«Kontinuität schafft Vertrauen»

EXPERTENTEXT
⋅ Wer sein Geld in fremde Hände legt, muss seinem Berater vertrauen können. Für Michael Steiner, Leiter Private Banking bei der Acrevis Bank, sind Kontinuität und Kompetenz die wichtigsten Bausteine für ein Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Bank.
29. April 2017, 06:00
Michael Steiner, was bedeutet der Begriff Vertrauen für Sie?
Vertrauen ist für mich ein zwischenmenschliches Phänomen. Es spielt sich im Zusammenleben von Menschen ab. Wir vertrauen jemandem, wenn wir ganz persönlich von seiner Redlichkeit überzeugt sind. Wie bedeutend ist die Vertrauensfrage in Bezug auf Banken und die Finanzwelt? Vertrauen ist das Lebenselixier, welches unser Finanz-, Geld- und Bankensystem vor einem Zusammenbruch schützt. Wie wichtig es beispielsweise für das Private Banking ist, können wir uns einfach vor Augen führen. Es ist doch für uns alle eine Vertrauensfrage, wer uns in Vermögensangelegenheiten unterstützt oder bei wem wir unser Familienvermögen aufbewahren. Es wäre deshalb fahrlässig, sich als Private Banker nicht mit der Vertrauensfrage auseinanderzusetzen.

Wie steht es denn aktuell um dieses Vertrauen?
Die aktuelle Umfrage der Bankiervereinigung zeigt, dass es um das Vertrauen derzeit besser bestellt ist als seit Jahren. Allerdings muss man differenzieren. Laut den Ergebnissen leiden Grossbanken weiterhin unter dem Vertrauensverlust aus der Finanzkrise und ihrer Bonuspolitik. Demgegenüber zahlt sich im aktuellen Umfeld die jahrelange Politik der Regionalbanken aus, ihre Kunden unabhängig und ohne falsche Bonusanreize zu beraten. Das Bankgeschäft ist vielfältig.

Wie kann man als Bank im Bereich Private Banking gezielt Vertrauen schaffen?
In erster Linie mit zuverlässigen und kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Echtes Vertrauen braucht aber Zeit. Deshalb legen wir grossen Wert auf Kontinuität. Unsere Kunden sollen langfristig denselben Ansprechpartner haben, denn durch eine langjährige Zusammenarbeit von Kunde und Berater lernt man die gegenseitigen Bedürfnisse sehr gut kennen.

Reicht es aus, sich gut zu kennen, um Vertrauen zu schaffen?
Kontinuität ist eine Grundlage für Vertrauen, eine weitere ist Kompetenz. Wir können die Erwartungen unserer Kunden nur mit überdurchschnittlich kompetenten Mitarbeitern erfüllen. Deshalb investieren wir auch weiterhin konsequent in die Ausbildung unseres Personals. Zudem setzen wir keine falschen Anreize in Richtung Produkteverkauf. Wir empfehlen konsequent immer das, was für den Kunden den höchsten Nutzen generiert, ohne Interessenkonflikte. Daher bieten wir bewusst keine eigenen Fonds oder strukturierte Produkte an und verzichten auf jegliche Entschädigungen durch Produktanbieter. Die Unabhängigkeit ist uns sehr viel wert, denn langfristig ist nur unabhängige Beratung im Kundeninteresse.

Kunden haben hohe Erwartungen an die Beratung im Private Banking. Wie erfüllen Sie diese?
Zum Beispiel mit durchdachten Antworten auf strategische Vermögensfragen, mit attraktiven Vorsorgelösungen oder mittels massgeschneiderten Anlageempfehlungen. So haben wir uns in den letzten Monaten intensiv mit langfristigem Vermögensaufbau auseinandergesetzt und Lösungen entwickelt, die auch in Zeiten negativer Zinsen funktionieren. Die Kundenreaktionen waren enorm, denn ein entsprechender Depot-Check lohnt sich.

Die Digitalisierung im Finanzbereich ist im Vormarsch. Wie wirkt sie sich auf die Vertrauensfrage aus?
Hart erarbeitetes Geld, das beispielsweise für eine sichere Pension benötigt wird, werden wir auch in Zukunft nicht allein einer Maschine überlassen, sondern Menschen anvertrauen. Die spannende Frage ist, wie gross in Zukunft der Anteil der technischen Unterstützung ist und wie viel menschlicher Einsatz noch notwendig sein wird. Aber gerade im Private Banking wird der Mensch, dem wir vertrauen, weiterhin eine zentrale Rolle spielen. (pd)
 

Person

Dr. oec. HSG Michael Steiner ist seit August 2016 Leiter Private Banking der Acrevis Bank AG in St. Gallen. Zuvor war er in der Geschäftsleitung einer Privatbank tätig. Er ist zudem Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Finanzmarktforschung, Vorstandsmitglied von Wirtschaft St. Gallen (Wisg) und Stiftungsrat von Ecovida. In seiner Freizeit ist der sportbegeisterte Vater von drei Kindern als Strahler auf der Suche nach alpinen Kristallen und Mineralien unterwegs. (pd)  


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