Tagblatt Online
11. März 2017, 10:27 Uhr

Schmelztiegel modernster Technik

Das Rechenzentrum in Gais soll ein riesiger Datenspeicher für Ostschweizer Unternehmen und gleichzeitig ein Solar- und Wärmekraftwerk für die ganze Region sein.

Seit Januar steht in Gais die Bautafel zum Rechenzentrum Ostschweiz. Mit grossen Buchstaben steht dort: «Das grünste Rechenzentrum der Schweiz». Ein paar Meter weiter weg wird gebaggert,
gebohrt und die Erde umgewälzt. Hier entsteht ein Massivbetonbau mit kaum Öffnungen. Ist das
Rechenzentrum Ostschweiz einmal gebaut, wird es durch einen elektronisch überwachten Zaun gesichert und nur mit PIN, Badge und Biometrie zu betreten sein. Also was entsteht da eigentlich in diesem idyllischen Dorf Gais, und was genau ist daran so grün? Die Bauherrin, die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG, gibt Aufschluss.

Innovatives Kühlsystem

Das Rechenzentrum Ostschweiz bezeichnet sich aus drei guten Gründen als «Grünstes Rechenzentrum der Schweiz». Mit seinem höchst innovativen Kühlsystem, das aufgrund der Höhenlage in Gais eingesetzt werden kann, ist es äusserst energieeffizient. Die anfallende Abwärme wird direkt im Wärmeverbund genutzt. Das Rechenzentrum ist also Datenspeicher und gleichzeitig Wärmekraftwerk. Es produziert über Solarpanels eigenen Strom und ist damit zusätzlich ein grosses Photovoltaik-Kraftwerk. Erklären wir das genauer. Der Strombedarf des Rechenzentrums Ostschweiz entspricht dem von rund 3000 Haushalten. Genutzt wird der Strom
für den Betrieb hunderter Server sowie für die Kühlung und den Wärmeaustausch. Der sogenannte Energieeffizienzwert beurteilt die Effizienz des Energieeinsatzes und besagt, wie viel Energie für Kühlung und Wärmeaustausch eingesetzt werden muss. Unternehmensserver werden mit einem durchschnittlichen Energieeffizienzwert von 1,8 betrieben. Das heisst, an üblichen Serverstandorten werden zusätzlich 80 Prozent der Energie für Kühlung und Wärmeaustausch eingesetzt.

Abwärme wird genutzt

Das Rechenzentrum Ostschweiz hat einen Energieeffizienzwert von 1,15 und damit den besten der Schweiz. Es braucht nur 15 Prozent zusätzliche Energie für die Kühlung und den Wärmeaustausch.
Verlagern also die Unternehmen ihre Server in das Rechenzentrum Ostschweiz, führt das zu rund 36 Prozent weniger Stromverbrauch. Gerechnet auf die Grösse des Rechenzentrums entspricht
diese Einsparung dem Strombedarf von 1700 Haushalten. Die Abwärme, die das Rechenzentrum produziert, wird direkt weiterverwendet. Im Wärmeverbund hilft sie der Bergkäserei Gais, pro Jahr rund 10 Millionen Liter Milch zu erhitzen. Auf diese Weise können rund 1,5 Millionen kWh Erdgas eingespart werden. Zusätzlich können mit dieser Abwärme weitere 150 Haushalte mit Wärme für Heizung und Brauchwasser oder auch weitere Betriebe versorgt werden. Die Solarpanels auf dem Dach sowie rundum an den Fassaden werden jährlich rund 230 000 kWh Energie produzieren. Diese wird komplett im Rechenzentrum Ostschweiz selbst verbraucht. (pd)

https://youtu.be/opE3bZLYteA
www.rechenzentrum-ostschweiz.ch

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