Zwei Celli für ein Halleluja

Auf der Bühne am Gleis duellierten sich zwei konkurrierende Cellisten um eine Orchesterstelle. Das Duo Calva begeisterte sein Publikum mit virtuosem Cellospiel, komödiantischem Talent und irrwitzigen Einfällen.
16. Januar 2012, 01:04
BEATRICE OESCH

Es ist ein Genuss, zwei talentierten Cellisten zuzuhören. Wenn diese ihre virtuose Kunst aber noch mit viel Humor und irrwitzigen Einfällen zu einem zwerchfellerschütternden Ganzen verbinden können, ist für einen unvergesslichen Abend gesorgt. So verwöhnte das Duo Calva sein Publikum auf der Bühne am Gleis am vergangenen Samstagabend auf der ganzen Linie. Ihr Ruf war den Multitalenten vorausgeeilt, und wegen des grossen Zuschauerandrangs für ihre Cello-Comedy wurde eine zusätzliche Sitzreihe aufgestellt.

«Ewigi Liebi» zu Bach

Alain Schudel und Daniel Schaerer zeigten in «Cellolite – Zwei Celli beim Vorspiel» Synchron-Bananenessen, kombinierten Cello-Sägen mit Bach, und Rossinis «Tell» mit «Bonanza». Sogar ein von einem Engel assistierter Striptease zu Nonstop-Cellospiel fehlte nicht. Sie bewiesen, dass «Ewigi Liebi» sehr gut zu einer Bach-Suite gespielt werden kann, und dass sie einen Can-Can nicht nur auf dem Cello spielen, sondern auch tanzen können. Mal spielten sie furios, dann wieder mit so viel zarter Hingabe, dass das Publikum fast dahinschmolz, um im nächsten Augenblick schon wieder Tränen zu lachen.

Gestrichen, gezupft und zersägt

Die zwei Cellisten wetteiferten bei einem Vorspiel um eine Orchesterstelle. Während Alain Schudel seinen Konkurrenten durch den «Elfentanz von Daniel Popper in doppeltem Tempo» auszustechen versuchte, bis die Finger übersäuerten, verfolgte sein Gegenspieler einen anderen Plan. Daniel Schaerer versuchte, seinem ehemaligen Kollegen durch Meditation und Yoga eine Gehirnwäsche zu verpassen. Daraus resultierten musikalische und komödiantische Duelle auf offener Bühne. Die Celli wurden gestrichen, gezupft und zum Jaulen gebracht, und auch gleichzeitiges Singen, Kasatschok-Tanzen und Reden brachte die Musiker nicht aus dem Takt.

Taktgefühl bis zum Letzten

Absolute Höhepunkte waren das «Ave Maria» zum Präludium von Bach, das die beiden vierhändig auf einem Cello spielten, und eine Bach-Suite, vorgetragen auf den zwei Hälften eines vertikal zersägten Instruments mit je nur noch zwei Saiten. Der tosende Schlussapplaus des Publikums mit Bravo-Rufen und Pfiffen fand erst nach drei originellen Zugaben ein Ende.

Vom Konzert zur Cello-Comedy

Daniel Schaerer und Alain Schudel lernten sich 1996 im Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester kennen, und schon bald darauf gründeten sie das Duo Calva. Ihre Konzerte brachten ihnen unter anderem 2004 den Orpheus-Preis ein. Orchestererfahrung sammelte Daniel Schaerer in der Oper Zürich und Alain Schudel in der Bayrischen Staatsoper in München.

Die Cellisten entwickelten unter professioneller Anleitung ihre Idee, ein Bühnenprogramm von Cellomusik mit einer Hintergrundgeschichte zu verbinden. Ihr Erstlingswerk, die Cello-Comedy «Heute abend: Zauberflöte! Grosse Oper für zwei Celli» hatte seine Premiere 2007. Als Dramaturgischer Berater des Duos Calva fungiert Charles Lewinsky.


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