Der 27. Schweizer Kanton: "Willkommen, Vorarlberg"

KOMMENTAR ⋅ Vor 100 Jahren stimmten rund 80 Prozent der Vorarlberger für einen Beitritt zur Eidgenossenschaft. Die Schweizer allerdings sagten Nein. "Schade", schreibt Chefredaktor Stefan Schmid in seinem Kommentar. "Die Vorarlberger würden gut zu uns passen."
06. Februar 2018, 05:18
Stefan Schmid

Vor ziemlich genau 100 Jahren machten ­unsere Vorfahren einen unverzeihlichen, staatspolitischen Fehler. Die Eidgenossenschaft zeigte damals unseren Freunden ennet des Rheins, die sich nach einer besseren Zukunft sehnten, die kalte Schulter. Der Bundesrat ging nicht wirklich auf das Aufnahmebegehren der Vorarlberger ein, die sich mit 81 Prozent dafür ausgesprochen hatten, der Eidgenossenschaft beizutreten. Zu viele neue Deutschsprachige, monierten die Romands. Zu viele Katholiken, kritisierten die Protestanten. Besinnung auf die eigenen Grenzen, keine territorialen Expansionsgelüste, postulierten die Anhänger einer strikten Neutralitätspolitik. So blieb alles, wie es war: Vorarlberg verharrte im durch den Krieg zum Kleinstaat geschrumpften Österreich. Der deutschsprachige Rest des ehemaligen Kaiserreichs erhielt von den siegreichen Alliierten gutmütig das Prädikat «unabhängiger Staat» verliehen.

Mit 100 Jahren Distanz und etwas augenzwinkender ostschweizerischer Nähe lässt sich festhalten: Eigentlich schade. Die Vorarlberger würden gut zu uns passen. Auch heute noch. Sie sind wirtschaftlich topsolid aufgestellt – das reichste Bundesland Österreichs, das einzige, das fast durchs Band schwarze Zahlen schreibt. Sie bevorzugen konservative und rechtspopulistische Parteien. Auch hier eine Parallele zur Bevölkerung auf der Schweizer Rheinseite. Und nicht zuletzt kämen wir in den Genuss, grossartige Kulturveranstaltungen wie die Bregenzer Festspiele, tolle Skigebiete und innovative Gastrounternehmen unser Eigen nennen zu dürfen. Der Fall ist klar, liebe Vorarlberger, an uns soll es nicht mehr scheitern, solltet ihr uns nochmals einen Heiratsantrag machen wollen.

Wie der Vorarlberg vor 100 Jahren der Schweiz beitreten wollte und abgelehnt wurden.


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