Tagblatt Online
16. August 2016, 06:32 Uhr

Der Datentresor im Luftkurort

Die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke wollen zum sicheren Hafen für vertrauliche digitale Daten von Firmen aus der Region werden. Der Standort Gais hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Silicon Valley.

CHRISTOPH ZWEILI

GAIS. In der Schweiz boomt der Markt für Rechenzentren: Im Land mit der zweithöchsten Datacenter-Dichte Europas werden jährlich rund 200 bis 400 Millionen Franken in den Bau neuer Anlagen investiert. Selbst während der Olympischen Spiele in Rio wirbt das Land mit dem neuen Image des Datenhubs – hier lagert bereits ein Fünftel des gesamten europäischen Datenvolumens.

Die St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) springt nun auf diesen Zug auf. Bis Ende 2017 soll für 25 Millionen Franken eine 900 Quadratmeter grosse Serverfarm in der Gewerbezone Gais entstehen. «Heute sind die meisten dieser Rechenzentren im Raum Zürich zu finden», sagt Lukas Mäder, SAK-Finanzchef und stellvertretender CEO. Mäder charakterisiert die SAK als «eine Art Baufirma», die das Stromnetz in den Trägerkantonen St.Gallen und beiden Appenzell betreibt, in deren Besitz sie ist. Zum Kerngeschäft gehören Kraftwerke, Wärmeverbunde und ein Glasfasernetz, alles Infrastrukturen, die sie plant, baut, finanziert und betreibt.

Neuland für die SAK

Bereits heute vermietet die SAK ihr leistungsfähiges Glasfasernetz an Industriebetriebe und Verwaltungen. Sie arbeitet mit der Swisscom sowie kleinen und grossen Service Providern zusammen. Seit zwei Jahren ist sie auch mit eigenen Internettelefonie-, TV- und Serviceprodukten auf dem Markt. Für Mäder ist das Rechenzentrum daher zwar Neuland, «aber auch die konsequente Abrundung des Portefeuilles in der Ostschweiz», wo noch keiner dieser Datentresore zur Verfügung steht.

Der Finanzchef vergleicht das dreigeschossige Betongebäude mit einem Miethaus, abgeschirmt durch einen Zaun nach aussen, biometrische Personenerfassung und Videoüberwachung im Innern. Kleine und grosse Firmen können hier unterschiedlich grosse Speicherflächen mieten. Zweimal 150 dieser «Racks» (Gestelle) stehen zur Verfügung, ebenso wie das ganze Gebäude komplett doppelspurig erschlossen.

Höhenlage in Gais nutzen

Die SAK garantiert die sichere Stromversorgung, eine unterbruchsfreie Notstromversorgung, Kühlung und Gebäudesicherheit. Rechenzentren sind oft teure Stromfresser. Die meisten stehen in Kalifornien – aber anders als sie punktet die SAK in Gais mit Energieeffizienz. Lediglich 15 Prozent der vom Rechenzentrum verbrauchten Energie werden für Kühlung und Wärmeaustausch eingesetzt. Statt mit riesigen Wassermengen (Ausgabe vom 15. August) wird im «energieeffizientesten Rechenzentrum der Schweiz» die von den IT-Einrichtungen aufgeheizte Luft mit Aussenluft von 32 auf 24 Grad heruntergekühlt. «Dafür nutzen wir die Höhenlage von 912 Metern über Meer im Luftkurort», sagt Mäder.

Sind die Aussentemperaturen einmal zu hoch, komme doch noch Wasser zum Einsatz – auf den Plattenwärmetauschern versprühte Wassertröpfchen verdunsten und erzeugen Kälte. Die benötigte Energie wird mit Solarpanels an der Fassade und auf dem Dach erzeugt. Die Abwärme wird für den Eigenbedarf und für die Bergkäserei Gais genutzt, die heute auf der benachbarten Parzelle ein Käselager betreibt und ebenfalls einen Neubau erstellen will.

Baueingabe im Juni erfolgt

Die SAK hat im Juni die Baueingabe für ihr Projekt eingereicht. «Wir befassen uns seit 2013 mit dem Vorhaben und haben die Behörden entsprechend vorinformiert. Die Rückmeldungen sind gut», sagt Mäder.

Läuft alles nach Plan, soll im Herbst mit den Erschliessungsarbeiten begonnen werden. Die eigentlichen Bauarbeiten sind im nächsten Jahr vorgesehen, die Eröffnung dann Ende Jahr.



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