Der Hausherr gibt den Schlüssel ab

KIRCHBERG/GLOTEN ⋅ Nach 46 Jahren im Dienste der Schweizer Post hat Xaver Fäh heute seinen letzten Arbeitstag. Vor der Pensionierung spricht der Leiter der Briefzustellregion Wil-Fürstenland-Toggenburg auch über Zeitdruck.
29. Dezember 2017, 05:21
Simon Dudle

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Xaver Fäh bezeichnet sich selber als «Relikt aus alten Zeiten». Denn sein Werdegang ist in der heutigen Zeit selten geworden. Das ganze Berufsleben war er für die Post im Einsatz. Dabei wandelte er auf den Spuren seines Grossvaters, der einst die Poststelle in Benken geleitet hatte. Nach der Lehre in Lichtensteig und Wildhaus bekleidete Fäh diverse Jobs, ehe er die vergangenen elf Jahre die Briefzustellregion Wil-Fürstenland-Toggenburg führte. Diese reicht von Eschlikon über Wil bis nach Flawil und umschliesst auch das Toggenburg bis nach Wildhaus.

Xaver Fäh, der in Kirchberg aufgewachsen und in der einwohnermässig grössten Gemeinde des Toggenburgs verwurzelt ist, hat auch die Errichtung des vor rund einem Jahr eröffneten Paket- und Briefverteilzentrums in Gloten vorangetrieben. Das vormalige Verteilzentrum für Pakete in Rickenbach war aus allen Nähten geplatzt. Zudem ist die Zukunft der Hauptpost in Wil ungewiss, da eine Zentrumsüberbauung geplant wird. «Es ist in Gloten anders als in Rickenbach, da das Gebäude länger und breiter ist. Die Mitarbeiter haben sich daran gewöhnt. Die Kunden merken nichts davon», sagt Fäh.

Schliessung einer Poststelle als ein Ereignis

Auch bei der Entwicklung des Poststellennetzes der Region Wil hatte der passionierte Wanderer Einfluss. Dass die Schliessung diverser Poststellen in der Kritik steht, kann er nicht verstehen. «Wenn die Raiffeisenbank 400 Filialen schliesst, dann nimmt man das einfach so zur Kenntnis. Wenn die Post das gleiche macht, ist es ein grosses Ereignis», sagt Fäh. Er betont, dass die Post keineswegs vom Staat subventioniert sei: «Der Bund ist unser Eigner und gibt uns Vorgaben. Wir liefern der Bundeskasse rund 200 bis 300 Millionen Franken pro Jahr ab.»

Aus seiner Sicht stimmt auch nicht, dass der Druck auf die Briefträger stetig zugenommen hat: «Bei mir musste keiner rennen. Ich sagte meinen Leuten, dass sie ein anständiges Tempo drauf haben und pflichtbewusst arbeiten müssen. Überforcieren ist aber nicht gut. Das macht nur krank. Den grössten Stress machen sich die Briefträger selber mit dem Gruppendruck und der täglichen Routine. Sie glauben, immer um Punkt 8.10 Uhr beim Herrn Müller sein zu müssen. Das ist aber nicht so.»

Mehr Zeit für die Ehefrau, Sport und Musik

Heute Freitag hat Xaver Fäh, der sich selber «Hausherr des Verteilzentrums in Gloten» nennt, seinen letzten Arbeitstag, ehe er in den dritten Lebensabschnitt wechselt. Nachfolger wird der bisherige Stellvertreter Armin Schneider. Blickt Fäh auf die 46 Jahre bei der Post zurück, so kommt er zum Schluss, den gleichen Weg nochmals beschreiten zu wollen, wenn er nochmals wählen könnte. «Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Man muss nur die verschiedenen Möglichkeiten annehmen und punkto geografischer Lage des Arbeitsplatzes beweglich sein.»

Trotzdem freut sich Fäh, die Verantwortung über 230 Personen gegen mehr Freizeit eintauschen zu können. So will er sich nun verstärkt dem Turnverein Kirchberg, seinen musikalischen Fähigkeiten und seiner Frau Elisabeth widmen. Sie wird im Januar ebenfalls pensioniert.


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