Wettbewerb spielt bei Glasfaser

WIL. In Wil wird in den nächsten Jahren ein weitgehend flächendeckendes Glasfasernetz aufgebaut. Kostenpunkt: Mehr als elf Millionen Franken. Da erstaunt es, dass trotz hoher Kosten die TBW und die Swisscom eigene Netze aufbauen.
09. Dezember 2014, 09:09
HANS SUTER

Swisscom-Mediensprecher Olaf Schulze sagt: «Swisscom hatte seit September 2011 mehrmals Kontakt mit der Geschäftsleitung der TBW, um die Möglichkeiten einer Glasfaserkooperation zu besprechen. Die TBW haben uns gegenüber klargestellt, dass sie keine Zusammenarbeit möchten und das Glasfasernetz alleine bauen werden.»

Stadtrat dementiert

«Das stimmt meines Wissens nicht», entgegnet der für die TBW zuständige Wiler Stadtrat Daniel Meili auf die Aussage Schulzes. «Seit meinem Amtsantritt im Januar 2013 hat es genau ein Gespräch mit Swisscom gegeben. Damals hat uns die Swisscom ihre Ausbaupläne für Wil vorgestellt. Ein Angebot im eigentlichen Sinn haben wir von Swisscom seither nie erhalten.» Dem stimmt beim zweiten Hinsehen auch Olaf Schulze zu und unterstreicht: «Eine Partnerschaft gehen wir nur dort ein, wo wir die Technologie bestimmen können. Als nationaler Anbieter ist das unabdingbar.» Auch die Miete einer Glasfaser bei einem anderen Anbieter schliesst die Swisscom wegen der Abhängigkeit aus. Ausnahme bilde gegebenenfalls ein langfristig vertraglich vereinbartes Nutzungsrecht.

Zwei parallele Netze

In Wil ist man nach wie vor von einer Zusammenarbeit mit Swisscom nicht abgeneigt. «Von der Grösse her ist es für die TBW aber von grosser Bedeutung, ein eigenes Netz zu besitzen und unabhängig zu sein», sagt Meili. Sollte Swisscom später doch noch Interesse an einer Zusammenarbeit mit den TBW bekunden, sei er gesprächsbereit.

Auch Eschlikon baut selber

In der Hinterthurgauer Gemeinde Eschlikon ist die Situation ähnlich. Gleich wie in Wil bauen die Gemeinde und Swisscom ein separates Netz. Der zuständige Eschliker Gemeinderat Adrian Stutz bestätigt das. «Für uns ist entscheidend, ein eigenes Netz zu besitzen», sagt er. «Der Entscheid war aber kein Entscheid gegen Swisscom», unterstreicht er. Olaf Schulze von Swisscom bestätigt Verhandlungen mit Eschlikon. «Wir haben uns jedoch finanziell nicht einigen können. Die Gemeinde stellte so hohe Forderungen, dass Swisscom das Netz alleine annähernd günstiger hätte bauen können», sagt er.

Konkurrenz im freien Markt

Damit treten Swisscom und Gemeinden mit eigenem Glasfasernetz in Konkurrenz. Das bekommt der Konsument zu spüren. So wird Swisscom TV auf dem Gemeinde-Glasfasernetz der Stadt Wil nicht verfügbar sein – aus Konkurrenzgründen. Seltsam wird es im Internet. Gibt man die Domain www.tbw.ch ein, gelangt man nicht zu den TBW, sondern zu Bluewin. Wieso das? «Diese Domain hat Swisscom seit 1997», sagt Olaf Schulze. Dies ist eine Kurzform von «The Blue Window». Sie wurde später in Bluewin umbenannt.


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