Blindflug am Bürerstich: Die Gefahr von Blendunfällen nimmt wieder zu

SONNENLICHT ⋅ Am Dienstagmorgen wurde in Flawil eine Fussgängerin angefahren und verletzt. Als Unfallursache gab der Automobilist an, von der Sonne geblendet worden zu sein. Die Blendgefahr ist im Frühjahr und Herbst, morgens und abends, speziell gross, besonders gefährliche Stellen gibt es auch auf der Autobahn.
15. Februar 2018, 05:20
Andrea Häusler

Der Unfall ereignete sich um neun Uhr früh auf einem Fussgängerstreifen. Der Fahrzeuglenker hatte die Frau aufgrund einer temporären «Sonnenerblindung» übersehen. «Die Frau wurde mit unbestimmten Verletzungen ins Spital gebracht. Am Auto entstand ein Sachschaden von 4500 Franken.» So steht es in der Mitteilung der Kantonspolizei St. Gallen. Sogenannte Blendunfälle häufen sich jeweils speziell in den Frühlings- und Herbstmonaten. Dann ist die Blendgefahr aufgrund der tief stehenden Sonne in den Morgen- und Abendstunden, just dann, wenn der Berufsverkehr, besonders gross. Dies bestätigt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Ein bekannt-neuralgischer Punkt sei der Bürerstich auf der A1 zwischen Oberbüren und Gossau. Dort komme es immer wieder zu Kollisionen, wenn die Sonne in einem flachen Winkel unter der Brücke durchscheine. Bei nasser Fahrbahn sei die Blendwirkung besonders intensiv.

Sonnenbrille und Tempo anpassen

Wenngleich die «Sonnenerblindung» nur Sekunden dauert, können die Folgen gravierend sein. Denn bereits bei einer üblichen Innerorts-Geschwindigkeit von 50 km/h führt eine Sekunde Blendung zu einem Blindflug von 14 Metern. Die Sichtbeeinträchtigung verstärkt sich – wie erwähnt – bei feuchter oder nasser Strasse. Aber nicht nur. Auch beim Durchfahren von Alleen kann es bei seitlich einwirkender Sonnenstrahlung zu einer Blendwirkung kommen oder nach dem Überqueren von Kuppen und der Ausfahrt aus Tunneln. Kommt hinzu, dass die Sonneneinstrahlung dazu führen kann, dass die Ampelfarben nicht mehr erkannt werden können.

Ablenkung ist häufigere Unfallursache

Die Sonne kann im Schadenfall nicht zur Rechenschaft gezogen werden, aber der Autolenker oder die Automobilistin. Zumindest dann, wenn die Blendwirkung der Sonne der Hauptgrund für den Unfall war, wie Florian Schneider sagt. Der Lenker müsse sein Fahrzeug jederzeit unter Kontrolle haben, sprich – im vorliegenden Fall – die Sonnenblende benützen, eine Sonnenbrille tragen oder schlicht langsamer fahren. Eine vorausschauende Fahrweise, ausreichend Sicherheitsabstand, eine saubere Windschutzscheibe und Wischblätter, welche die Frontscheibe streifenarm reinigen, sind weitere Kriterien, die das Unfallrisiko bei tiefem Sonnenstand mindern.

Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Verkehrsunfälle, die mehrheitlich wegen Ablenkung, Fahrunfähigkeit oder aufgrund überhöhter Geschwindigkeit verursacht werden, seien Blendunfälle allerdings eher selten, weiss Florian Schneider. Er räumt aber ein, dass sie gleichwohl statistisch separat erfasst würden.

 


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