Der Wohnung fehlt die Küche

BICHELSEE ⋅ Die Gemeinde sucht für das Restaurant Landhaus einen neuen Mieter. Eine komplizierte Angelegenheit, sagt Gemeindepräsident Beat Weibel.
10. April 2018, 05:18
Olaf Kühne

Olaf Kühne

olaf.kuehne

@thurgauerzeitung.ch

«Ein schönes und gut eingerichtetes Dorfrestaurant an idealer Lage», wirbt die Gemeinde Bichelsee auf ihrer Website. Gemeint ist das Restaurant Landhaus an der Hauptstrasse 28. Die Gemeinde sucht für ihre Liegenschaft einen Mieter. Das Restaurant könne mit oder ohne Wirte-wohnung gemietet werden, und der Betrieb werde saniert, steht in der Annonce.

Vor bald zehn Jahren – im August 2008 – eröffnete die Familie Perera im stattlichen Riegelbau unter dem Namen «Smiling Elephant» ihr Restaurant mit asiatischem Touch – und die Pereras wirten dort nach wie vor; sicher noch bis Ende Juli.

Thema an der Gemeindeversammlung

Werden die Bichelseer also bald ein neues Dorfrestaurant haben? «Es ist kompliziert», sagt Gemeindepräsident Beat Weibel auf Anfrage unserer Zeitung – und betont gleichzeitig: «Wir haben mit den Pereras seit jeher ein sehr gutes Einvernehmen.» Es sei denn auch durchaus denkbar, dass die alten Mieter auch die neuen sein werden.

«Die Krux ist einerseits», sagt Weibel, «dass die Pereras den per Ende Juli auslaufenden Vertrag nicht erneuert haben, sich nun aber nicht sicher sind, ob sie nicht doch bleiben wollen.» Andererseits müsse die Liegenschaft – vor allem die Gebäudetechnik und die Restaurantküche – so oder so saniert werden. Zudem sei die Wirte­wohnung, die derzeit leer steht, alleine nicht vermietbar, weil sie weder eine Küche noch einen eigenen Eingang habe. «Eine typische Wirtewohnung halt», sagt Weibel.

Beziffern kann der Gemeindepräsident die anstehenden Sanierungskosten noch nicht. «Das hängt stark davon ab, wie es nach dem Juli mit dem Restaurant weitergehen wird», sagt Weibel. Sprich: Bleibt der «Smiling Elephant»? Gibt es allenfalls neue Mieter, welche die Wirtewohnung selber belegen? Oder muss diese für eine Drittvermietung umgebaut werden? Das Thema ist denn auch bereits für die Gemeindeversammlung vom 23. Mai traktandiert, wenn auch nur als «Information zum Restaurant Landhaus». Über die Sanierung können die Bichelseer Stimmbürger zu einem späteren Zeitpunkt befinden, verspricht Weibel. Ob an der Urne oder an einer Gemeindeversammlung, weiss der Gemeindepräsident noch nicht. «Aber wir sprechen auf jeden Fall über einen sechsstelligen Betrag», sagt er.

Vor allem aber sei man seitens Gemeinde mit den Pereras nach wie vor im Gespräch. «Das Inserat haben wir auf unsere Website gestellt, weil wir das Spielfeld aufmachen wollten», erklärt Weibel. So könne der Bichelseer Gemeinderat hinsichtlich der anstehenden Sanierung möglichst viele Optionen im Auge behalten.

Angst vor mehrmonatiger Schliessung

Zumindest eine Option hat derzeit auch Wirt Elmo Perera. «Wir sind dabei, ein Restaurant in Frauenfeld anzuschauen», sagt er. «Mitte April wissen wir mehr.» Der Eschliker betont indes, dass es schade wäre, Bichelsee zu verlassen. «Wir fühlen uns sehr wohl hier und schätzen unsere Stammgäste.» Er könne aber auch das Vorgehen der Gemeinde verstehen, sagt Perera. «Uns würde es genügen, wenn nur die Küche saniert würde. Vor allem der Tiefkühler macht uns seit zwei Jahren Probleme.» Für die Wirtewohnung habe man hingegen keinen Bedarf. «Dass die Gemeinde die Wohnung gerne vermieten möchte und dafür umbauen muss, ist verständlich», sagt Perera. «Ebenso, dass dies der Gemeinderat nicht einfach ohne Volksabstimmung entscheiden kann.» Indes würde eine grosse Sanierung für das Restaurant eine mehrmonatige Schliessung bedeuten, was wiederum keine Option sei.


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