Schwierige Zeiten vor 100 Jahren

WERDENBERG ⋅ 1917 lastete der Erste Weltkrieg auch auf der heimischen Bevölkerung schwer. Auf die Weihnachtszeit und den Wechsel ins Jahr 1918 freute man sich trotzdem.
27. Dezember 2017, 06:51
Hansruedi Rohrer

Hansruedi Rohrer

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Man schrieb das dritte unselige Weltkriegsjahr 1917, unter dem auch die Schweizer Bevölkerung in gewissem Masse zu leiden hatte. Dazu kam die ständige Angst im Nacken, von einer fremden Kriegsmaschinerie überrollt zu werden. Es gab Schwierigkeiten in der Lebensmittel- und der Brennstoffversorgung. Und auch im vierten Kriegswinter standen die schweizerischen Truppen an den Grenzen. Für diese Soldaten sammelte der Verein «Soldatenwohl» nicht nur Geld, sondern auch Stoffe und Wolle. Daraus stellten Heimarbeiterinnen, welche finanziell auch in Not waren, Hemden und Socken her. Der Verein nahm auch sonstige kleine und grosse Gaben entgegen. Abgeben konnte man diese bei Oberst Hess in Buchs, Gemeindeammann Tischhauser in Grabs, Frau Zinsli-Hutter in Sennwald, Frau Hitz in Sevelen.

Zahlreiche Wehrmänner der 2., 5. und 6. Division, der Festungsbesatzungen, der Armeetruppen sowie des Landsturms waren auch um die Jahreswende 1917/1918 von ihren Familien getrennt, um die Vaterlandspflicht zu erfüllen. Umso dankbarer nahmen sie daher Weihnachtsgaben in Empfang. Nebst anderen Sammelstellen war die Zentralstelle für Soldatenfürsorge im Armeestab in Bern eine wichtige Organisation.

Am 6. Dezember 1917 gelangte das evangelische Pfarramt Buchs in einem Zeitungsinserat mit der Weihnachtsbitte für die Sonntagsschulen der Gemeinde an die Bevölkerung: «Dürfen wir auch dieses Jahr mit unserer Bitte kommen, auch dieses Jahr anklopfen an den Türen von Häusern und Herzen? – Schwer lastet der Krieg auf uns allen, umsonst ist das Harren und Sehnen nach Befreiung von dem Druck, der unsere Seelen martert; es scheint, als ob die Menschen den Weg nicht finden wollen und können, der zum Frieden führt. Sollten darum auch die Weihnachtsglocken und die Botschaft, die von oben kommt, den Weg nicht finden in unsere Herzen oder darinnen hoffnungslos verklingen? Nein, das liebliche Weihnachtsfest ist uns in dieser schweren Zeit doppelt willkommen.»

Papier sparen und Einkaufssäcke mitbringen

Die gewaltig hohen Papierpreise veranlassten die Kommission des Rabattvereins Buchs und Umgebung, am 8. Dezember 1917 mit der dringenden Bitte an die verehrte Kundschaft zu gelangen, «diese möchte bei ihren Einkäufen doch die nötigen Säckli und Verpackungen mitbringen, wofür wir den besten Dank aussprechen.»

Am 10. Dezember 1917 wurde unter grosser Beteiligung Kaspar Senn im 96. Altersjahr als ältester Mitbürger zu Grabe getragen. Geboren im April 1822 hatte er der Gemeinde in früheren Jahren als Gemeinderat, Verwaltungsrat und Kirchenrat treue Dienste geleistet. Und ein seltener Umstand haftete an ihm: Mit Kaspar Senn durfte wohl der letzte Sonderbundsveteran der Gemeinde zur grossen Armee abberufen worden sein. Als 24-jähriger Bursche machte er als Tambour den Sonderbundsfeldzug mit. Bis ins hohe Alter war er körperlich und geistig rüstig.

Um Arbeiterentlassungen zu verhindern, liessen die Schweizerischen Bundesbahnen Mitte Dezember 1917 im Bahnhof Buchs grössere Notstandsarbeiten im Kostenvoranschlag von rund 250 000 Franken ausführen. Zur späteren Anlage eines Rangierbahnhofes hatten die Bundesbahnen von der Orts­gemeinde Buchs 15 000 Quadratmeter Land erworben. Vorerst wurde der Eisenbahnkanal verlegt und eine Strassenunterführung unter dem Hauptgeleise erstellt. Am 15. Dezember 1917 reisten mit einem Extrazug 580 Ferienkinder aus Vorarlberg in die Schweiz, die Mehrzahl gelangte in den Kanton Basel.

Die Blaukreuzkommission lud am 30. Dezember um 17 Uhr zur Christbaumfeier der Hoffnungsbünde Buchs und Räfis in die evangelische Kirche Buchs ein. Man bat darum, die Kirchengesangbücher mitzubringen, und freiwillige Gaben wurden bestens verdankt.

Das neue Jahr 1918 musikalisch begonnen

Der damalige Orchesterverein Buchs lud am 1. Januar 1918 die Bevölkerung mit einem «kräftigen, fröhlichen Prosit Neujahr» in den Saal des Hotels Bahnhof zum abendlichen Neujahrskonzert ein. Der Eintritt kostete einen Franken. Düstere Worte hingegen fanden sich im ersten Abschnitt des Leitartikels in den «Werdenberger Nachrichten» vom 29. Dezember 1917 zum neuen Jahr: «Im Trauerschleier hat sich uns das Jahr 1917 vorgestellt, im Trauerflor begleitet und im Trauergewand von uns Abschied genommen. Das Jahr ist dahingegangen; es ist auch hinabgestiegen in das lange, tiefe Grab der Zeiten, sein Gewand aber und das dunkle Geheimnis der Zukunft, das es während 365 Tagen gehütet hat, hat es seinem Nachfolger als Erbe hinterlassen. So viel Leid, so viel Jammer und so viele Tränen und Sorgen hat noch keins vor ihm gesehen.»

Am Neujahrstag 1918 lud Robert Spiess vom Restaurant Rätia in Buchs freundlich zum Tanz ein, und vom Buchserberg meldete man eine «1A-Schlittelbahn». Am 2. Januar 1918 erfolgte in Grabs die Ausgabe der Brot-und Mahlkarten sowie der Rationenkarten für Zucker, Reis, Teigwaren, Butter und Polenta für den Monat Januar.

Quelle: «Werdenberger Nachrichten», Dezember 1917


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