«Fokus liegt auf dem Ligaerhalt»

EISHOCKEY ⋅ Seit vergangenem Wochenende steht fest, dass der EHC Uzwil die 1./2.-Liga-Abstiegsrunde gegen den SC Weinfelden bestreiten muss. Das Team wird «beissen» müssen, prognostiziert Präsident Romano Ruch.
09. Februar 2018, 10:00
Urs Nobel

Urs Nobel

Romano Ruch ist erst seit dieser Saison Präsident des EHC Uzwil. Er liess sich an einer ausserordentlichen Hauptversammlung wählen und ersetzt Ugur Uzdemir, der sich per Ende Saison aus dem Vorstand zurückziehen wird.

 

Romano Ruch, nachdem Sie diese Saison die erste Mannschaft dreimal haben spielen sehen, sagten Sie relativ euphorisch Ja zu einer Amtsübernahme als Präsident. Wie steht es heute um Ihre Gefühlslage?

Die Gefühlslage ist eher als gemischt zu bezeichnen. Noch ohne mein Dazutun wurde Trainer Kevin Schüepp entlassen und nach einem kurzen Aufbäumen der Mannschaft musste sie zehn Niederlagen in Folge einstecken. Unterdessen stehen wir vor den Playouts. So etwas lässt einen Präsidenten nicht kalt.

 

Haben Sie es schon bereut, das Amt des Präsidenten angenommen zu haben?

Ich würde es mir jedenfalls nochmals überlegen. Ich denke, das ist menschlich bei dieser sportlichen Situation. Gleichzeitig aber schlägt mein Herz für den EHC Uzwil. Wenn ich als Präsident etwas Positives bewirken kann, werde ich das weiter tun. Sportlich sind die Spieler auf dem Eis gefordert.

 

Haben Sie seither viele Gespräche mit dem Trainer und dem Sportchef geführt, um die sportliche Situation zu analysieren und zu verbessern. Wie präsentiert sich Ihre Sicht der Dinge heute?

Da gilt es ein bisschen auszuholen. Raphael Zahner, unser Trainer, hat mitten in der Saison eine Mannschaft übernommen, auf deren Besetzung er keinen Einfluss hatte. Sportchef Patrick Ammann ist zwischenzeitlich zum Assistenten geworden und gelangt jetzt sogar noch als Spieler zum Einsatz. Es mussten personell einige Retuschen vorgenommen werden, was auch zur Verkleinerung des Kaders führte. Auch die Verletzungshexe hat im dümmsten Moment zugeschlagen. Die Stimmung im Team ist aber weiterhin sehr gut und die Moral intakt. Alle sind davon überzeugt, dass der EHC Uzwil den Ligaerhalt schafft. Auch ich. Aber es wird hart, alle Beteiligten werden «beissen» müssen.

 

Sie sprechen die gute Stimmung im Team an. Da hört man aber auch anderes. Ist nicht immer noch eine Gruppenbildung im Team vorhanden, die das wichtige Miteinander behindert?

Ich sehe das nicht so. Das Team funktioniert. Wenn ich den Spielen zuschaue, sehe ich stets eine Mannschaft, die will, die kämpft und alles für einen Sieg tun möchte. Aber, wir schiessen zu wenig Tore. Wir benötigen ein Erfolgserlebnis. Mit einer kontrollierten Offensive lösen wir die Blockade.

 

Dann sind Sie also der Ansicht, die Mannschaft werfe alles nach vorne und vernachlässige die defensive Arbeit?

So hart soll es natürlich nicht tönen. Ich sehe es eher so, dass unsere Spieler – wenn es ihnen nicht läuft – mit der Brechstange den Erfolg suchen und dabei zu ungeduldig sind.

Kommt hinzu, dass die Mannschaft über zu viele Verletzte verfügt und diese teilweise schmerzlich vermisst werden.

Das ist so. Wir spielen praktisch ohne ersten Block. Die Verletztenliste umfasst immer noch drei wichtige Spieler.

 

Der EHC Uzwil steigt trotzdem hoffnungsfroh und zuversichtlich in die Abstiegsspiele. Macht sich der Verein aber auch Gedanken, dass die erste Mannschaft absteigen könnte? Existiert ein Plan B?

