Zwist um Fachhochschule Ostschweiz beendet: Regierungen einigen sich

TRÄGERSCHAFT ⋅ Der Zusammenschluss der drei Fachhochschulen im Kanton St. Gallen unter einem Dach rückt näher: Die Regierungen der beteiligten Kantone und des Fürstentums Liechtenstein haben sich geeinigt.
13. April 2018, 12:23
Adrian Vögele
Der Weg für die neue Fachhochschule Ostschweiz ist geebnet.  Die Fachhochschule St.Gallen (FHS), die Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) und die  interstaatliche Hochschule für Technik Buchs (NTB) werden  zu einer einzigen Fachhochschule zusammengeführt: Dies haben die Regierungen der Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, Schwyz, Glarus sowie des Fürstentums Liechtenstein beschlossen. Sie werden die künftige Trägerschaft für die Fachhochschule Ostschweiz (FHO) bilden – das interstaatliche Konkordat wird noch dieses Jahr ausgehandelt.

An allen drei Fachhochschulstandorten werden weiterhin Lehre und Forschung betrieben, wie es in einer Mitteilung der Staatskanzlei heisst. «Steuerung, Führung und Finanzierung werden verstärkt unter dem Lead des Standortkantons St.Gallen stehen, der etwa 85 Prozent der Trägermittel finanzieren wird.» Die weiteren Träger werden pauschale Beiträge entsprechend der Anzahl ihrer Studentinnen und Studenten bezahlen. Diese Beträge werden gemäss Communiqué tendenziell tiefer sein als die heutigen Beiträge an die Fachhochschulen im Kanton St.Gallen.

Die Meinungen über die beste Organisationsform für die FHO gingen in der Vergangenheit auseinander: Der Kanton Thurgau hatte sich zunächst für ein zweigeteiltes Modell ausgesprochen, wonach nur die FHS und die NTB unter einer Trägerschaft vereinigt worden wären und die HSR eine eigenständige Hochschule geworden wäre. Nun hat die Thurgauer Regierung aber doch der Variante einer einheitlichen Trägerschaft für alle drei Hochschulen zugestimmt.

Im Gespräch zwischen den Regierungsdelegationen seien an diesem Modell Verbesserungen erzielt worden, die dem Thurgau eine bessere Mitwirkung in der neuen FHO ermöglichten, heisst es in der Mitteilung aus Frauenfeld. Als politisches Gremium für die Fachhochschule wird eine Trägerkonferenz eingerichtet, in der die zuständigen Regierungsräte aus den Kantonen und dem Fürstentum vertreten sind. Diese Konferenz beschliesst unter anderem über das Studienangebot der FHO und legt die Kompetenzen für den Hochschulrat fest. Dieser ist das oberste Gremium der FHO und besteht aus 15 Mitgliedern. St. Gallen erhält darin acht Sitze, der Thurgau zwei, die weiteren Mitträger jeweils einen Sitz. Es sei positiv, dass der Hochschulrat nicht nach politischen, sondern nach fachlichen Kriterien zusammengesetzt werden solle, heisst es in der Thurgauer Mitteilung. Der Thurgau rechnet für sich mit einer kostenneutralen Umsetzung der Neuorganisation.

Skeptisch hatte sich im Vorfeld auch der Kanton Schwyz geäussert: Die Regierung befürchtete eine geringeres Mitspracherecht im Modell mit der einheitlichen Vereinbarung für alle drei Hochschulen. Das Interesse des Kantons Schwyz fokussiere sich ausschliesslich auf die HSR, schrieb die Regierung im vergangenen Sommer in ihrer Antwort auf einen Vorstoss aus dem Kantonsparlament. Mit der nun definierten Lösung für die FHO zeigt sich Schwyz aber zufrieden. Der Kanton könne weiterhin Einfluss nehmen auf das Studienangebot und die Zusammenarbeit am Standort Rapperswil. Unter anderem könnten Vertreter der Region um Rapperswil im Standortbeirat der Hochschule Einsitz nehmen. Für den Kanton Schwyz werde der finanzielle Aufwand sinken.

Parallel zur Ausarbeitung des interstaatlichen Konkordats werden nun die Vorbereitungen zur Zusammenführung der drei Hochschulen fortgeführt. «In alle Projektphasen bleiben sämtliche zukünftigen Hochschulträger intensiv einbezogen», heisst es im St. Galler Communiqué. Der operative Start der neuen Hochschule ist auf Herbst 2020 geplant.
Bis Ende 2022 muss die Fachhochschule Ostschweiz ihre Strukturen bereinigt haben. Dies verlangt der Bund. Sie erfüllt in ihrer heutigen Form die gesetzlichen Anforderungen für die Akkreditierung nicht mehr.

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