In Wil passieren weniger Straftaten als in Rapperswil

REGION ⋅ Die Kriminalstatistik 2017 zeigt für die Stadt Wil ein erfreuliches Bild: Die Verstösse gegen das Strafgesetzbuch haben innerhalb eines Jahres um fast 20 Prozent abgenommen. In Rapperswil-Jona passiert neuerdings mehr. Eine Zunahme gab es in Uzwil und Flawil.
09. April 2018, 09:22
Simon Dudle

 

Manch einer hat das Gefühl, in der Stadt Wil lebe es sich ziemlich gefährlich – auch wegen zwielichtiger Gastalten auf dem Bahnhofplatz. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die Kantonspolizei St.Gallen im vergangenen Jahr in Wil 1066 Verstösse gegen das Strafgesetzbuch registriert hat. Das sind zwar 1066 zu viele, aber deutlich weniger als in der Vergangenheit. Noch im Jahr 2012 waren es fast doppelt so viele gewesen, als mit sage und schreibe 2011 Taten der unangefochtene Höchststand in diesem Jahrzehnt erreicht wurde. Auch der Vergleich mit dem Vorjahr ist erfreulich: Um 19 Prozent weniger solcher Vorfälle wurden registriert. Somit liegt Wil im kantonalen Vergleich erstmals nicht mehr auf dem ungeliebten zweiten Platz hinter dem unangefochtenen Leader St. Gallen. Denn in Rapperswil-Jona gab es vergangenes Jahr 1080 solcher Straftaten – 14 mehr als in Wil. Da die Rosenstadt gut 3000 Einwohner mehr zählt, ist die prozentuale Anzahl Verstösse gegen das Strafgesetzbuch pro 1000 Einwohner in Wil aber nach wie vor etwas höher als in Rapperswil-Jona.

In der Äbtestädt nimmt man diese Zahlen erfreut zur Kenntnis. «Die Stadt Wil hat in den vergangenen Jahren viel unternommen, um die Sicherheit zu erhöhen. So wurden 2013 die Patrouillen des privaten Sicherheitsdienstes ausgebaut. Insbesondere gilt dies für die Präsenz an neuralgischen Punkten, die für viele Deliktsituationen der Ausgangspunkt sind», sagt Philipp Gemperle, Sprecher der Stadt Wil. Speziell dem Bahnhof mit seinem Umfeld werde hohe Priorität beigemessen. Die Schwerpunkte würden anhand von Rückmeldungen laufend überprüft. «Auch die seit 2013 installierte Videoüberwachung hat einen wertvollen Beitrag geleistet. Ich bin überzeugt, dass dieses Vorgehen etwas verzögert nun zu einer Verbesserung der Situation geführt hat», sagt Gemperle.
 

Drogen: Massive Zunahme in Oberuzwil

Aus Wiler Sicht ist ebenfalls erfreulich, dass auch die Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz vergangenes Jahr markant abgenommen haben – um 13 Prozent. Die Polizei hat diesbezüglich noch 206 Verstösse registriert. Auch in dieser Statistik liegen Wil und Rapperswil-Jona nun nahezu gleichauf. Anders sieht es bei den Straftaten gegen das Ausländergesetz aus. 81 Taten wurden im vergangenen Jahr in Wil verzeichnet. Dies entspricht einem Plus von 53 Prozent.

Bei einem Blick zu den anderen grösseren Gemeinden der Region fällt auf: In Flawil gab es 2017 genau 28 Verstösse mehr gegen das Strafgesetzbuch als in Uzwil, obwohl die Einwohnerzahl um über 2000 Personen tiefer war. Während diese Zahl in Flawil innerhalb eines Jahrs um sieben Prozent zugenommen hat, stieg sie in Uzwil aber gar um 14 Prozent. In Oberuzwil sank sie hingegen um 16 Prozent, in Kirchberg um deren 26. In Flawil wurden fast doppelt so viele Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert wie in Uzwil. Diesbezüglich hat Oberuzwil einen massiven (ungeliebten) Sprung nach oben gemacht. Statt 18 Taten wie im Vorjahr waren es 2017 deren 63, womit praktisch mit Flawil gleichgezogen wurde.

Alles in allem hat die Polizei vergangenes Jahr in der Region Fürstenland-Neckertal 3577 Straftaten verzeichnet. Das sind um 7,6 Prozent weniger als im Jahr zuvor. «Die Entwicklung im ganzen Kanton St. Gallen in den vergangenen Jahren zeigt deutlich, dass die Anzahl Delikte gesamthaft eher abnimmt, die Komplexität jedoch steigt», sagt Stefan Kühne, Leiter der Kriminalpolizei St. Gallen.
 

Streit unter Brüdern fordert ein Todesopfer

Im gesamten Kanton gab es im Jahr 2017 auch 18 Tötungsdelikte. Eines ereignete sich in der Region Wil. Am 16. Oktober hatte es in Bazenheid einen heftigen Streit zwischen zwei Brüdern im elterlichen Einfamilienhaus gegeben. Der Beschuldigte stach mit einem Küchenmesser auf seinen Bruder ein und traf ihn laut Angaben der Polizei auf der linken Seite an der Halsschlagader. Der Schwerverletzte konnte sich zwar noch selber in eine nahe gelegene Arztpraxis retten. Trotz ärztlicher Sofortmassnahmen verstarb er aber kurz nach der Einweisung ins Kantonsspital St. Gallen.


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