«Ich wollte Motherfucker ins Schweizerdeutsche übersetzen»

OPEN AIR ⋅ Punkrock der üblen Sorte, gepaart mit echtem St.Galler Dialekt: Die Band Knöppel mit Leadsänger Daniel Mittag, bekannt als Jack Stoiker, will die Sternenbühne rocken. Aber Achtung: Das vorpubertäre Projekt ist nichts für Kinder.
01. Juli 2017, 10:00
Basil Höneisen
E-Gitarre, Schlagzeug und Vocals werden zu dreckigem Ostschweizer Garagenpunk – könnte man so eure Musik beschreiben?
Ja, das trifft es ganz gut. Oder einfach Wichser-Rock.

Stimmt, denn seit Oktober 2016 ist euer Album «Hey Wichsers» draussen, dort kommt in jedem Song das Wort «Wichser» vor. Dürfen deine Kinder deine Musik hören?
Nein, auf keinen Fall, dafür sind sie noch zu jung. Wenn sie einen unserer Songs zu hören bekommen, schalte ich das Radio im richtigen Moment aus. Aber da ihnen unsere Musik sowieso nicht gefällt, ist das bis jetzt noch kein Problem.

Dich kennt man als den fluchenden Jack Stoiker. Gehört das Fluchen zu deiner Musikerrolle oder zu dir persönlich als Daniel Mittag?
Jack Stoiker ist eigentlich ein Betriebsunfall. Das Ganze hat mit einer Schnapsidee begonnen, die zu mehr Erfolg führte als überhaupt geplant: Ich wollte das Wort «Motherfucker» ins Schweizerdeutsche übersetzen, woraus «Wichser» entstanden ist. So rutscht man dann irgendwie hinein. Als wir dann «Knöppel» gründeten, hat sich das Fluchen auch in der neuen Band etabliert.

Bist du mit dem Wichser-Album zufrieden?
Es hat mich angenehm überrascht und ich kann mir schon vorstellen, dass man sich das Album anhört. Jack Stoiker war ein pubertäres Projekt, «Knöppel» ist vorpubertär. Damit hat das Musikmachen für uns ein neues Level erreicht; wir haben eine richtige Platte mit echten Konzerten und so.

In eurem Song «Hüt wert onaniert» singst du die Zeile «wegem immer meh söllä, für immer meh Chölä, zum immer meh Scheiss in China z’bstellä». Kampfansage an die Konsumgesellschaft oder reimt es sich einfach schön?
Ich bin schon etwas politisch, aber unsere Musik basiert nicht wirklich darauf. Trotzdem gefällt uns die Klo-Philosophie. Und diese Zeilen lassen sich gut mitsingen.

Wie kommst du zu deinen Texten?
(denkt lange nach) Das ist schwer zu erklären: Musik ist für mich ein Gegengift. Manchmal fällt mir eine gute Zeile ein, die sich dann weiterentwickelt. Und ich versuche, mich in meinem Blödsinn zu verheddern. Eben sehr vorpubertär.

Hoffentlich ist euer Publikum nicht vorpubertär.
Wohl kaum (lacht)! In der Regel ist es angenehm durchmischt: Frauen, die alle Zeilen mitsingen, junge Poger vor der Bühne, meine Generation etwas weiter hinten, da ist alles dabei.

Wir sind gespannt auf euren Auftritt auf der Sternenbühne. Wirst du mit deiner E-Gitarre das Schlagzeug zerstören?
Nein, meine einzige teure E-Gitarre möchte ich nicht verlieren. Doch wir können euch versichern: Mit unseren vielen kurzen Songs wird es auf keinen Fall langweilig.


Echter, rauer Ostschweizer Punkrock gefällig?

Die St. Galler Band «Knöppel» tritt am Samstag um 12.45 Uhr auf der Sternen­bühne auf. Hier kann man reinhören.


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