Die Luft im Bienenstock hat heilende Wirkung

NIEDERHELFENSCHWIL ⋅ Cécile und August Brunner sind überzeugt von der Heilkraft der Bienenprodukte. Gegen Erkrankungen der Atemwege bieten sie die Bienenstockluft-Therapie an. Auch Spitäler setzen den Honig als Heilmittel ein.
13. April 2018, 05:18

Für Cécile und August Brunner haben Bienen seit 40 Jahren eine grosse Bedeutung, sie pflegen heute 50 bis 60 Bienenvölker. Cécile Brunner ist ausgebildete Pflegefachfrau und hat sich an Kursen im In- und Ausland intensiv mit der Bienentherapie befasst. Der Bienenstock sei ein kleiner Wunderstaat, ein faszinierendes Miteinander, sagte sie. Die Arbeiterinnen pflegen die Brut, bewachen das Volk und gehen auf Sammelflüge.

Mittels Schwänzeln und Rundtänzen können sie ihren Kolleginnen aus dem gleichen Bienenvolk mitteilen, in welcher Distanz und Richtung von der Sonne sie eine gute Nektar-, Wasser- oder Pollenquelle gefunden haben. Um innerhalb des Volkes zu kommunizieren, benützen sie auch Pheromone, um etwa zu erkennen, ob die Königin noch im Volk ist. Ganz nebenbei bestäuben sie auch unsere Blumen und Pflanzen und benötigen für ihren «Eigenbedarf» etwa 70 kg Honig.

Warme Bedingungen im Bienenstock sind optimal

Erkrankungen der Atemwege sind weit verbreitet. Die Bienenstockluft-Therapie kann in allen Altersstufen angewendet werden und kennt kaum Nebenwirkungen. Der Biochemiker Eberhard Bengsch vom Max-Planck-Institut in München geht davon aus, dass alle Wirkstoffe, die in den bekannten Bienenprodukten sind, auch in der Bienenstockluft enthalten sind. Die warmen Bedingungen von 36 Grad im Bienenstock hält er für optimal, um die Wirkstoffe aus der Luft im Körper aufzunehmen. Die Betroffenen – auch Kinder - atmen über eine Inhalationsmaske während einigen Sitzungen dreimal zwölf Minuten die Luft dreier verschiedener Bienenstöcke ein. «Wenn sie von einer Biene gestochen werden, tut es zwar ein bisschen weh, zugleich wirkt das Bienengift positiv auf das Immunsystem – also müsste man eigentlich danke sagen», sagt Cécile Brunner. Die Biene sticht nur, wenn sie sich bedroht fühlt.

Erstaunliche Kräfte bei der Wundheilung

Der Honig ist ein beliebtes Nahrungsmittel, besitzt aber auch erstaunliche Kräfte bei der Wundheilung. Eines der wichtigsten Heilmittel ist Propolis – für das fleissige Bienenvolk ein wichtiges, klebriges Baumaterial zum Verschliessen undichter Stellen an Bienenstöcken. Es wird aus dem Kittharz der Bienen gewonnen, welches sie als Schutz gegen Feinde wie Viren, Bakterien und Pilze von den Bäumen sammeln und im Volk anbringen. Laut einer in Oxford durchgeführten Studie besitzt Propolis entzündungshemmende Eigenschaften und überrascht durch seine antiviralen und antimykotischen Heilkräfte – ohne Nebenwirkungen und ohne Resistenzmöglichkeiten, da es die Bienen immer wieder aufs Neue an die Umweltbedingung anpassen.

Mit Honig gearbeitet wird an folgenden Spitälern: Universitätsklinik Zürich, Kantonsspital Luzern, Kantonsspital Winterthur, Inselspital Bern, Spital Hohmad Thun, an der Universitäts-Kinderklinik Bonn und den chirurgischen Universitätskliniken von Limoges und Montpellier.

 

 


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