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OPEN AIR ⋅ Dunkel, gut belüftet, nicht zu warm, nicht zu weich und nicht zu hart. Wer hätte gedacht, dass das OpenAir beste Voraussetzungen für eine gute Schlafumgebung bietet? Zugegeben, es fehlt noch ein Element: die Ruhe. Wen kümmert’s, denn Schlafwandeln ist in und Schlafstunden sind die neue Masseinheit am OpenAir.
01. Juli 2017, 10:00
Rocco Maglio
Ehrlich gesagt: Wer denkt schon an Schlaf, wenn er ans Open Air geht? Das Motto ist doch vielmehr Vollgas geben, oder nicht? Zelte werden aufgestellt, um in erster Linie die eigenen Habseligkeiten vor dem Regen zu schützen. Wer zudem eine Schlafmatte ins Sittertobel hinunterschleppt, weiss genau, dass sie irgendwann – eher früher als später – als Sitzunterlage den Allerwertesten vor dem Schlamm rettet statt für Schlafstunden sorgt. Trotzdem sind die flachen Wiesenstücke beliebter als diejenigen am Hang. Und am Sonntagmittag wimmelt es von schlaftrunkenem Partyvolk wie von fallendem Laub im Herbst. Im ersten Moment würde man meinen, das halbe Festival sei bei der Mittagssonne am Schlafwandeln.

Schlafstunden als Masseinheit
Was also im ersten Moment als Fremdwort oder gar Unwort am Open Air erscheinen mag, hat doch seine Berechtigung: der Schlaf. Denn Hand aufs Herz: Wer gönnt sich nicht ein paar wenige Stunden, um den Regenerationstank aufzufüllen? Die eine tut es in der Hängematte, der andere flach. Alle jedoch mit dem Ziel, möglichst in Ruhe gelassen zu werden. «Es schadet nicht, an einem Wochenende etwas weniger als gewohnt zu schlafen», sagt Thomas Egger, Oberarzt im Zentrum für Schlafmedizin am Kantonsspital St. Gallen. Denn ein Schlafdefizit könne schon durch relativ wenig Zusatzschlaf kompensiert werden. «Unter Extrembedingungen ist vieles möglich, ohne dass es für die Gesundheit schädlich ist», so der Schlafexperte. Durchschnittlich benötigt ein Mensch sieben bis acht Stunden Schlaf pro Tag, damit er sich ausgeruht und leistungsfähig fühlt. Die moderne Schlafmedizin gehe davon aus, dass es ein Minimum von fünf Stunden Schlaf brauche, damit man körperlich und psychisch einigermassen gut funktioniere. Daher dauere der Erholungsschlaf nach einer durchwachten Open Air-Nacht keineswegs 16, sondern maximal zehn oder elf Stunden.

Für gute Schlafhygiene
Weil der Schlaf seinen festen Platz am Open Air hat, werden hier die eingangs genannten Voraussetzungen für eine gute Schlafhygiene, wie die Mediziner die Schlafumgebung auch gerne nennen, mit ein paar praxiserprobten Festivaltipps ergänzt. 1. Dunkel: Augen schliessen. 2. Gut lüften: Die Ausdünstungen im Auge behalten und das Zelt nicht schliessen. 3. Nicht zu warm: Ventilator einschalten. 4. Nicht zu weich, nicht zu hart: 5. Mühe geben. Ruhe: Wen kümmert’s!

 

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