Gleichstellung Fehlanzeige: Frauen sind im Wiler Stadtparlament stark untervertreten

WIL ⋅ Vier von fünf Volksvertretern der Stadt sind männlich. Einzig die SP weist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern auf. Alle Parteien sind sich aber einig, dass mehr Frauen dem Stadtparlament gut täten.
12. Februar 2018, 19:02
Gianni Amstutz
Frauen machen mit 50,4 Prozent etwas mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung aus. In der Politik sind sie jedoch nach wie vor untervertreten. Die Zahlen sprechen auch in Wil eine deutliche Sprache. Nur jedes fünfte Mitglied des Stadtparlaments ist weiblich. Dies auch deshalb, weil für die zurückgetretene Marianne Mettler (SP) und dem Verzicht aufs Amt von Mirta Sauer mit Christof Kälin ein weiterer Mann im Parlament Einsitz nimmt.
 

Parteien befürworten ausgewogeneres Verhältnis 

SP-Fraktionspräsidentin Silvia Ammann Schläpfer Zoom

SP-Fraktionspräsidentin Silvia Ammann Schläpfer

Die SP-Fraktion steht in dieser Hinsicht trotz dieses Wechsels noch mit Abstand am besten da. Drei der sechs SP-Parlamentsmitglieder sind Frauen. «Wir versuchen, unsere Wahllisten möglichst ausgeglichen zu gestalten», sagt SP-Fraktionspräsidentin Silvia Ammann Schläpfer.Das gelte nicht nur für das Geschlecht, sondern auch für das Alter der Kandidierenden. Ein Patentrezept für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis kann sie den anderen Parteien jedoch nicht liefern. Es brauche Vorbilder in der Partei, die aufzeigen, dass Frauen in der Politik genauso ihre Berechtigung haben wie Männer. Denn für Politikerinnen seien die Hürden etwas höher. «Männer haben weniger Probleme, sich in der Öffentlichkeit zu exponieren. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass Frauen in der Gesellschaft noch immer anders beurteilt werden», sagt Silvia Ammann Schläpfer. Dinge wie Kleidung oder das äussere Erscheinungsbild spielten bei Frauen eine wichtigere Rolle als bei männlichen Politikern. «Das finde ich bedenklich.» Die SP-Fraktionspräsidentin sieht die anderen Fraktionen in der Pflicht, ihren Teil zu einem ausgewogeneren Geschlechterverhältnis  beizutragen.

CVP-Fraktionspräsident Christoph Gehrig Zoom

CVP-Fraktionspräsident Christoph Gehrig

Der Tenor der anderen Fraktionen des Stadtparlaments ist einstimmig: Einen höheren Frauenanteil würden sie begrüssen. «Wir wollen den Frauenanteil von 20 Prozent in unserer Fraktion im Hinblick auf die Wahlen 2020 mindestens halten. Noch schöner wäre, wir könnten ihn steigern», sagt CVP-Fraktionspräsident Christoph Gehrig. Die Partei sei darum bemüht, mehr Frauen für eine Kandidatur zu motivieren. Grundsätzlich setze die CVP jedoch die besten Leute auf die Wahlliste, ungeachtet von deren Geschlecht.  

stv. SVP-Fraktionspräsident Pascal Stieger Zoom

stv. SVP-Fraktionspräsident Pascal Stieger

Ähnlich tönt es bei der SVP. Die Partei hat mit Ursula Egli nur eine einzige Frau im Stadtparlament.«Selbstverständlich wäre es eine Bereicherung, wenn der Frauenanteil im Parlament höher wäre», sagt der stellvertretende Fraktionspräsident Pascal Stieger. Es sei jedoch schwierig, Frauen zu finden, die sich zur Wahl stellten. «Vielleicht trauen sie sich das Amt etwas weniger zu, obwohl sie das eigentlich genauso gut können wie Männer», mutmasst Stieger über die Gründe für die tiefe Anzahl Kandidatinnen bei den Wahlen 2016. Damals war Ursula Egli die einzige weibliche Vertreterin unter den zwölf Kandidierenden der SVP.
 

Keine direkt gewählte Frau für Grüne Prowil und FDP

Guido Wick, Fraktionspräsident Grüne Prowil Zoom

Guido Wick, Fraktionspräsident Grüne Prowil

Für die Grünen Prowil sitzt mit Eva Noger ebenfalls nur eine Frau im Stadtparlament. Und dies nur deshalb, weil sie für Ruedi Wiesli nachrückte, der auf seinen Sitz verzichtete. Über mehr Frauen im Parlament würde sich Fraktionspräsident Guido Wick freuen. «Die Grünen zeichnen sich eigentlich dadurch aus, einen relativ hohen Frauenanteil zu haben.» Auch bei den Wahlen fürs Wiler Stadtparlament 2016 habe man mehrheitlich Frauen auf der Liste der Grünen Prowil gehabt. Tatsächlich war sie die einzige Partei, welche mit 21 Frauen von total 36 Listenplätzen eine weibliche Mehrheit aufwies. Dass nur Männer gewählt wurden, sei Zufall gewesen, sagt Wick. Die Rahmenbedingungen in Politik und Wirtschaft seien für Frauen, insbesondere für solche mit Kindern, jedoch immer noch schwieriger als für Männer. «Es verwundert daher nicht, dass sich das auch im Parlament abzeichnet», sagt Wick.

FDP-Fraktionspräsident Mario Breu Zoom

FDP-Fraktionspräsident Mario Breu

Die neun Personen starke FDP-Fraktion setzt sich ausschliesslich aus Männern zusammen. Ein Zustand, den FDP-Fraktionspräsident Mario Breu bedauert. «Es ist unser erklärtes Ziel ein ausgeglicheneres Verhältnis zu erreichen.» Die Partei habe sich dem Thema angenommen. Mit Cornelia Kunz habe beispielsweise eine Frau das Vizepräsidium der Partei inne. Ausserdem seien die ersten beiden Ersatzplätze für das Stadtparlament von Frauen besetzt. Sie würden im Fall eines Rücktritts in der Fraktion zum Zug kommen. 

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