Vor dem Höhepunkt der Saison

SKI ALPIN ⋅ Wenn ab heute in Whistler Mountain auf der Olympiastrecke die bedeutendsten Nachwuchsrennen in Nordamerika stattfinden, wird auch Sarah Zoller aus Flawil am Start stehen.
12. April 2018, 05:20
David Metzger

David Metzger

sport@wilerzeitung.ch

Es liest sich fast ein wenig wie aus einem Märchen. Wer die Erfolge von Sarah Zoller in der abgelaufenen Saison zusammenzählt, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: zweifache Schweizer Meisterin, dazu Siegerin der national bedeutendsten Rennserie des Swiss-Ski Jugend Cups 2018. Und auch international sorgt die für den Skiclub Gossau startende Flawilerin für Furore. Alpe Cimbra, das unter dem früheren Namen Trofeo Topolino besser bekannte und oftmals als inoffizielle Weltmeisterschaft auf Stufe U16 betitelte Nachwuchsrennen in Europa, welches in der Vergangenheit auch bereits Lara Gut, Tina Weirather oder Lindsey Vonn für sich zu entscheiden vermochten, beendet Zoller auf dem dritten Rang im Slalom.

Dazu gesellt sich Silber am OPA-Cup in Malbun, einem Ländervergleich von elf startenden Nationen. Dass Zoller dazu auch an den Ostschweizer Meisterschaften am vergangenen Osterwochenende in sämtlichen Rennen obenaus schwang, ist nur noch eine Randnotiz und geht im Erfolg all dieser Resultate beinahe etwas unter.

In Kanada Grosses vor

Die logische Folge einer konstanten und erfolgreichen Saison für Sarah Zoller: Von heute Donnerstag bis Sonntag darf sie zusammen mit drei weiteren Athletinnen und Athleten die Schweiz am Whistler Cup, den bedeutendsten U16-Nachwuchsrennen im kanadischen Whistler Mountain (CAN) vertreten. Diese Ehre gebührte Zoller bereits im letzten Jahr. Damals erreichte sie als eine der jüngsten Teilnehmerinnen im Starterfeld als Bestresultat den fünften Rang im Riesenslalom.

An diesem Resultat orientiert sich Zoller auch diesmal wieder. Insbesondere deshalb, weil nebst dem europäischen Starterfeld auch die USA, Kanada oder Japan mit ihren stärksten Fahrerinnen am Start stehen, sind die Rennen in Nordamerika derart aussagekräftig. Einen solchen Quervergleich gibt es sonst nie. «Die erneute Teilnahme ist ein schönes Privileg für mich und man fühlt sich fast etwas wie in einer anderen Welt, wenn man plötzlich mit dem Flieger an ein Rennen reisen darf», verrät Zoller. Die 15-Jährige hofft, davon profitieren zu können, dass sie die Bedingungen und den Anlass in Kanada schon kennt. «Die Nervosität wird bei einigen Athletinnen sicher grösser sein.»

Dank Selbstvertrauen ist vieles möglich

Insbesondere im Slalom rechnet sich die Flawilerin gute Chancen aus, auch in diesem Jahr vorne mitzufahren. Ausgestattet mit viel Selbstvertrauen scheint aufgrund des bisherigen Saisonverlaufes vieles möglich. Schon die ganze Saison hat Zoller in dieser Disziplin dominiert, fuhr in jedem nationalen Rennen auf das Podest und gewann am Ende auch die Schweizer Meisterschaften in Beckenried mit überlegenen 1,24 Sekunden Vorsprung. «Klar, ein Podestplatz in Whistler wäre ein absoluter Traum», gibt Zoller unverdrossen zu. Dafür muss aber alles stimmen.

Zumindest die Trainer trauen der Flawilerin einiges zu. So bringt es Zoller stets hin, am Limit zu fahren und dabei in ihren Schwüngen trotzdem viel Sicherheit auszustrahlen, ruhig über dem Ski zu stehen und nie in Bedrängnis zu geraten. Diese Qualitäten werden auch diese Woche in Whistler gefragt sein.

Überraschend auch im Super-G

Zum Erfolg im Slalom gesellte sich in diesem Jahr bei Sarah Zoller ein weiterer Meistertitel. Auch den Super-G absolvierte sie als Schnellste. «Dieser Sieg kam selbst für mich überraschend», resümiert Zoller und fügt an, dass es eigentlich andere Athletinnen gäbe, die in dieser Disziplin besser seien. Weil der Kurs in seiner Kurssetzung aber stark gedreht hat, kamen die Qualitäten von Zoller besser zur Geltung, wodurch die Flawilerin letztlich mit einer halben Sekunde Vorsprung gewann.

Unabhängig der ausstehenden Rennen in Whistler weiss Zoller bereits jetzt, wie die Sommermonate und die kommende Saison aussehen werden. In Davos am Sport-Gymnasium soll ein weiterer Schritt in Richtung Matura absolviert werden, wo unter anderem ein Sprachaufenthalt in Dijon (FRA) ansteht. Im sportlichen Bereich hat Zoller die Selektionskriterien für das nationale Leistungskader erfüllt, was neue Verpflichtungen und Trainingseinheiten an den Tag rufen wird.

Nächstes Jahr geht es um FIS-Punkte

Und auch im Rennbetrieb wartet neue Konkurrenz auf Zoller: Ab nächster Saison wird in FIS-Rennen um Punkte gefahren, was durchaus eine Herausforderung werden dürfte. Denn Zoller wird die ersten Rennen von einer hohen Startnummer aus in Angriff nehmen müssen. Das bedeutet, dass die Piste zu diesem Zeitpunkt bereits unruhig und von Gräben gezeichnet sein wird. Zudem sind viele Athletinnen im Starterfeld älter, körperlich robuster und demzufolge auch erfahrener, was es für Zoller zusätzlich schwieriger machen wird, Podestplätze herauszufahren. Zoller gibt sich aber kämpferisch. Die schwierige Ausgangslage soll letztlich eine Challenge darstellen, an welcher sich die junge Nachwuchshoffnung langfristig orientieren und wachsen kann.

Zuvor steht in Whistler Mountain aber noch der eigentliche Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Nach einem äusserst erfolgreichen Jahr soll der Saison mit einer weiteren Märchenstunde die Krone aufgesetzt werden.


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