Stadt und Hausbesitzer streiten wegen zu "knalliger" Fassadenfarbe

WIL ⋅ Über die Farbwahl für die Fassade des Schmalzhauses herrscht Uneinigkeit. Der von Ferdi Schlegel gewünschte Farbton passe nicht in die Altstadt, urteilt die Stadt. Der Hauseigentümer fordert eine rechtsgleiche Behandlung. Eine Lösung ist nicht in Sicht.
21. Dezember 2017, 19:49
Gianni Amstutz

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Der Ärger bei Ferdi Schlegel ist gross. Festgefahren und unflexibel sei das Vorgehen des Departements für Bau, Umwelt und Verkehr (BUV) und des kantonalen Denkmalpflegers. Streitpunkt ist die Liegenschaft «Zum alten Schmalzhaus» in der Altstadt. Vor drei Jahren hat Schlegel diese gekauft und wollte nun die Fassade des Hauses erneuern. Letztmals wurde dies 1945 gemacht. Im Zuge der Renovation wollte der Bauherr dem Haus einen neuen, kräftigeren Farbton geben. Doch das BUV machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Vor wenigen Tagen mussten die Maler das Gerüst am Schmalzhaus an der Marktgasse 74 unverrichteter Dinge wieder abbauen. Im oberen Teil der Fassade haben sie bereits den Putz für den neuen Anstrich vorbereitet, sodass das Haus nun einen unvollendeten Anblick bietet.
 

Gewählte Farbe kommt nicht in Frage

Begonnen hat die Odyssee für Ferdi Schlegel bereits am 5. Juli dieses Jahres. Damals hat er sich gemeinsam mit seiner Familie für eine Farbe entschieden und ein Baugesuch eingegeben. Mehrere Monate verstrichen, ehe es am 17. Oktober zu einer Begehung kam. An dieser waren neben dem Eigentümer auch der kantonale Denkmalpfleger, zwei Vertreter der Altstadtberatung sowie eine Farbspezialistin anwesend.

Der kantonale Denkmalpfleger habe ihm an diesem Treffen zu verstehen gegeben, dass der gewählte Rotton nicht in Frage komme, da die Farbe nicht ins Altstadtbild passe, sagt Schlegel. Zu knallig lautete das Urteil des Experten. «Das Haus sollte sich doch farblich etwas von den anderen, in eher blassen Tönen gehaltenen Nachbarhäusern abheben dürfen. Immerhin befinden sich in der Oberstadt auch ein grünes, zwei lachsfarbene, ein blaues, mehrere gelbe Häuser. Wir wollen mit unserer Farbwahl rechtsgleich behandelt werden», findet Schlegel.

Als Kompromiss schlug der Hauseigentümer einen dezenteren Rotton vor, doch auch diese Farbe stiess auf wenig Gegenliebe bei den Vertretern der Stadt. Stattdessen gab ihm das BUV fünf Farbtöne zur Auswahl. Diese entsprachen jedoch alle nicht den Vorstellungen von Schlegel.

«Bereits am ersten Treffen habe ich klar gemacht, dass ein weisser, brauner oder grauer Anstrich für mich nicht in Frage kommt. Wie kann es da sein, dass mir die Stadt genau einen dieser Farbtöne vorschreiben will, zumal diese alle sehr nahe beieinander liegen?» In der Folge wurden die Gerüste am Schmalzhaus aufgebaut, Renovationsarbeiten erledigt sowie Vorbereitungen für das Streichen der Fassade ausgeführt. Am 6. Dezember erhielt Schlegel dann eine E-Mail von der Abteilung Bewilligungen des BUV, welche das Fass für ihn zum Überlaufen brachte.
 

Wahl aus fünf Farbtönen der Farbexpertin

«Ihre Farbvorschläge sind aus denkmalpflegerischer Sicht zu knallig. Die Baukommission hat deshalb beschlossen, dass die Fassadenfarbe aus einem der fünf von der Farbexpertin vorgeschlagenen Farbtöne ausgewählt werden muss. Andernfalls wird die Baubewilligung widerrufen», zitiert Schlegel aus dem Schreiben. Ausserdem sei er dazu aufgefordert worden, ein neues Baugesuch für das Gerüst einzugeben oder selbiges zu demontieren. «So geht es nicht weiter», habe er sich gesagt und liess das Gerüst vergangene Woche kurzerhand abbauen. Schliesslich lasse er sich nicht «bevogten».

«Die Denkmalpfleger und die Baubehörde sollten eigentlich nur beratend tätig sein und dem Eigentümer das Recht belassen, eine Farbwahl einzubringen, statt ihm eine aufzuzwingen.» In Tat und Wahrheit würden sie aber ihre Kompetenzen ausreizen, wenn nicht gar überschreiten, sagt Schlegel. Das Schmalzhaus sei das einzige Haus auf dem Hofplatz, dessen Fassade noch nicht renoviert worden sei. Das BUV habe dies verhindert.
 

Baubewilligung an Bedingungen geknüpft

Die Stadt vertritt eine andere Auffassung. Die Baubewilligung für die Fassadenrenovation des Hauses an der Marktgasse enthalte die Auflage, dass die Farbgebung abschliessend durch die Altstadtberatung beurteilt werde. Im Streitfall entscheide die Baukommission, erklärt Renato Tamburlini, Leiter Hochbau.
 

Kein Konzept für die Farbwahl

Die Wahl der richtigen Farbe werde im Einzelfall getroffen. «Ein Konzept existiert nicht», sagt Tamburlini. Neben der Einfügung in die Häuserzeile würden bei der Farbwahl nach Möglichkeit auch persönliche Präferenzen der Bauherrschaft berücksichtigt. Im vorliegenden Fall seien deutlich mehr als fünf Farben diskutiert worden.

«Da aber kein Konsens über die Farbintensität gefunden werden konnte, hat die Baukommission dem Hauseigentümer letztlich die Wahl aus fünf Farbtönen vorgeschlagen», erklärt er. Die von Ferdi Schlegel gewünschte Farbe entspreche nicht den in der Wiler Altstadt praktizierten denkmalpflegerischen Grundsätzen mit eher dezenten Farbtönen und einer geringen Sättigung. «Die Fachmeinung dazu ist eindeutig.»

«Das ist eine Geringschätzung von Privaten, die Geld in die Hand nehmen, um die Altstadt schöner zu machen», sagt der Bauherr. Wie es nun weitergeht, ist unklar. Bezüglich des weiteren Vorgehens hält sich Schlegel bedeckt.


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