Tagblatt Online
18. Oktober 2016, 09:39 Uhr

Ein Lagerhaus für Computerdaten

Für das neue Rechenzentrum Ostschweiz war gestern offizieller Baubeginn. Das Gebäude ist durch seine Energieeffizienz einmalig in der Schweiz. Initiantin und Bauherrin ist die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG.

KARIN ERNI

GAIS. Warum ausgerechnet in Gais ein Rechenzentrum entsteht, hat mit dem dortigen Klima zu tun. Lukas Mäder, stellvertretender CEO der Bauherrin St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG, erklärt: «Gais erweist sich als idealer Standort. Nur dank der Höhenlage kann der ausgezeichnete Energieeffizienzwert des Rechenzentrums erreicht werden.» Gleichzeitig sei das Bauland energetisch von drei Seiten perfekt erschlossen, so Mäder. «Das gilt auch für die Glasfaseranbindung. Inzwischen können wir davon ausgehen, dass zusätzlich zur SAK alle wichtigen nationalen Anbieter ihre Dienste über eigene Glasfasern aus dem Rechenzentrum Ostschweiz anbieten werden.»

Ein Tresor auf drei Stockwerken

Drei Geschosse hoch soll das Rechenzentrum der SAK werden. Es bietet gemäss Prospekt Geschäftskunden, öffentlichen Institutionen und Serviceprovidern die Möglichkeit, ihre IT-Infrastrukturen in eine sichere Umgebung auszulagern. «Bereits für gut 400 Franken pro Monat kann ein Drittel eines sogenannten Racks, wie die Computergestelle heissen, gemietet werden. Nach oben hin gibt es kaum eine Limite. Insgesamt stehen 300 Racks auf 900 Quadratmetern zur Verfügung. Das Gebäude verfügt über umfassende Sicherheitseinrichtungen wie eine intelligente Zaunanlage, biometrische Personenkontrolle und eine Brandfrüherkennung mit automatischer Gaslöschanlage. Christoph Baumgärtner, Leiter Geschäftskunden-Services bei der SAK und Projektleiter, spürt nach eigenen Angaben reges Interesse am Rechenzentrum in der Ostschweiz: «KMU bis Grossfirmen erkundigen sich über das Angebot. Selbst Unternehmen der Finanzindustrie zeigen sich beeindruckt vom Sicherheitskonzept. Wir sind zuversichtlich, einen grossen Teil des Rechenzentrums bereits zur Eröffnung vermietet zu haben.» Diese ist auf Ende 2017 geplant.

Bergkäserei profitiert von Nachbarschaft

Das neue Rechenzentrum kommt auf der Wiese neben dem Käselager der Bergkäserei Gais zu stehen. Diese kann die Abwärme der Rechner nutzen. «Käsen ist durch die Pasteurisierung der Milch eine energieintensive Sache», sagt Inhaber Andreas Hinterberger. «Früher, als wir mit Öl heizten, bezahlten wir viel CO2-Abgaben.» Das habe sich etwas gebessert, seit sie auf Gas umgestellt hätten. Neu kann die Käserei ihren Energiebedarf von 1,5 Millionen Kilowattstunden umweltfreundlich mit Abwärme decken. Das geschieht mittels eines Wärmespeichers. Im Gegenzug kann das Rechenzentrum das Meteorwasser der Käserei zur Kühlung nutzen. Auf dem Dach des Rechenzentrums kommt eine flächendeckende Photovoltaikanlage zu stehen. Sie soll bis zu einem Drittel des Energiebedarfs decken. Gemeindepräsident Ernst Koller freut sich über das neue Gebäude, obwohl es eigentlich keine Arbeitsplätze schafft. «Wir hoffen, dass beim Bau möglichst viele regionale Anbieter berücksichtigt werden.» Zudem biete ein künftiger Wärmeverbund verschiedene Vorteile, gerade auch hinsichtlich einer künftigen Erschliessung des Bahnareals.

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