Nachgefragt

Dem Herumlungern ein Ende setzen

WIL ⋅ Am Bahnhof hält sich manch einer mit einem mulmigen Gefühl auf. Der Szenentreffpunkt ist vielen ein Dorn im Auge. Dieser soll laut einer Pilotstudie der SBB örtlich verlegt werden. Stadtparlamentarier Erwin Böhi setzt sich derweil für Bahnhofpaten ein.
30. Dezember 2017, 05:23
Simon Dudle

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Der Bahnhofplatz gibt keine gute Visitenkarte für die Stadt Wil ab. Er ist ein Szenentreffpunkt, so dass viele andere den Aufenthalt möglichst kurz halten. Auch die Busse und Postautos fahren gefühlt kreuz und quer über den Platz. Um diese Mankos zu beheben, sind diverse Massnahmen nötig. Zentraler Aspekt ist die Umgestaltung des ganzen Areals. Die Planungen laufen. Bis zur Umsetzung werden aber noch mehrere Jahre ins Land ziehen.

Damit ist es aber noch nicht getan. Da der Bahnhof Wil mit rund 20000 Passagieren pro Tag immerhin zu den mittelgrossen Haltestellen des Landes gehört, setzt sich auch die SBB für mehr Sicherheit ein. Im Rahmen einer Pilotstudie wurde die kriminalpräventive Situation durch die Firma EBP Schweiz beurteilt. Doch warum ist gerade Wil als einer von nur drei Bahnhöfen des Landes ausgesucht worden? In der Äbtestadt gibt es Angstorte und es wird wild gepinkelt. Ein tiefes Sicherheitsempfinden ist die Folge, obwohl es nur wenige Zwischenfälle gegeben hat.

Fünf Massnahmen für ein sichereres Gefühl

EBP empfiehlt fünf Ziele zu verfolgen. Erstens: Die Raumgestaltung optimieren. Will heissen: Mehr Platz schaffen, Lichtverhältnisse verbessern, die Attraktivität der Haupt- und Nebenunterführung erhöhen. Zweitens: Die Sauberkeit soll auf hohem Niveau gehalten werden. Ein erster Versuch sei mit einem zusätzlichen Toi-Toi-WC gemacht worden. Drittens: Für die Szenentreffen soll ein alternativer Platz gesucht werden. Die Szenenbildung beim Allee-Aufgang sei zu verhindern. Viertens: Die Kommunikation über den Bahnhofplatz sei zu verbessern. Und Fünftens: Personen eines Sicherheitszirkels sollen bei der Planung künftiger Entwicklungen im und um den Bahnhof mitwirken.

Nicht auf dieser Liste stehen Bahnhofspaten. Dabei handelt es sich um Freiwillige, die mit ihrer Präsenz dazu beitragen, dass die Atmosphäre am Bahnhof verbessert wird. Die Ausbildung wird von der SBB übernommen. Sie ist auch für Spesen, Ausrüstung und Honorierung der Freiwilligen zuständig. An rund 20 Schweizer Bahnhöfen des Landes sind bereits Paten im Einsatz.

Auch der Stadtrat ist für Bahnhofpaten

Stadtparlamentarier Erwin Böhi (SVP) ist von diesem Konzept angetan und will es in Wil etablieren. Verantwortlich sind die SBB und die Stadt Wil. Um dem Thema Nachdruck zu verleihen, hat Böhi eine Interpellation zu Bahnhofpaten eingereicht. Diese wurde von 20 weiteren Parlamentariern unterzeichnet («Wiler Zeitung» vom 20. September). Nun liegt die Antwort des Stadtrates vor. Obwohl diese Bahnhofpaten keine Massnahme der Pilotstudie ist, steht die Behörde Böhis Plänen positiv gegenüber. Erste Abklärungen sind bereits getätigt worden. Für die Einführung muss die SBB einen Vertrag mit der Stadt Wil abschliessen. Diese hat einen Projektleiter zu ernennen, welcher später die Koordination der Freiwilligen übernimmt. Zudem muss sie auch einen Raum am Bahnhof stellen. «In der Aufbau- und ersten Umsetzungsphase ist mit einem Aufwand von durchschnittlich zehn Prozent pro Woche für die Projektleitung zu rechnen. Zu klären gilt es, in welchem Departement und durch wen diese Projektleitung wahrgenommen werden soll, um den Raum zu finden und die entsprechenden Mittel bereitzustellen», schreibt der Stadtrat.

Mehr Sicherheitspersonal bringt keinen Mehrwert

Interessante Randnotiz: Im Juni des vergangenen Jahres wurde die Präsenz des SBB-Sicherheitspersonals am Bahnhof Wil erhöht. Laut der Pilotstudie hat dies aber keinen positiven Einfluss auf das subjektive Sicherheitsempfinden mit sich gebracht.


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