - dafür sorgt ein Rechenzentrum.

Was ist ein Rechenzentrum?
«Ein Rechenzentrum ist ein spezialisiertes Gebäude, in dem Unternehmen ihre Zentralrechner, genannt Server, Speicher und Netzwerkkomponenten unter optimalen Bedingungen unterbringen können», erklärt Christoph Baumgärtner. «Unter optimalen Bedingungen heisst: Ein Rechenzentrum liefert genügend und unterbruchsfreien Strom sowie ausreichend Kühlung. Es bietet Sicherheitsvorkehrungen gegen unbefugten Zutritt und genügend Glasfaseranbindungen».

https://youtu.be/opE3bZLYteA
www.rechenzentrum-ostschweiz.ch

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