Nur Schweizer Meister Sihltal war zu stark für Grabs

USTER/GRABS ⋅ Grabs hat in der Meisterschaftsentscheidung nicht das Spiel um Platz eins verloren, sondern Rang zwei gewonnen. Gegen Pilatus Kriens im Halbfinal gelang noch die Überraschung. Der neue Titelhalter ist dagegen noch eine Nummer zu gross.
08. April 2018, 18:04
Robert Kucera

Am Ende war es ein Satz, der das Finalspiel zwischen Grabs und Sihltal frühzeitig beendete. Denn die Zürcher gewannen zwei der drei Partien und führten nach Sätzen uneinholbar mit 7:3. Somit kam die Nummer vier von Grabs, Simon Vaclahovsky, gar nicht mehr zum Einsatz, das Finalspiel ging mit 2:1 an Sihltal. «Natürlich ärgere ich mich. Ich wäre gerne im schönen Glascourt, wo ich noch nie gespielt habe, angetreten.» Nur einen Satz mehr hätten die Grabser dafür gewinnen müssen. Oder andersherum: Einen Satz weniger abgeben.

Grabs hat in der Meisterschaftsentscheidung nicht das Spiel um Platz eins verloren, sondern Rang zwei gewonnen. Gegen Pilatus Kriens im Halbfinal gelang noch die Überraschung. Der neue Titelhalter ist dagegen noch eine Nummer zu gross. (Robert Kucera)



«Im Spiel habe ich gar nicht darüber nachgedacht», sagt Yannick Wilhelmi, der Andreas Dietzsch «nur» mit 3:1 bezwungen hat. «Nach dem Spiel habe ich aber realisiert, dass dieser Satz nicht gut ist fürs Team.» Es war der schwächste Satz, den Wihelmi in den Playoffs im Squashcenter Uster gespielt hat. Beim Stand von 6:4 unterliefen dem sonst konstanten Grabser Youngster gleich vier vermeidbare Fehler in Serie. Nach dem 6:8-Rückstand schloss er nochmals auf, es hiess 8:9.

«Standesgemäss» für diesen Satz beendete Wilhelmi den Durchgang mit den zwei nächsten Fehlern. «Es ist sehr schwer, auf diesem hohen Niveau 3:0 zu gewinnen.» Zudem war sein Gegner nicht von Pappe: Dietzsch wird im Swiss Ranking auf Position acht geführt, Wilhelmi ist Zwölfter.
 

«Mit dem zweiten Platz können wir zufrieden sein»

Das vorzeitige Final-Ende einem Grabser Spieler anzukreiden wäre deshalb falsch. Denn Rudi Rohrmüller auf Position eins und Luca Wilhelmi auf Position zwei mussten gegen Titanen des Schweizer Squashsports antreten. «Der Unterschied zwischen mir und ihm ist, dass Nicolas Müller ein Spieler der Weltspitze ist. Er ist eine Nummer zu gross», sagt Rohrmüller und nennt die Vorzüge seines Kontrahenten: «Physis und Genauigkeit.» Und Vaclahovsky sah von der Tribüne aus, was Sache ist: «Die Spieler auf den Positionen eins und zwei waren einfach stärker.»

Die Enttäuschung nach dem verlorenen Endspiel war zwar greifbar. Doch jeder Spieler und auch Teamcaptain Elisabeth Lamprecht zogen in der Analyse rasch ein positives Fazit vom Wochenende. «Der Abschluss war die Krönung der Saison. Es war ein schöner Event, am Freitag unglaublich spannend. Ich bin sehr stolz auf das Team», so Lamprecht. «Mit dem zweiten Platz können wir zufrieden sein», sagt Luca Wilhelmi. «Da Rehman verletzt ausgefallen ist, waren wir schon etwas überrascht, dass wir ins Final einziehen konnten.»
 

Top-Leistung des ganzen Teams im Halbfinal

Dass Grabs den Mitfavoriten Pilatus Kriens zu bezwingen vermochte ist aus Lamprechts Sicht und unter diesen Umständen sogar «eine Sensation.» Der grösste Exploit gelang dem Jüngsten: Yannick Wilhelmi bezwang Benjamin Fischer, Nummer sieben im Ranking, mit 3:0. Seine feine Technik, das variantenreiche Spiel, aber auch Kampfkraft und flinke Beine ebneten den Weg zum Sieg. «Für mich ist dies definitiv ein grosser Sieg», sagte er nach der Partie. Erstmals hat er einen Top-Ten-Spieler besiegt. Das war kein sanftes Anklopfen an die Tür zur Top Ten, sondern eine Kampfansage gepaart mit einem Empfehlungsschreiben.
 

Alle sind im Halbfinal über sich hinausgewachsen

Ihren Teil zum Erfolg trugen auch Rudi Rohrmüller und Luca Wilhelmi bei. Sie stibitzten den beiden nationalen Spitzenspielern Reiko Peter (Nummer zwei) und Roman Allincky (Nummer fünf) je einen Satz – was eminent wichtig war. Das Meisterstück gelang aber Ersatzmann Simon Vaclahovsky. Kurzfristig aufgeboten, vom Urlaub zurückgekehrt und, wie er sagt, seit einer Ewigkeit nicht mehr trainiert, begann er das Spiel wenig verheissungsvoll. Im ersten Satz unterlag er Christoph Zust mit 6:11 und lag im zweiten Durchgang mit 5:9 in Rücklage. «Am Anfang spielte ich zu passiv. Dann habe ich mir gesagt: Jetzt muss ich was ändern, sonst verlierst Du 0:3.»

Gesagt, getan: Er spielte risikoreicher und agierte nun statt bloss zu reagieren. Er drehte den Satz, siegte 12:10 – was dem Gegner schlecht bekam: In der Folge zerlegte Vaclahovsky den immer müder werdenden Zust in seine Einzelteile, gewann die  Sätze drei und vier mit 11:1. In der Endabrechnung hiess es somit 2:2, nach Sätzen gewann Grabs mit 8:7.

«Alle sind über sich hinausgewachsen», ist Elisabeth Lamprecht voll des Lobs. «Jeder hat alles gegeben, die Jungs haben es verdient, das Finalspiel bestreiten zu dürfen.»

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