Für mich bleibt ein Abstieg ausgeblendet. Wir müssen uns alle darauf fokussieren, dass wir den Ligaerhalt schaffen. Dafür sind alle Kräfte zu bündeln. Wir haben nun noch etwas mehr als eine Woche Zeit bis zu den Playouts. Bis dahin hoffe ich, dass möglichst alle Verletzten wieder zurück und einsatzfähig sind. Dann sind die Hoffnungen auf ein gutes Ende berechtigt.

 

Ein gutes Ende würde auch einen guten Anfang bedeuten. Wird der EHC Uzwil auch unter Ihrer Führung mit einem derart hohen Budget haushalten wie bisher? Mit Festangestellten im Nachwuchs beispielsweise oder einer Geschäftsstelle?

Ich bin klar der Meinung, dass wir unser Budget hinsichtlich der nächsten Saison drastisch zurückfahren müssen.

 

Und sind Sie davon überzeugt, dass das möglich ist?

Anders geht es gar nicht. Wir werden nicht darum herumkommen, jeden Posten, der Ausgaben nach sich zieht, zu hinterfragen. Wir müssen eventuell auch auf gute Marketing-Massnahmen verzichten, wenn sie Geld kosten und uns dafür wieder auf eine solide Vereinsarbeit konzentrieren.

Dann besteht auch beim Publikumsaufmarsch Handlungsbedarf. Dieses muss wieder zahlreicher in die Halle kommen.

Wenn die Mannschaft auf dem Eis Einsatz zeigt und von Zeit zu Zeit gewinnt, kommen auch wieder mehr Zuschauer. Für die Playouts hoffe ich jedoch, dass das Publikum trotzdem kommt und uns zum Ligaerhalt treibt.

 

Dann wären noch die Sponsoren. Wie gross ist deren Rückhalt aktuell?

Wenn wir uns so wie jetzt in einer sportlichen Negativspirale befinden, wird es schwieriger im Sponsoring-Bereich. Einige Gönner sind zurzeit tatsächlich etwas zurückhaltender als auch schon. Einige haben die finanzielle Unterstützung bereits eingestellt. Wir werden gefordert sein, auch diese wieder in unser Boot zu holen. Zudem gilt es, weitere dem EHC Uzwil gutgesinnte Firmen und Privatpersonen zu finden, die uns unterstützen.

 

Das wird vor allem auch dann notwendig sein, wenn der EHC Uzwil in der 1. Liga verbleibt. Der Wechsel von drei zu zwei Gruppen dürfteautomatisch mehr für die einzelnen Vereine kosten. Beispielsweise für einen Kader, in dem die Spieler bereit sind, auch unter der Woche mehr und weitere Reisen als bis anhin auf sich zu nehmen.

Wir werden auch bei unserem Kader Abstriche vornehmen müssen. Der Aufwand für die Spieler bleibt sich in der neuen Liga-Konstellation hingegen in etwa gleich. Auch rechne ich nicht mit massiv höheren Kosten für die Auswärtsspiele. Allerdings wird es zu verschiedenen Heimpartien gegen Teams von auswärts kommen, die wahrscheinlich weniger Anhänger mitbringen, als wenn es sich um ein Ostschweizer-Derby handelt. Da müssen wir ein bisschen auf das Auslosungsglück des Spielplans hoffen.

 

Etwas Gefreutes zu Schluss: Ein Kompliment und eine Durchhalteparole an den EHC Uzwil kommt aus berufenem Munde. Fredi Leuenberger attestiert dem Verein, dass dieser seit «seiner Zeit» vor rund 30 Jahren nie mehr über eine so gute Nachwuchsabteilung wie heute verfügt habe und dass es sich lohne, weiter in den Nachwuchs zu investieren. Diese Aussage dürfte Sie freuen?

Es ist zurzeit tatsächlich meine ganz grosse Freude, dass es in der Junioren- respektive in der Nachwuchsabteilung unseres Vereins klappt und alle Beteiligten mit grossem Engagement dabei sind. Fredi Leuenbergers Kompliment sei herzlich verdankt. Doch bin ich mir bewusst, dass unser Verein noch weit entfernt von «seiner Zeit» ist. Der EHC Uzwil befindet sich mit seiner Nachwuchsabteilung zwar in einem gesunden Aufbau. Es benötigt aber noch entsprechend viel Geduld, um irgendwann einmal davon ernten zu können.


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