Umzüge starten zu ungewöhnlichen Zeiten

LENGGENWIL / SIRNACH / WIL ⋅ Umzüge und andere Fasnachtsanlässe in Lenggenwil, Sirnach und Wil starten zu ungewöhnlichen Zeiten. Grund dafür ist, dass während der Fasnacht alles etwas spezieller und ausgefallener zu- und hergeht.
06. Februar 2018, 05:18
Tim Frei

Tim Frei

tim.frei@wilerzeitung.ch

In Lenggenwil ist sie bereits Geschichte, in Sirnach und Wil steht sie bevor – die diesjährige Fasnacht. In der Äbtestadt beginnt sie morgen Abend traditionell mit dem Gümpeli-Mittwoch; dann werden Herold und sein Gefolge sowie die Wiler Tüüfel das Sagen haben. Einen Tag später folgt auch in Sirnach der Startschuss. Dabei fällt auf: Beide Eröffnungen starten zu einer speziellen Zeit – in Sirnach um 18.51 Uhr und in Wil um 19.02 Uhr. Nicht anders war es am vergangenen Wochenende in Lenggenwil. Die Eröffnungszeiten sind diesbezüglich keine Ausnahmen, auch andere Anlässe wie etwa der Fasnachtsumzug in Wil, Sirnach und Lenggenwil starten mit 14.01, 14.31 und 14.03 Uhr zu ungewöhnlichen Zeiten. Doch was steckt dahinter?

«Zahlen haben keine spezifische Bedeutung»

Für diese Startzeiten gibt es eine einfache Erklärung, wie eine Umfrage unter den drei Fasnachtsveranstaltern zeigt. «Die Fasnacht gilt bekanntlich als fünfte Jahreszeit, in der alles etwas spezieller und ausgefallener zu- und hergeht», sagt Severin Löhrer, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Lenggenwil. Dies sei wohl der Hintergrund, weshalb diese ungewöhnlichen Zeiten bei der ersten Ausgabe vor 40 Jahren eingeführt und bis heute aufrechterhalten worden seien. Dass an dieser Vermutung etwas dran ist, bestätigen Oliver Baumgartner, Präsident der Fasnacht-Gesellschaft Wil (FGW), und Marco Meuri, Präsident der Sirnacher Fasnächtler (Sifa). «An der Fasnacht ist alles etwas anders als sonst, man weicht von der Norm ab», sagt Baumgartner und ergänzt: «Dem wird auch in Form der ungewöhnlichen Zeiten Rechnung getragen.» Aus dem gleichen Grund setzt die Fasnacht in Sirnach auf diese Tradition. «Die Zahlen haben keine spezifische Bedeutung, sondern sind vor 25 Jahren einfach so ausgewählt worden», sagt Meuri.

Die Wiler Fasnacht veranstaltete sonntags für lange Zeit einen grossen Umzug für Erwachsene im einen Jahr und im Jahr darauf einen für Kinder. Vor zwei Jahren wurde der Kinderumzug jedoch eingestellt. «Dies, weil immer weniger Schulklassen am Umzug teilnahmen», sagt Baumgartner. Einerseits hätten die oft nicht aus Wil stammenden Lehrer kaum Kenntnis der hiesigen Tradition und Kultur. Andererseits sei eine Teilnahme am Umzug mit einem grossen Zusatzaufwand verbunden. Ein ähnliches Phänomen zeigt sich in Lenggenwil. In der Vergangenheit haben viele Schulklassen an den Umzügen teilgenommen. «Jetzt sind es primär die Vereine, welche Kinder und Schüler dafür mobilisieren. Zum Beispiel der Verein Jugendmusikschule Wil-Land, der in diesem Jahr erstmals dabei war», sagt Löhrer.


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